Was sind eigentlich Zertifikate? Vielen ist diese Investmentform spätestens nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers bekannt. Zugleich wissen viele immer noch nicht, wie die Wertpapiere funktionieren.
Rechtlich gesehen sind Zertifikate Inhaberschuldverschreibungen, die mit Unternehmensanleihen gleichzusetzen sind. Der Anleger leiht dabei dem Emittenten – also der Bank, die die Zertifikate begibt – Kapital. Im Gegenzug hat der Anleger die Chance, sein Kapital plus Gewinn zu einem vereinbarten Zeitpunkt zurückzuerhalten. Sollte jedoch der Emittent zahlungsunfähig, also insolvent, werden, kann es zum Totalverlust kommen – wie bei Lehman Brothers.
Bonität des Zertifikate-Emittenten
Zertifikate sind für Privatanleger seit 1989 am Markt erhältlich. Im vergangenen Jahr wurde mit Lehman Brothers zum ersten Mal eine Bank insolvent, die diese Papiere begibt. Anleger sollten deshalb vor dem Zertifikate-Kauf einen Blick auf die Bonität der jeweiligen Bank werfen. Informationen dazu bietet beispielsweise der Deutsche Derivate Verband. Je besser die Bonität, desto unwahrscheinlicher der Zahlungsausfall.
Marktentwicklung der Anlageklassen
Ob Anleger mit Zertifikaten erfolgreich sind, hängt zudem von einem weiteren Faktor ab, nämlich der Börsenentwicklung. Denn die Papiere beziehen sich auf bestimmte Anlageklassen, so genannte Basiswerte. Das können beispielsweise Aktien, Indizes, Anleihen, Rohstoffe oder auch Immobilien sein. Zertifikate sind somit hinsichtlich ihrer Wertentwicklung an ihren Basiswert gekoppelt.
Index- und Bonus-Zertifikat
Ein Beispiel: Ein Index-Zertifikat hat den DAX als Basiswert. Steigt das deutsche Börsenbarometer um 20 Prozent, steigt auch der Wert des Zertifikats um 20 Prozent. Neben Index-Zertifikaten gibt es viele andere Zertifikate-Typen. Eine bekannte Zertifikate-Kategorie sind Bonus-Zertifikate, die eine Bonuszahlung versprechen, solange bestimmte Bedingungen erfüllt werden. Beispiel: Das Bonus-Zertifikat auf die Aktie X verspricht zum Laufzeitende nach drei Jahren die Rückzahlung des Einsatzbetrags plus eine Bonuszahlung von 30 Prozent, solange die Aktie ihren Startwert, der zu Laufzeitbeginn des Zertifikats festgelegt wird, während der Laufzeit nicht um mehr als 30 Prozent unterschreitet. Mit Bonus-Zertifikaten können Anleger also Renditen erzielen, selbst wenn sich der Kurs des Basiswerts seitwärts entwickelt oder moderat fällt.
Sichere bis spekulative Investments
Zertifikate sind entgegen der landläufigen Meinung grundsätzlich keine Zockerpapiere oder unseriöse Geldgeschäfte. In Deutschland begeben alle großen Banken solche Wertpapiere. Unter den zig Tausenden Papieren, die der deutsche Markt bietet, befinden sich Zertifikate, die sowohl konservativ, als auch spekulativ ausgerichtet sind. Zertifikate sind an der Börse oder auch über den Emittenten selbst handelbar. Mit diesen Papieren ist es wie mit anderen Investments auch: Anleger sollten sich die Auszahlungsbedingungen genau ansehen und wissen, welche Risiken sie eingehen. Wie bei allen Finanzprodukten gilt die Regel: Je größer die Renditechance, desto höher das Verlustrisiko.
