
- Pferde auf der Weide in Mielno - Jerzy Sawluk by pixelio.de
Schon früher haben Pferdemenschen ihre Erfahrung weitergegeben, wie Pferde gut gehalten und gepflegt werden. Die Mehrzahl der überlieferten Handhabungen werden Pferdefreunden bekannt sein. Jedoch können einige Tipps der alten Stallmeister durchaus nützliche Informationen bieten.
Pferde auf der Weide
Sobald das junge Grün auf den Weiden wächst, drängen die Pferde sehnsüchtig hinaus. Altbewährt hat sich die Handhabung, Gras mindestens 15 Zentimeter hoch wachsen zu lassen, ehe man mit dem Weideauftrieb beginnt. Erfahrene Stallmeister gewöhnten Pferde immer sehr langsam an den Weidegang. Begannen zunächst mit wenigen Minuten am Tag und steigerten die Weidezeit täglich. Pferdeherden würden sich gut verstehen, wenn sich die Mitglieder in Zweiergruppen zusammen finden. Handelt es sich jedoch um eine Stutenherde mit nur einem Wallach oder Hengst, so wäre die Paaraufteilung nicht nötig. Pferden mit wenig Kontakt könne man helfen, wenn man sie mit einem ranghöheren und möglichst gegengeschlechtlichen Weidekameraden zusammen stellt und auch gemeinsam arbeitet. Der Walnussbaum auf Weiden sei ein altbewährter Schattenspender. Er würde ungern benagt und wächst schnell. Abschreckend gegen Mücken seien Holunderhecken. Gegen Schweiffresser half es, Schweife mit Schweinsgalle oder Essigwasser einzureiben. Pferdemist sei als Weidedünger untauglich. Man müsse ihn täglich gründlich von der Weide absammeln, da sich Pferde vor ihrem eigenen Kot ekeln.
Mischbeweidung und Misthaufen
Grasland würde in einem guten Zustand bleiben, wenn Rinder und Pferde es gemeinsam beweiden. Hingegen eignen sich Schafe und Ziegen nicht als Weidekameraden, da sie die Weide noch stärker verbeißen würden. Auf ausschließlich von Pferden genutzten Weiden würden sich schnell Disteln verbreiten. Empfohlen wurde, Disteln unmittelbar vor dem Blühen auszureißen oder Salz auf die Schnittflächen zu streuen. Brennnesseln wurden jährlich mindestens sechsmal vor der Blüte abmäht. Gegen den giftigen Hahnenfuß auf Weiden half Trockenlegung und Kalk. Im Heu sei Hahnenfußanteil ungefährlich, wenn zwischen Ernte und Verfütterung mindestens drei Monate liegen. Vor Schnittgras von Wiesen mit hohem Hahnenfußanteil wurde jedoch gewarnt. Pferdemist dürfe auf einem Misthaufen nicht festgetreten werden, da sonst die Durchlüftung nicht ausreicht. Strohbeimengungen wurden empfohlen, um eine Lockerung zu erreichen. Nur schattig gelegene Misthaufen ergeben guten Kompost nach etwa acht Monaten, da sie sonst zu sehr austrocknen. Sie müssen nicht umgesetzt werden, benötigten jedoch eine Schutzschicht aus alten Stroh oder Heu. Als Reifetest gab man Kompost in eine Untertasse mit etwas Wasser und Kressesamen. Entwickelten sich gesunde Kressepflänzchen, so war der Kompost in Ordnung.
Altbewährtes Wissen zur Pferdefütterung
Große Kraftfuttergaben würden Pferde schnell schwitzen lassen. So verfütterte man ein Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Körpergewicht etwa drei Stunden vor der körperlichen Anstrengung. Man testete den Trockengrad des Heus, indem man eine Handvoll wie ein Strick zusammendrehte. Nur wenn viele der beanspruchten Halme dabei brachen, galt Heu als geeignet. Mit etwa 250 Gramm Viehsalz auf 50 Kilogramm gelockertem Heu wurde es schmackhafter für Pferde und man verhinderte Pilzbildung und Feuchtigkeit. Für eine gute Verdauung und schönes Fell gab man Pferden einmal wöchentlich warmen Mash. Pro Pferd wurden 100 Gramm Leinsamen 20 Minuten in 1 ½ Liter Wasser gekocht, anschließend mit einem Pfund Hafer und einem Pfund Weizenkleie vermischt und lauwarm verfüttert. Gegen Verstopfung mischte man drei Esslöffel Glaubersalz hinein. Den Geschmack verbesserte man mit Melasse oder Kräutern, die mitgekocht wurden. Pferden, die zu hastig fraßen, legte man Steine in die Futterkrippe oder tat Stroh in das Heu. So verlangsamte sich die Futteraufnahme. Den Haarwechsel und ein schönes Hufwachstum förderte man mit einem halben Liter Hirseflocken und einem Schuss Leinöl im Futter. Appetitlosen Pferden gab man etwas Melasse, Kochsalz, Malzbier oder einen Löffel Honig hinein. Als Knabberzeug waren Zweige von Obstbäumen, Birke oder Haselnuss üblich. Das Kauen sei gut für die Zähne der Pferde und gleichzeitig eine gute Beschäftigung bei Langeweile.
Pferdepflege der alten Stallmeister
Schon im 16. Jahrhundert machte man sich Gedanken um die Entwurmung der Pferde. Man benutzte Mischungen aus Essig, zerstoßenen Eierschalen, Pfeffer und Eisenrost. Die Leistung eines Pferdes steigerte man mit Borretsch-Tee. Dazu übergoss man 40 Gramm blühendes Kraut mit zwei Liter kochendem Wasser. Nach 20 Minuten Ziehzeit fügte man noch einmal nach dem Abgießen zwei Liter Wasser hinzu. Zwei Liter Tee am Tag galt als empfohlene Menge für ein Pferd. Borretsch wurde auch auf der Weide gepflanzt, da es für Pferde herzstärkend und blutreinigend wirkt. Sollte ein Pferd schnell blank geputzt werden, nahmen alte Stallmeister eine Kardätsche mit weichen Borsten, die man an einem angefeuchteten Schwamm ausstrich. Mit einem weichen Baumwolltuch, einem Stück Schaffell oder einem öligen Lappen wurde das Fell anschließend poliert. Waren Pferde durch ausgiebiges Schlammbaden stark verschmutzt, tauchte man die Kardätsche in feuchtes Sägemehl und bürstete zügig über das Fell. Anschließend wischte man mit einem feuchten Handtuch nach. Waren Mähne und Schweif nach dem Waschen verfilzt, half man sich mit einer Spülung aus Obstessig. Mistflecken auf einem Schimmel wurden mit Holzkohle eingerieben und herausgeputzt, nachdem das Pferd ganz trocken war. Nassgeschwitzte Pferde ließ man zur Trocknung in Sägemehl wälzen. Auch dem Satteldruck beugte man vor, indem man nach jedem Reiten die Sattellage mit einem Liter Wasser vermischt mit ½ Liter Essig und einer Handvoll Salz oder Salmiak einrieb.
Literaturquelle: “Was der alte Stallmeister noch wusste”, Christiane Gohl, Stuttgart, 2011, Kosmos Verlag, 183 Seiten, 9,95 Euro
