Wachstum heißt die Zauberformel

Wirtschaftswachstum - Aus der Vergangenheit lernen?

Wirtschaft - Cora Haertl
Wirtschaft - Cora Haertl
Was meinen die Wirtschaftsexperten und Politiker, wenn sie davon sprechen, der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise mit höheren Wachstumsraten Paroli bieten zu wollen?

Es gab einmal eine Zeit, in der die Dinge klar waren. Politiker kümmerten sich um die Politik, Unternehmen um die Wirtschaft. Dann kam der „schwarze Freitag“ und an der Wall Street gingen Gespenster um, die Konkurs und Bankrott hießen. Manch einer verlor buchstäblich jeden einzelnen Cent, und wer in den Tagen danach ein Zimmer in einem mehrgeschossigen Hotel buchte wurde unter Umständen gefragt, ob er wohnen oder sich aus dem Fenster zu stürzen gedenke. Es folgten Massenarbeitslosigkeit und die große Depression, die viele Menschen und auch ihr Verhältnis zu Geld auf immer verändern sollten. Und auch den Umgang der Politik mit der Wirtschaft.

John Maynard Keynes und seine Theorie zum Wirtschaftswachstum

Die Wirtschaftswissenschaften waren damals noch eine eher neue und weitgehend unbekannte Fakultät. Im Gegensatz zu den Naturwissenschaften arbeitet man in der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre nicht mit nachweisbaren Fakten wie 1+1 =2, sondern mit erklärungsbedürftigen theoretischen Modellen, die sich in der Realität beweisen müssen. Das gilt es zu wissen um zu verstehen, wie schwer es besonders ein bestimmter Wirtschaftswissenschaftler hatte, damals im Kollegenkreis und auch in der Politik Gehör zu finden. Der Mann hießJohn Maynard Keynes und er verkündete inmitten der Weltwirtschaftskrise in den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts das damals schier Unglaubliche: Der Staat, so seine These, müsse in Krisenzeiten eingreifen und den Staatsäckel für Investitionen und somit neue Aufträge für Unternehmen öffnen. Darüber erhole sich auch die Wirtschaft wieder und danach flössen die eingesetzten Mittel mit Leichtigkeit zurück und generiere Wirtschaftswachstum. Zuerst wollte ihm niemand so recht glauben, doch dann wurde seine Methode anerkannt und ist noch heute als "Keynesianismus" ein Begriff, wenn es um das Verhalten des Staates in Rezessionen, also bei Rückgang der Wirtschaft, oder gar Krisen, wie wir sie seit Oktober 2008 erleben, geht.

Dass die keynesianischen Theorien auch 2009 wieder hoch im Kurs stehen, liegt in Deutschland unter anderem auch an einem Gesetz, das der ehemalige SPD-Wirtschaftsminister Karl Schiller (1911–1994) 1967 durchgeboxt hat. Nach der Zeit des Wirtschaftswunders nämlich, waren die Wirtschaftswachstumsraten 1966 auf einmal rückläufig. Zuvor hatte sich der Markt nach Ende des Zweiten Weltkrieges und einer schmerzhaften Währungsreform über eine laufende Steigerung von Angebot und Nachfrage selbst aufs Trefflichste regulierte. Die Politik erkannte durch diese Stagnation, dass sie für die Zukunft verlässliche Rahmenbedingungen aufstellen musste, die auch als eine Art Selbstverpflichtung wirken sollten.

Wirtschaftswachstum im „magischen Viereck“

Um dem Passus des stetigen und angemessenen Wirtschaftswachstums zu entsprechen braucht man eine Wachstumsrate von etwa drei bis vier Prozent pro Jahr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) muss also im Vergleich zu einem vorangegangenem Zeitraum, in der Regel dem Vorjahr, um diesen Prozentsatz steigen. Das BIP entsteht aus dem Einsatz der volkswirtschaftlichen Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital in einer wirtschaftlichen, auf Gewinn ausgerichteten Tätigkeit. Federführend verantwortlich für die Überwachung dieses Ziels ist das Wirtschaftsministerium, die Zahlen ermittelt das Statistische Bundesamt.

Um Wirtschaftswachstum zu generieren, muss also tatsächlich entsprechend produziert, gearbeitet und konsumiert werden. Sparen soll sich in einer solchen Wirtschaftslage weniger lohnen, das spürt man unter anderem am niedrigen Zinsniveau und anderen Anreizen, die in solchen Zeiten wegfallen. Nur wer sein Geld unter die Leute bringt, kurbelt die Wirtschaft an. Zufall, dass gerade jetzt einige Unternehmen mit dem alt bekannten Slogan „Made in Germany“ werben? Mitnichten! Nur, wenn das Geld im Land bleibt, bringt es hier die Kassen zum Klingeln und sichert Arbeitsplätze. Denn Wirtschaftswachstum bedeutet immer, die eigene Volkswirtschaft wächst.

Deutschland war Exportweltmeister

Ob der Binnenkonsum allerdings ein solch hohes Maß an Wirtschaftswachstum bringen kann, ist fraglich und daher gehen die Meinungen führender Volkswirtschaftler auseinander. Auf das Ausland können die deutschen Firmen als Abnehmer ihrer Waren natürlich normalerweise auch weiterhin spekulieren. Da die Krise aber nicht regional sondern weltweit spürbar ist, ist Deutschland in einer ganz besonders prekären Zwickmühle. Noch 2008 war Deutschland Export-Weltmeister. Brechen die ausländischen Märkte nun teilweise weg, müsste dies im Inlandsmarkt aufgefangen werden. Ein Unterfangen, das kein verantwortungsvoller Politiker als einfach bezeichnen wird.

Staatsausgaben in der Krise für mehr Wirtschaftswachstum forderte schon Keynes

Der Staat steuert in der Krise gegen die Konjunktur, wirft Geld (zum Beispiel in Form von Konjunkturpaketen) in den Wirtschaftskreislauf und hofft, dass sich daraus neue Geschäfte und damit Arbeitsplätze, ergeben. Eine andere Chance hat Deutschland als hoch-industrialisiertes, exportorientiertes Land nach dieser Theorie auch kaum. Daher wird es der neuen Bundesregierung aus CDU/CSU und FDP in der kommenden Legislaturperiode wohl vor allem darum gehen, dieses Ziel zu erreichen: Die Schieflage der Konjunktur aufzufangen und das Wachstum der Wirtschaft anzukurbeln.

Cora Haertl, Cora Haertl

Cora Haertl - Cora Haertl ist Autorin, Betriebswirtin und Dozentin in der Erwachsenenbildung. Sie schreibt zu den Themen Wirtschaft & Beruf, ...

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