
- Das Internet braucht keine Computer mehr - pixelio
Dass das Internet nicht mehr ganz so jung ist, weiß mittlerweile jeder. Dass seine Wurzeln aber Ende der 1950er Jahre liegen, überrascht dann doch. Damals wollten US-Forscher den technischen Vorsprung, den die Russen mit dem Start ihres Sputniks vermeintlich errungen hatten, zurückerobern und die stattfindenden Forschungen besser koordinieren. In den folgenden Jahrzehnten verband es zunächst einzelne Rechner und später ganze Rechenzentren miteinander über das Telefonnetz. Im Laufe der Zeit wanderte seine weitere Entwicklung vom militärischen in den akademischen Bereich, blieb aber weiterhin in erster Linie Forschern vorbehalten. Es sollte bis in die 1990er Jahre dauern, ehe die Zahl der privaten die der wissenschaftlichen User erstmals übertraf.
Internet als Teil des Alltags
Damit schaffte das Netz den qualitativen Sprung zum Massenmedium. In ihm und mit ihm präsentierten sich Institutionen, Organisationen, Unternehmen und zunehmend Privatpersonen mit Text, Bild und auch schon mit Audio- und Videodateien. Das so genannte Web 1.0 war geboren. Interaktion war zwar im Rahmen von Chats und E-Mailkontakt möglich, blieb jedoch vorerst noch die Ausnahme.
Aber die Technik entwickelt sich schnell und vereinfachte die Webnutzung erheblich. Drag and Drop und einfache Editoren ersetzten abschreckende HTML-Programmierkenntnisse: Der Weg ins Netz wurde für jedermann möglich. Austausch, der bislang in Foren stattgefunden hatte, verlagerte sich zunehmend in Blogs, in denen die Beiträge ausführlicher wurden und mit Kommentarfunktion ausgestattet waren. Kommerzielle Anbieter wie beispielsweise Amazon machten sich die User zunutze und ermöglichten ihnen, Produkte direkt zu bewerten.
Das Web 2.0 als Mitmachweb
Es gab also keinen großartigen technischen Quantensprung. Vielmehr änderte sich die Art der Nutzung schleichend und sorgte dafür, dass sich bereit gestellter Inhalt lawinenartig im Netz verbreitete. In einer unheimlichen Eigendynamik wird mittlerweile veröffentlicht und publiziert, was das Zeug hält. Mit der Erfindung der Smartphones hat das Netz schließlich sogar die Computer verlassen und totalen Einzug ins Leben der Menschen gehalten.
Communities finden sich auf Plattformen, kommunizieren über diese und multiplizieren sich. XING, Lokalisten, Facebook, linkedin, last-fm, wer-kennt-wen: Jede Zielgruppe findet ihre Community-Plattform. Hier tauschen User Erfahrungen oder Belangloses aus, generieren aber vor allen Dinge eine Unmenge Wissen.
RSS-Feed, Twitter & Youtube
Die passenden Tools ermöglichen, mit der entstehenden Informationsflut fertig zu werden. Per RSS-Feeds lassen sich updates bestimmter Seiten abonnieren, und können dann wiederum zu einer eigenen Wissensübersicht zusammengestellt werden. Twitter erlaubt Echtzeitkommuniktion, die wiederum mittels RSS-Feed abgeholt werden kann. Und so twittern Insider Informationen in die Welt, die noch streng vertraulich sind (Wahlergebnisse), Soldaten stellen Filmchen aus dem Häuserkampf in youtube und Augenzeugen berichten direkt aus der Naturkatastrophe. Content entsteht und ist kaum mehr zu kontrollieren, höchstens noch zu zensieren. Die Grenzen zwischen Informationsanbieter auf der einen und User auf der anderen Seite sind total verschwommen. Der User ist das Web!
Für diesen Zustand hat der US-Journalist Tim O'Reilley 1995 den Begriff Web 2.0 geprägt, mit dem er letztlich die veränderte Wahrnehmung und Nutzung des Webs beschreibt.
Web 3.0
Die Masse der verfügbaren Daten wächst ins Unermessliche, ihre Auffindbarkeit wird immer wichtiger. Dabei reicht eine rein begriffliche Suche schon längst nicht mehr aus. So genannte Tag-Clouds verknüpfen unterschiedliche Schlüsselwörter miteinander und be- und umschreiben Suchbegriffe damit. Je dichter diese Tag-Clouds sind, desto besser ihre Qualität.
Sie zeigen, dass bloße eindimensionale Beschreibungen nicht ausreichen, um einen Sachverhalt zu erfassen. Vielmehr müssen Daten in einen Zusammenhang gebracht und mit Zusatzinformationen, so genannten Meta-Daten, versehen werden. Weitergesponnen könnte hieraus ein Internet entstehen, das Daten interpretiert, somit also nicht nur nach Begriffen sucht, sondern ganze Fragen versteht. Ergebnis wäre das intelligente Internet, das Web 3.0.
Die Zukunft des Internets
Visionen über die Zukunft des Internet gibt es viele. Vom "Web of things" ist hier die Rede, vom Netz, in dem alles über eine eigene IP-Adresse ansteuerbar ist. Sogar das "interplanetarische Netz", das über Satelliten Flugzeuge ansteuert, wird hier genannt. All diese Ansätze haben gemein, dass das World Wide Web, wie wir es kennen, erst am Anfang seiner Entwicklung steht. Es sieht aber ganz so aus, als ob wir mit dem Wechsel des Web 1.0 zum 2.0 an einem ganz wesentlichen Evolutionsschritt teilhaben dürfen.
