Menschen mit psychischen Störungen benötigen therapeutische Hilfe, doch es gibt so viele unterschiedliche Verfahren, dass es nicht immer leicht fällt sich für das richtige zu entscheiden. In der Regel orientieren sich die Therapierichtungen an den Hauptströmungen der Psychologie. Sehr verbreitet sind die Verhaltenstherapie und die kognitive Therapie. Beide sind für die Bekämpfung von Angststörungen oder auch affektiven Störungen, wie der Depression sehr hilfreich. Doch als ebenso bedeutsam gelten die psychoanalytische und die klientenzentrierte Therapie. Erst Genannte ist vor allem langfristig und ursachenorientiert, während das klientenzentrierte Verfahren dem Ratsuchenden ein Verständnis über sich selbst vermitteln will. Zur ernsthaften Alternative entwickelte sich in jüngster Zeit immer mehr die systemische Therapie, die die wechselseitigen Beziehungen der Menschen untereinander in den Mittelpunkt stellt.
Grundprinzipien der systemischen Therapie
Zwar gibt es nicht die systemische Therapie, doch haben die verschiedenen Richtungen gemeinsame Prinzipien. Dazu gehören das sogenannte Hypothetisieren, das Prinzip der Zirkularität und die Neutralität. Während Neutralität die Fähigkeit des Therapeuten beinhaltet, für alle Systemmitglieder gleichermaßen Partei zu ergreifen, geht es bei der Zirkularität um einen zentralen Kern der systemischen Therapie. Gemeint ist, dass Verhaltensweisen innerhalb eines Systems wie der Familie sich gegenseitig bedingen. Deshalb interessieren sich die Systemiker nicht so sehr für die Natur eines Phänomens, zum Beispiel einer Angststörung, sondern vielmehr für seine Bedeutung für die gesamte Familie. Prägend für die Arbeitsweise des systemischen Therapeuten ist auch das Formulieren von Hypothesen. Dabei handelt es sich um vorläufige Annahmen, wie unter anderem der zum Beispiel gegenüber einem Elternpaar geäußerten Vermutung, das jüngste Kind genieße größere Freiheit als die anderen in der Familie.
Techniken in der systemischen Therapie
Die systemische Therapie bedient sich einer Fülle von Techniken. Die Auswahl hängt ab vom Klienten selbst, seiner Störung und seiner Persönlichkeitsstruktur. Fast immer jedoch wird das sogenannte zirkuläre Fragen als Umsetzung des Prinzips der Zirkularität angewendet. In der Regel geht es darum, verschiedene Beziehungsmuster innerhalb eines Systems aufzudecken. Dies erklären Arist von Schlippe und Jochen Schweitzer, zwei der bekanntesten Familientherapeuten Deutschlands in ihrem "Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung" am Beispiel folgender Fragestellung: Was denkst du, Helmut, was es bei deiner Mutter auslöst, deinen Vater weinen zu sehen? Damit, so sagen sie, werden den Klienten verschiedene Beziehungsmuster verdeutlicht. Ebenfalls häufig zur Anwendung kommt die Technik des Umdeutens. So werden hier Geschehnisse und Ereignisse vom Therapeuten in einen anderen Rahmen gestellt, um ihnen dadurch einen neuen Sinn zu geben. Ziel dieser Technik ist es, Defizite oder Fehler in vorher nicht gesehene Kompetenzen umzudeuten. So kann der dauernde Streit eines Ehepaares als Ausdruck von Lebendigkeit und Interesse aneinander gedeutet werden und dem Paar eine neue Sichtweise vermitteln.
Das Menschenbild der systemischen Therapie
Das Handeln in der systemischen Therapie basiert auf einer gemeinsamen Überzeugung. Danach haben die Menschen alle Anlagen, sich vollständig zu entfalten. Jeder besitzt eine Lebenskraft in sich, die man als Schatz bezeichnen kann. Dieser ist ständig vorhanden, auch wenn manchmal das Bewusstsein dafür verloren geht. Genau dies ist nach Ansicht der systemischen Therapeuten das Besondere ihres Ansatzes: Der Mensch wird grundsätzlich positiv gesehen, es steht weniger die Krankheit im Vordergrund, sondern die Stärke und Fähigkeit eines jeden Einzelnen, sich selbst helfen zu können.
