
- Kühle Verlockung - Eis - Thomas Max Müller
Wer im Sommer nicht an einer Eisdiele vorbei kommt, ohne sich mit einer Waffel mit dem köstlichen Gefrorenen zu verwöhnen, kann beruhigt sein. Speiseeis ist gesund. Wissenschaftler haben die gefrorene Süßspeise genau unter die Lupe genommen und kamen zu folgendem Ergebnis: Ein Eisbecher, der etwa einhundert Gramm wiegt, kann den Tagesbedarf eines Erwachsenen an Kalzium voll decken, den eines Heranwachsenden bis zu achtzig Prozent und den einer schwangeren Frau bis zu sechzig Prozent. Außerdem enthält Speiseeis Phosphor, Magnesium, Eisen und Mineralsalze. Fette und wasserlösliche Vitamine, darunter Vitamin A, B2, B12 und Vitamin D sind neben Zucker und Früchten weitere Bestandteile des Speiseeises. Die Grundbestandteile der Eismischung sind genau vorgeschrieben. Der Milchgehalt bei Milchspeiseeis muss mindestens siebzig Prozent der Gesamtmasse ausmachen. Bei Fruchteis beträgt der Fruchtgehalt mindestens zwanzig Prozent.
Kalte Getränke bringen den Körper zum Schwitzen - Eis kühlt
Die Skepsis gegenüber dem Genuss der gefrorenen Speise hielt sich lange. Goethes Mutter erschien es unmöglich, dass der Magen Eis vertragen könnte, auch wenn es gezuckert war. Deshalb goss sie das Eis, welches ein Gast ihren Kindern mitgebracht hatte, kurzerhand weg. Aber das Eis kommt nicht so kalt in den Magen, wie manche besorgte Eltern ihren Kindern glauben machen möchten. In den Mund gelangt das Eis mit einer Temperatur von minus vier Grad, hier erwärmt es sich sofort um zwanzig bis zweiundzwanzig Grad. Ist es dann schließlich im Magen angekommen, hat es annähernd normale Körpertemperatur erreicht. Der Genuss von Eis hat den Vorteil, dass es die Schweißbildung verringert, im Gegensatz zu kalten Getränken, die oft sehr schnell getrunken werden.
Eis war schon immer in aller Munde
Schon die Chinesen schätzten die nicht immer süße Abkühlung. Die Herstellung vor fünftausend Jahren war denkbar einfach, jedoch abhängig von der Jahreszeit und der Region. Man vermischte frisches Obst, Fruchtsäfte oder auch Gewürze mit Eis und Schnee aus den Bergen. Die Griechen holten Schnee vom Olymp und verfeinerten ihn mit Honig, Früchten oder auch Wein. Marco Polo, so die Legende, brachte von seinen Reisen uralte Eisrezepte aus Asien mit nach Venedig. Im sechzehnten Jahrhundert, die Epoche der Alchimisten, entdeckte man, dass es möglich war, mit einer Mischung aus Salpeter und Eis künstlich Kälte zu erzeugen. Somit war man bei der Eisherstellung unabhängig von Jahreszeit und der geographischen Lage. Schon 1672 eröffnete in Paris ein Eissalon seine Tore, allerdings war damals der Genuss von Speiseeis noch ein Privileg der Reichen.
Ein weiterer Durchbruch in Sachen Eisherstellung erfolgte 1876. Der Ingenieur Carl von Linde entwickelte die Ammoniakkältemaschine, die das Herstellungsverfahren erheblich vereinfachte. Das Eis konnte jetzt wesentlich billiger produziert werden und war damit für jedermann erschwinglich.
Eishersteller forschen im Labor nach der neuen Lieblingssorte
Schokoladen - Vanille - und Erdbeergeschmack standen einst zur Auswahl. Heute stellen den nach Erfrischung Suchenden knapp Hundert verschiedene Geschmacksrichtungen vor die Qual der Wahl. Der Spielraum für neue Eiskreationen ist gering. In den Entwicklungslaboren der großen Eishersteller ist man unermüdlich auf der Suche nach der idealen Geschmackskombination. Neue Früchte gibt es nicht, außerdem decken Vanille - Schokoladen - und Erdbeereis zwei Drittel des Bedarfs. Exotische Mischungen wie Quarkeis mit Basilikum, Pesto oder Ruccola finden dagegen wenig Abnehmer.
Eismessen: ein Muss für jeden Gelatiere
Seit fünfzig Jahren treffen sich die Eishersteller Ende November auf der Eismesse in Longarone in Oberitalien, um sich über die neuesten Trends in Sachen Eis zu informieren. Erstmalig haben die Eishersteller in diesem Jahr 2010 die Gelegenheit, auch auf einer Messe in Deutschland (Stuttgart) aktuelle Tipps rund ums Eis zu erhalten.
