"We spe@k Deutsch" - ein Ausflug in die deutsche Sprache

"We spe@k Deutsch" - Buchcover - Heyne Verlag
Wie viel 'Deutsch' sprechen Deutsche? Und was verstehen sie noch? Antworten sucht Marc Bielefeld in „We spe@k Deutsch" - erschreckend und amüsant zugleich.

Sprachschützer prophezeien ihn schon lange: den Untergang der guten, alten deutschen Sprache. Auf Schulhöfen und in Werbeagenturen ist es längst gang und gäbe: Rechtschreibung und Grammatik werden gebeugt und gebrochen, dass sich Konrad Duden im Grabe umdrehen würde. Phantasievolle Wortschöpfungen und Anglizismen gewinnen die Überhand – auch wenn sie längst nicht jeder versteht. Aber wen kümmert das, solange es gut, nein, kool klingt! Eine Werbebotschaft will auffallen – um jeden Preis. Wer kauft schon eine einfache Haarspülung, wenn er stattdessen Control Freak Conditioner haben kann? Und ein Hemd trägt sich unter dem Namen Icebreaker Elite S/S Crewe GT 190 doch gleich viel besser. Die deutsche Sprache, so scheint es, befindet sich auf dem Weg zur Schlachtbank. Aber ist es wirklich so schlimm? Oder vielleicht noch schlimmer? In „We spe@k Deutsch“ liefert Marc Bielefeld einen amüsanten Einblick in das Gruselkabinett der deutschen Gegenwartssprache. Auf fast 300 Seiten liefert er unzählige Beispiele für spektakuläre sprachliche Bruchlandungen.

Feldforschung im Chaos der Alltagssprache

Marc Bielefeld hat eine beeindruckende Menge sprachlicher Ergüsse gesammelt, die täglich auf ihn niederprasseln – abseits des Klischees, Jugendsprache habe das gute, reine Deutsch 'verhunzt'. Werbeflyer, Spam-E-mails, Behördenbriefe – er hat gelesen, was die meisten ignorieren, mit einem Schulterzucken abtun oder resigniert zur Seite legen. Er hat Gesprächen gelauscht, Interviews geführt und die Weiten des Internets durchforstet. Dabei hat er erstaunliche Auswüchse der deutschen Sprache zu Tage gefördert. Das Ergebnis: „Ey, Alter, Dicker, Alter!“ ist nur die Spitze des Eisbergs. Der Einfallsreichtum von Werbespezialisten, die hochgestochene Sprache der Juristen und Beamten und das Fachchinesisch mancher Berufsgruppen – all das trägt seinen Anteil dazu bei, Sprachverwirrung zu stiften. Die deutsche Sprache ist voller Tücken und Fettnäpfchen; besonders wenn sich der Effekt in den Vordergrund drängt und nicht die Verständlichkeit.

Ein lesenswerter Ausflug in den Sprachdschungel

Marc Bielefeld führt den Leser in 26 Kapiteln durch die Untiefen der deutschen Sprache – teils voll spritzigem Wortwitz und triefend von Sarkasmus, teils aber auch kritisch und durchaus philosophisch angehaucht. Jede der Stationen, an denen Bielefeld auf seiner Entdeckungsreise Halt macht, eröffnet neue Facetten der deutschen Gegenwartssprache: Aberwitzige Wortkreationen, peinliche Stilblüten und Wortspiele, bei denen sich die Fußnägel hoch rollen. Mit trockenem Humor beschreibt er die Situationen, in denen ihm die sprachlichen Ausrutscher tagtäglich ins Gesicht springen. Die Beispiele lassen teils schmunzeln, teils ungläubig den Kopf schütteln. Und sie zeigen alle, welche Möglichkeiten das Spiel mit der Sprache bereithält – ob man die Auswüchse als Bereicherung ansieht, sei dabei jedem selbst überlassen.

Marc Bielefeld: We spe@k Deutsch ...aber verstehen nur Bahnhof. Unterwegs im Dschungel unserer Sprache.Heyne Verlag, München, 2008. Paperback, 286 Seiten. Euro 7,95.

Die Autorin bedankt sich beim Heyne Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Sarah Sauer, Sarah Sauer

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