Was ist Wahrheit im Glauben?

Wahrheit durch Axiome; Wahrheitsbegriff in der Religion: absolute versus relative (wahr-genommene) Wahrheit.

Angeregt durch viele Diskussionen und nach stetiger, langjähriger Suche, ist es endlich Zeit, sich diesem Begriff zu nähern. Doch vorher einige Erklärungen, wie sie Computeranwendern durchaus geläufig sind.

Die Wahrheit in der mathematischen Anwendung

Das Kalkulationsprogramm EXCEL bietet eine fantastische Definition von „wahr“ an: Wahr ist danach das Ergebnis in einer Zelle (z. B. eine errechnete Zahl), wenn die Bezüge und die Logik des angezeigten Wertes den Vereinbarungen (Axiomen) entspricht. Damit ist aber noch nicht gesagt, wie dieser Wert zustande gekommen ist. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten; entweder steht das Ergebnis in einer absoluten, oder in einer relativen Adressierung. So weit die Begrifflichkeit der in EXCEL angewandten Mathematik.

Wie ist es aber mit der Wahrheit in der Religion und im Glauben?

Der Wahrheitsbegriff in der Religion

Hier bewegen wir uns auf einer ganz anderen Ebene, die aber auch von rational denkenden Menschen sehr häufig mit der mathematischen verwechselt, oder diese mit der religiösen in einen gemeinsamen Topf geworfen wird. Dies führt naturgemäß zu Irritationen, Missverständnissen oder gar Streit; selbst Glaubenskriege sollen darüber ja entbrannt sein.

Die absolute Wahrheit in der Religion

Wenn ich Gott als eine gesicherte Tatsache annehme, ihn also als ein allseits anerkanntes „Axiom“ (anerkannte, allseitige Wahrheit) – selbst als eine lebendige Entität – verstehe, dann ist Gott die Wahrheit selbst. Ich anerkenne ihn als einen absoluten Wert in sich. Von da an müssen folgerichtig alle „Ableitungen“, also alles, was unmittelbar mit ihm zu tun hat, ebenfalls absolut wahr sein, da sie sich ja direkt auf den zentralen Wert der Wahrheit berufen.

Unwahr ist dann allerdings die Behauptung, ein Gott sei der Richtige, der andere aber nicht; die absolute Wahrheit kann dann eben nicht mehr in richtig oder falsch unterschieden werden. Sie ist die Omnipotenz (-Deus) aufgrund ihres in sich ruhenden Selbstverständnisses; oberhalb davon gibt es nichts. Hier ist der Streit darüber eine sehr zweifelhafte und ergebnislose Rechthaberei und verabsolutiert ein Selbstverständnis, das im Wesentlichen nur auf sprachlichen Regelungen beruht.

Die relative Wahrheit in der Religion

Jetzt hat aber jede Religion ihre eigene Entstehungsgeschichte, die immer von Menschen und ihrem Verständnis begleitet ist. Der Wert einer Sache oder Angelegenheit bestimmt sich hier nach dem aufrichtigen Streben und der bestmöglichen Einschätzung, zu der Menschen fähig sind. Deshalb bleibt diese Wahrheit dann von den persönlichen und intellektuellen Fähigkeiten dieser Menschen bestimmt; sie wird und ist damit relativ. Der Mensch ist Mittler der Wahrheit und nicht ihre originäre Verkörperung.

Jemand sagte einmal: Die Sprache ist die Wurzel aller Missverständnisse. Auf die Wahrheit bezogen, müsste es hier wie folgt heißen: Die Wahrheit ist die Wurzel aller Streitigkeiten. Da sie jeder für sich in Anspruch nimmt, glaubt jeder, sie auch zu besitzen. Unverstanden bleibt die Erkenntnis, dass diese wahrgenommene Wahrheit nicht per se wahr ist, sondern Kraft eigener Einschätzung (Erkenntnis) wahr wird,. So gesehen hat nicht nur jede Gruppe von gläubigen Menschen ihre eigene Wahrheit, sondern auch jeder Mensch für sich alleine. Die Einordnung dieser Wahrheit – als Glauben – in einem religiösen System, bestimmt ursächlich die Religionszugehörigkeit des Glaubenden.

Das Wahrheitsverständnis und die Folgen

Die meisten Menschen sind in eine Religionsgemeinschaft hineingeboren. Aus staatlicher Sicht, verpflichtet das zunächst zu nichts. Mit dem 14ten Lebensjahr garantiert das Grundgesetz die Entscheidungsfreiheit, sich zu einer Religionsgemeinschaft zu bekennen; auch gegen den Willen der Erziehungsberechtigten. Es wird davon ausgegangen, dass ab diesem Alter die Erkenntnisfähigkeit so weit entwickelt ist, sich für die jeweils erkannte Wahrheit zu entscheiden. Dieser Wert wird vom Staat so hoch angesetzt, dass er weit vor dem Alter der Volljährigkeit in freier Selbsteinschätzung und Selbstbestimmung gewährt wird.

Krcmar, Krcmar

Robert Johann KRCMAR - Als Beamter des ‚gehobenen Dienstes’ (Dipl.-Finanzwirt) in der Bundesfinanzverwaltung, hatte ich sehr schnell meine gesteckten ...

rss