Die Depression begleitet den Menschen von Anfang an. Im Mittelalter glaubte man, dass die Betroffenen vom Teufel besessen wären. Später steckte man die Kranken in die Zucht- und Tollhäuser, zusammen mit Arbeitslosen, Kriminellen und Prostituierten. Im 18. Jahrhundert begann dann die barbarische Behandlung, die der Folter glich. Durch die körperliche Erschütterung wollte man die seelische übertreffen und auf diese Weise die Seele heilen.

Diagnose Depression? Lieber verheimlichen

Bis heute begleitet die Depression, wie auch andere psychische Krankheiten, ein anstößiger Ruf. Daher fürchten die Erkrankten nach wie vor, darüber zu sprechen, und leugnen lieber ihre Probleme. So erinnerte sich Helmut Schmidt in einem Interview für „Die Zeit“, wie sich Willy Brandt nach den gewonnenen Wahlen 1972 ins Krankenhaus zurückzog und ihn und Wehner darum bat, „die neue Regierung zusammenzustellen“. Selbst war Brandt in diesem Moment nicht in der Lage, etwas zu unternehmen. Er litt an wiederkehrende Depressionen. Die Öffentlichkeit erfuhr damals nichts davon. Seine Krankheit wurde lange verheimlicht. Nach Jahrzeiten schien sich in dieser Hinsicht nichts verändert zu haben. Die Depression von dem Fußballer Robert Enke wurde erst nach seinem Selbstmord bekannt. Sein Tod sorgte für Aufruhr. Nach einem kurzen Moment der Reue und vielen Versicherungen, in der Zukunft anders zu handeln, ist es wieder, wie es davor war. Die Angst vor der Stigmatisierung bleibt auch erhalten.

Wieso wird man depressiv?

Es gibt keine einfachen Antworten auf diese Frage. Als Ursachen erwähnen Forscher die anfällige Persönlichkeit, das Elternhaus, die Erziehung und Erlebnisse, die eine Person in ihrem Leben sammelt, und nicht zuletzt die genetische Veranlagung. Was jedoch eher auf die Ratlosigkeit deutet: lässt sich ein psychisches Phänomen nicht erklären, schieb man die Verantwortung auf die Gene ab. Hätte man aber in diesem Falle nicht erwarten müssen, dass die Krankheit eindeutiger zu definieren wäre und einheitliche Züge vorweisen könnte? Weil nicht nur die Ursachen, sondern auch die Verläufe sind vielfältig. Die Depression zeigt jedes Mal ein anderes, ganz persönliches Gesicht. Nur ihr Hauptmerkmal, schon vor Jahrhunderten trefflich beschrieben, bleibt konstant: tiefe, schwere Hoffnungslosigkeit.

Was hilft gegen Depression? Zwischen Markt und Vernunft

Eine grundsätzliche Debatte entzündet sich zwischen den Befürwortern der medikamentösen und der therapeutischen Lösungen.

Es klingt verlockend einfach: Pille soll es richten. Dafür wurden spezielle Psychopharmaka entwickelt: Antidepressiva. Sie sollen das Gehirn chemisch „reparieren“ und von Schwermut befreien. Dahinter lässt sich der alte Glaube an das mechanische Bild der Welt und des Menschen erkennen. Als ob es Sigmund Freud nie gegeben hätte. Vielmehr aber als um Überzeugungen geht es hier um das Geschäft. Die Zukunft für die Pharmaindustrie sieht rosig aus. Die psychischen Krankheiten und darunter die Depressionen nehmen zu, wie das Interesse der Pharmaindustrie an diesen Krankheiten.

Der therapeutische Weg stellt einen ganz anderen Ansatz vor und bedarf viel mehr Aufmerksamkeit für den Menschen. Ist das altmodisch oder im Gegenteil: die Zukunftsmelodie?

Antidepressiva – „gefährliche Helfer“?

„Gefährliche Helfer“ so titelte einmal „Die Zeit“ ihren Artikel über die Antidepressiva. In der Tat - die Nebenwirkungen sind enorm. Zu den häufigen Folgen gehören Schwindel und Müdigkeit, Kreislaufstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Störungen der Sexualität und was in diesem Zusammenhang besonders erschreckt: erhöhte Suizidgefährdung in der Anfangsphase der Behandlung. Die labilen Menschen werden also einem erhöhten Druck ausgesetzt. Das ist nicht nur gefährlich, sondern auch absurd. Zuerst wird viel schwerer bevor es (nur vielleicht und ohne Garantie) besser geht und der Patient sich davor nicht umgebracht hat?

Was ist mit den Naturmitteln?

Vor diesem Hintergrund muss es die verbitterte Verbissenheit wundern, mit der die sogenannten weichen Drogen bekämpft werden. Wer sich an die berühmte Fernsehkommissarin Bella Block erinnert, die versehentlich Plätzchen mit Hanf verspeiste und danach freudige Heiterkeit zeigte, muss doch stauen, dass man zu diesem immerhin Naturmittel nicht greift, um die Stimmung der Schwermutigen zu erhellen.

Bildnachweis: Gerd Altmann/dezignus.com / pixelio.de