
- Gewöhnlicher Engelhai - Jörg Henkel Hamburg
Zwischen den über 1.100 bekannten Arten von Knorpelfischen unterscheidet man Haie, Rochen und Chimären. Die meisten Menschen meinen die ersteren beiden sofort unterscheiden zu können, während die Ordnung der Chimären nur wenigen überhaupt ein Begriff ist.
Unterschiede zwischen Haien und Rochen – eine Frage des Körperbaus
Etwa 500 Haiarten und 600 Arten von Rochen sind heute innerhalb der Knorpelfische bekannt.
Völlig zu unrecht ist die erste Reaktion der meisten Menschen auf die Erwähnung des Wortes „Hai“ ein Erschauern, die meisten Kinder bekommen auch heute noch von klein auf von ihren Eltern erzählt, dass Haie nichts anderes im Sinn haben, als Menschen zu beißen und zu fressen.
Abgesehen davon, dass kein einziger Fall bekannt ist, in dem ein Mensch von einem Hai wirklich gefressen wurde, sind Haie im Vergleich zu Bienen, Krokodilen oder Schlangen keine nennenswerte Bedrohung. Umstürzende Getränkeautomaten oder Blitzschläge töten weit mehr Menschen, nur fünf bis zehn sterben jährlich weltweit an den Folgen eines Haiunfalls.
Rochen haben da einen weit besseren Ruf. Meist denkt man an die eleganten Mantarochen, die flugzeuggleich durch die Ozeane segeln, oder an die netten kleinen Süßwasserrochen, die im Aquarium an den Scheiben entlang hüpfen. Dabei werden jedes Jahr weltweit durch aufgeschreckte Stechrochen weit mehr Menschen ernsthaft verletzt als durch Haie.
Doch die beiden Ordnungen der Knorpelfische sind nicht immer ohne weiteres zu unterscheiden. Grundlegend haben Rochen einen stark abgeflachten Körper, was es bei den meisten Arten leicht macht, sie als solchen zu identifizieren. Die übliche Form der Haie ist den meisten Menschen durchaus bekannt, und sei es nur aus Filmen wie „Der weiße Hai“.
Es gibt aber auch Haie, die mehr den Rochen ähneln als der typischen Torpedoform eines großen Weißen, ebenso wie es Rochen gibt, die man auf den ersten und auch zweiten Blick für einen Hai halten kann.
Neben verschiedenen komplizierten anatomischen Merkmalen, gibt es zwei äußerliche Besonderheiten, mit der Haie und Rochen klar unterschieden werden können.
- Anordnung von Maul und Kiemenspalten: Die Kiemenspalten und das Maul lieben bei den Rochen deutlich auf der Bauchseite. Aus einer seitlichen Perspektive sind sie grundsätzlich nicht zu sehen. Das Atemwasser wird dabei durch das Spiraculum hinter dem Auge eingesagt und durch die Kiemenspalten am Bauch wieder ausgeleitet.
- Wachstum der Flossen: Bei Rochen sind die Brustflossen völlig mit dem Körper verwachsen. Oft bildet der Körper so eine annähernd perfekte Scheibe, es gibt keine erkennbare Grenze oder Kerbe zwischen den Flossen und dem Kopf.
Auch Sägehaie und Sägerochen sind auf den ersten Blick nicht leicht auseinanderzuhalten.
Chimären – geheimnisvolle Katzen der Tiefsee
Seekatze, Seeratte und ebenso die Bezeichnung „Chimäre“, die in der altgriechischen Mythologie ein Zwitterwesen meinte, zeigen Versuche die eigenartig geformten Fische zu beschreiben. Drei Familien dieser bizarren Knorpelfische leben heute noch in den Meeren – Kurznasen-, Langnasen- und Pflugnasenchimären. Mehrere andere, die zwischen Devon und Jura lebten, sind ausgestorben. Etwa 43 lebende Arten sind heute bekannt.
Alle Chimären werden zwischen 40 und 200 Zentimeter lang, sind ovipar – legen also Eikapseln mit befruchteten Eiern ab - und verbringen die meiste Zeit in der Tiefsee. Bis mindestens 3.000 Meter dringen sie dabei in die schwarze Unendlichkeit vor und kommen nur selten in flachere Gewässer.
Zu den typischen anatomischen Merkmalen der Chimären gehört ein einzelnes Paar Kiemenöffnungen, das wie bei den Knochenfischen mit einem Kiemendeckel verschlossen wird. Haie und Rochen haben dagegen fünf bis sieben paar Kiemen ohne Verschluss. Die Zähne der Chimären bestehen aus zwei paarigen Zahnplatten.Die Verbreitung der Chimären umfasst den gesamten Globus.
Lesen Sie auch über den sagenumwobenen Urhai Megalodon und was die Knorpelfische so einzigartig macht.
Bücher zum Thema:
- "Haie und Rochen weltweit", Ralf M. Hennemann, Jahr Verlag GmbH & Co. 2001, ISBN 3-86132-584-5
- "Räuber, Monster, Menschenfresser", Kosmos Verlag 2007, ISBN 978-3-440-11261-6
