
- Seriendarsteller Thomas Calabro aus Melrose Place - The CW / Patrick Ecclesine
Die deutsche Schauspielerin Katrin Saß hat es bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises im Jahr 2001 auf den Punkt gebracht. Sinngemäß bedankte sie sich für die Auszeichnung, merkte in ihrer Dankesrede aber an, dass der Preis ihr nichts nütze, wenn nur zwei Drehtage im Jahr in ihrem Kalender stünden, denn von so wenig Gage könne sie keine Miete zahlen. Wie kommt es zu solchen Äußerungen? Was verdient ein Schauspieler in den USA und wie viel verdient er in Deutschland?
Die Situation bei den großen Stars
Tom Cruise sowie George Clooney sind heute im Kino angesagt und müssen sich keine Gedanken um ihr Einkommen machen. Andere Stars, wie beispielsweise Jennifer Aniston, Charlie Sheen und Kiefer Sutherland ("Flatliners"), hatten ihre Erfolge im Kino, mussten im Laufe der Jahre aber feststellen, dass ihr Ruhm im Filmgeschäft verblasste. Doch so sehr sie von der großen Leinwand verdrängt wurden, so erfolgreich wurden sie mit ihren Einsätzen in Fernsehserien – und sahnten dort kräftig ab.
Was verdient ein Schauspieler in den USA?
Das Thema wurde kürzlich von den Medien, unter anderem der Sendung "5th Avenue" und ihrer Moderatorin Jennifer Knäble von n-tv aufgegriffen. Nach deren Angaben stehen die Schauspieler Eva Longoria-Parker ("Desperate Housewives") und Hugh Laurie ("Dr. House"/"House, M.D.") mit 395.000 Dollar je Folge auf dem fünften Rang der Serien-Bestverdiener. Mit 400.000 Dollar je Folge werden Schauspieler wie Nancy Cartwright abgegolten, die nicht mal selbst zu sehen sind, aber zum Beispiel den "Simpsons" ihre Stimmen leihen.
Kiefer Sutherland will eine Gehaltserhöhung als "Jack Bauer"
Der Brancheninformationsdienst Quotenmeter.de meldete am 27. August 2009, dass die Produzentin der Serie "24", in der Kiefer Sutherland als Jack Bauer zu Weltruhm gelangte, sich dahingehend geäußert habe, dass das Team sich auf den Abbruch der Arbeiten an der sich in Herstellung befindlichen achten Staffel gefasst mache. Die Produktion sei sehr teuer, und die Wünsche Kiefer Sutherlands nach mehr Geld lassen die Bosse des Senders FOX wohl ins Schwitzen geraten: Mit 550.000 Dollar pro Episode kassiert Sutherland nahezu 13 Millionen Dollar je Staffel und ist damit auf der dritten Position des NTV-Rankings zu finden.
Die Spitzengagen im Seriengeschäft gingen an einen Onkel und sechs Freunde
Der zweite Platz geht an Charlie Sheen, der als "Mein cooler Onkel Charlie"/"Two and a half man" seit 2003 und bis 2009 über 142 Episoden zum Serienheld avancierte. Derzeitige Gage: 850.000 Dollar pro Episode. Auf Platz eins des Einkommensrankings liegen jedoch die Schauspieler einer Serie, die gar nicht mehr gedreht wird: "Friends" mit Jennifer Aniston, David Schwimmer, Courteney Cox, Lisa Kudrow, Matt LeBlanc sowie Matthew Perry, die von 1994 bis 2004 produziert wurde. Zehn Staffeln und 238 Folgen lang begeisterte die Clique um Rachel Green das weltweite Fernsehpublikum. In der letzten Staffel erhielten die Hauptakteure eine runde Million US-Dollar Gage.
Die Marktlage treibt die Superstars in die Fernsehserien: Das Beispiel Glenn Close
Auch Glenn Close, die in Kinoerfolgen wie "Eine verhängnisvolle Affaire" (1987), "Gefährliche Liebschaften" (1988), "Hook" (1991), "101 Dalmatiner" und "Mars Attacks" (beide 1996), "Air Force One" (1997) oder "102 Dalmatiner" (2000) mitgespielt hat, wendete sich 2003 mit "The Lion in Winter" neben Patrick Stewart und Jonathan Rhys-Meyers, einem Auftritt in "Will & Grace" (2002) und "The West Wing" (2004), dreizehn Folgen von "The Shield – Gesetz der Gewalt" (2005) und "Damages – Im Netz der Macht" (26 Folgen, 2007 bis 2009) verstärkt dem Seriengeschäft zu. Wenn Schauspielerinnen wie Cate Blanchett den großen Namen wie Glenn Close schon rein alterstechnisch nachwachsen, bleibt den Superstars zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes oft nur der Weg in die Serie.
Die Situation in Deutschland am Beispiel "Gute Zeiten, schlechte Zeiten"
Eine richtige Einkommensquelle hat ein Schauspieler nur dann, wenn er fest in einer Serie engagiert ist. Dies gilt sowohl für die USA wie für Deutschland. Bei einer Daily Soap wie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" verdient ein durchschnittlicher Darsteller ab 800 Euro brutto am Tag. Vereinbart sein Agent drei garantierte Drehtage pro Woche, sind dies – auch wenn er unwahrscheinlichweise nur einen Tag davon vor der Kamera steht – immerhin 9.600 Euro brutto pro Monat. Spitzenverdiener sind diejenigen Schauspieler, die vom ersten Tag der Soap an dabei sind und an den Merchandisingeinnahmen beteiligt werden.
Das Gagengefüge im Serien- und Fernsehfilmbereich
Die Schauspieler, die zehn oder fünfzehn Jahre dabei sind und sich bei den Besetzungsdirektoren (Castingagenten) einen Namen gemacht haben, lassen sich mit etwa 2.000 bis 4.000 Euro am Tag für ihre Nebenrollen in "Fünf Sterne", "Der Alte", "Tatort", "Um Himmels Willen" und ähnlichen Serien entlohnen. Schauspieler in der Kategorie einer Katrin Saß liegen in etwa bei 6.000 Euro pro Drehtag. In einem Fernsehfilm stehen von den meist 27 Drehtagen insgesamt durchschnittlich drei bis zehn Drehtage für eine Nebenrolle an; bei einer Hauptrolle naturgemäß mehr. Mit weniger Gage als 36.000 Euro brutto geht eine Schauspielerin ihrer Liga also nicht nach Hause. Katrin Saß hat seit 2007 Rollen in elf Fernseh- und einer Kinoproduktion bekleidet. Übernimmt ein bekannter Schauspieler eine Serienhauptrolle, wird er aber nicht pro Tag bezahlt, sondern seine Tagesgage zu einer sogenannten Pauschale zusammengefasst.
Auch deutsche Kinostars entdecken verstärkt das Fernsehen
Deutsche Kinostars wie beispielsweise Jürgen Vogel wirken sogar in wenig erfolgreichen Formaten wie die "Schillerstrasse" von SAT.1mit, weil sie von den wenigen Drehtagen für das Kino nicht leben können. Der Schauspieler Silvan-Pierre Leirich feierte 1988 sein Debüt und drehte seitdem vor allen Dingen aufwändige Fernsehfilme, gehört aber seit dem Jahr 2006 zum Hauptcast der täglichen Serie "Alles was zählt" – ein qualitativer Katastrophenfall gegenüber Werken wie "Polizeiruf 110" (1998 und 2002), "St. Pauli Nacht" (1999) oder "Das Paradies am Ende der Berge" (1993), in denen Leirich neben Morgan Fairchild und George Hamilton mitgewirkt hat.
Schauspieler Gedeon Burkhard glänzte in Kinofilmen wie "Kleine Haie" (1992), "Der letzte Zug" (2006) oder "Inglourious Basterds" (2009), machte mit Serienhauptrollen ("Kommissar Rex", 1995 bis 2001 sowie "Alarm für Cobra 11", 2007 und 2008) aber erst richtig Kasse.
Millionengagen wie die der Kollegen in den USA werden die deutschen Darsteller weder in den deutschen Fernsehfilmen noch in einer Soap erwirtschaften können, weil deutsche Serien nicht in dem Maße nach Übersee verkauft werden, wie die US-Produktionen, die Dank ihrer überragenden Stellung im Weltmarkt dadurch auch ganz andere Umsätze erzielen können.
