Was versteckt sich hinter dem Begriff Imperialismus?

Allgemeine Darstellung und Erklärung der Bewegung des Imperialismus ab dem späten 19. Jahrhundert.

Unter dem Begriff des Imperialismus versteht der Historiker allgemein das Bestreben einer Großmacht ihren wirtschaftlichen und politischen Macht-und Einflussbereich zu erweitern. Damit wird deutlich, dass der Begriff sich im Wesentlichen auf den Bereich der Politik erstreckt, doch schließt er auch wirtschaftliche und kulturelle Einflüsse mit ein. Zu beachten ist des Weiteren, dass imperialistische Bestrebungen regelmäßig mit gewaltsamen, militärischen Mitteln durchgesetzt werden. Die Herkunft des Wortes leitet sich aus dem Lateinischen ab, vom Verb "imperare" mit der Bedeutung "herrschen" bzw. "beherrschen". Daher rührt auch die Bezeichnung des römischen Reiches als "Imperium Romanum".

Definition

Imperialismus lässt sich also als die Erweiterung des politischen und wirtschaftlichen Einflussbereiches zur Einflussnahme und Herrschaft über andere Länder. In der historischen Dimension sind so Welt- bzw. Kolonialreiche entstanden. Da derartige Expansionsbestrebungen weder einmalig sind noch waren, ist der Terminus relativ zeitlos. Jedoch wird er bevorzugt angewandt auf die Zeitspanne von 1870 bis 1914 und die damaligen Bestrebungen der Großmächte, die Welt unter sich aufzuteilen. Die Motive dazu waren einerseits wirtschaftlich, nämlich die Erschließung neuer Ressourcen und potentieller Absatzmärkte, andererseits politisch durch die Möglichkeit der Darstellung der eigenen Macht und Nation. Vom Begriff des Imperialismus müssen Nationalismus und Kolonialismus abgegrenzt werden. Nationalismus bezeichnet allgemein ein übersteigertes, miest intolerantes Nationalgefühl, das die Macht des eigenen Staates als höchsten Wert ansiedelt. In der Epoche des Imperialismus kann der Terminus Nationalismus jedoch auch auf das erwachende Selbstbewusstsein der Kolonien verbunden mit der Ziel der eigenen Staatsgründung verstanden werden. Unter Kolonialismus ist zunächst diejenige Politik zu verstehen, die den Erwerb von Besitzungen und Ländern in Übersee propagiert. Später bezeichnet es auch das etablierte System, was die Unterdrückung und Ausbeutung der eroberten Gebiete unternimmt.

Technische Voraussetzungen

Die praktische Voraussetzungen des Anbruchs dieser Epoche ist der technische Fortschritt der westlichen Welt als Ergebnis der Industrialisierung, was zu einer Ausstattung mit besseren Waffen, Transportmitteln und Kommunikationsmöglichkeiten führt.

Folgen

Augenscheinlichste Folge war die Existenz eines großen europäischen Einflussbereichs, der zu unterschiedlichen Zwecken wie etwa Auswanderung, Erschließen von Ressourcen, Errichtung von strategischen Stützpunkten, Ausweitung des Handels mit neuen Märkten genutzt wurde. Dabei legten die Kolonialmächte ein breites Spektrum von Verhaltensweisen an den Tag, das von gedankenloser Zerstörung und Ausbeutung in Afrika bis hin zu gemäßigterer Politik in Indien etwa reichte. Insgesamt fällt jedoch die nur begrenzte Förderung der okkupierten Gebiete in humanitärer wie zivilisatorischer Hinsicht ins Auge. Es fehlt an jeglichen Reformgedanken. So ist es auch erklärlich, warum es zu einer starken Abhängigkeit der Kolonien von den Mutterländern und dem Weltmarkt kam. Zudem wurden in vielen Kolonien eine Spezialisierung auf bestimmte Produkte forciert. In ihrem Überlegenheitsdünkel zerstörten die Invasoren viele einheimische, gewachsene Kulturen. Dieses Vorgehen rief ab 1880 erbitterten Widerstand hervor. Es kam zu einer Reihe nationalistischer Erhebungen wie beispielsweise der Herero und Hottentotten, der Zulu und der Aschanti in Afrika. Hinzu kamen noch muslimische Aufstände wie der Mahdi-Aufstand im Sudan und in Ägypten, weitere folgten in Sumatra und Indochina. Im Jahre 1900 erfolgte dann der Boxeraufstand in China.

Erklärungsansätze

Es existiert eine Reihe von Aspekten, die das Phänomen des Imperialismus zusammen genommen erklären können. Zunächst ist zu beobachten, dass mit der Bewegung des Imperialismus die Spannungen und sich verschärfenden Gegensätze auf die Kolonialpolitik übertragen werden. In der Fortsetzung dieser Rivalität geht es nun um wachsenden Wirtschaftseinfluss und mehr beherrschte Gebiete. Doch es geht nicht nur um Gebietszuwachs, sondern die Erschließung neuer Anlagemöglichkeiten sowie die Sicherung neuer Rohstoffgebiete und damit der Produktionsleistung der eigenen Industrie. Dort hinein mischt sich angesichts der Überproduktion der Heimindustrie die Hoffnung auf die Öffnung neuer Absatzmärkte. Hier offenbart sich der so genannte Sozialimperalismus, also das Bestreben die sozialen und ökonomischen Konflikte im eigenen Land durch neue wirtschaftliche Impulse zu entschärfen. Auf politischem Level geht es um den Kampf um die weltpolitische Führungsstellung. Auch wenn in Zuge dessen die Rivalität zwischen den europäischen Mächte in Übersee fortgesetzt wird, bleibt im Ergebnis Europa das Feld, auf dem weltpolitische Auseinandersetzungen ausgetragen werden.

Geistige Motive und Antriebe

Die geistige Grundlage des Imperialismus ist der so genannte Sozialdarwinismus. Im Sozialdarwinismus werden die für das Tierreich aufgestellten Lehren Charles Darwins (1809 - 1882) auf das Verhältnis der Völker untereinander übertragen. Das Schlagwort des "survival of the fittest" wird falsch verstanden. Daraus wird ein Wettkampf der Nationen untereinander, in dem das Recht des Stärkeren gilt, abgeleitet. Damit verbindet sich noch die Idee von der Rassenlehre des Naturforschers Gregor Mendel (1822 - 1884). In einer Fehlinterpretation wird von einer Rassenhierarchie ausgegangen, wodurch die brutale Unterdrückung der einheimischen Völker legitimiert wird. Außerdem entsteht ein Überlegenheitsgefühl "zivilisierter" Völker gegenüber den eingeborenen "primitiven" Völkern. Daraus resultiert ein Sendungsbewusstsein der weißen Invasoren. Gräuel und Gewalttaten werden so auf pervertierte Art und Weise gerechtfertigt. Im Ergebnis ist das Streben nach Kolonien einem übersteigerten Nationalismus geschuldet, die europäischen Mächte sehen Kolonien als Prestigeobjekt an, ohne auf die unterdrückten Völkern irgendeine Rücksicht zu nehmen.

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