
- Cover "Weg der Götter" - ©Fabuloso-Verlag
Lauenberg 2016: In dem beschaulichen Dörfchen, das zwischen Hannover und Göttingen liegt, genießt der Kampfpilot Enno Garsson seinen Urlaub. Hier in diesem kleinen, geschützten Naturparadies ist die Welt noch in Ordnung. Das kann man von dem "Rest" nicht mehr behaupten. Denn die Erde steuert unwillkürlich ihrem Untergang entgegen. Während die drei Weltmächte, der afrikanisch/chinesische Block, die U.S.A und das zentralasiatische Pendant, voller Gier und Fanatismus um Naturschätze und Atombomben schachern, rumort der Blaue Planet bereits an allen Ecken und Kanten. Verheerende Naturkatastrophen und das Schwinden lebenswichtiger Ressourcen zwingen die Menschheit und vor allem die MenschLICHkeit immer weiter in die Knie. Zu allem Überfluss droht der Erde eine unausweichliche Gefahr aus dem All ...
Der Cyborg mit Herz und Verstand
Garsson nimmt aufgrund seiner hervorragenden körperlichen und geistigen Voraussetzungen an einer geheimen Mission in Japan teil. Er erhält eine jahrelange Spezialausbildung und wird in die Kunst des Shintoismus eingeführt. Doch der Clou ist der "Umbau" seines Körpers. Energiedepots, Prozessoren, Mikrochips und stahlharte, waffenähnliche Knochen und Gelenke machen ihn zu einer hochmodernen und für nahezu jeden Notfall gerüstete Kampfmaschine. Seine Gefühle und sein Verstand werden jedoch nicht manipuliert. Er ist nun Teil eines Notprogramms, dessen Ziel die Erhaltung der menschlichen Rasse ist. Garsson wird mit der ebenfalls ausgesuchten Finnin Alka verheiratet und zeugt mit ihr drei Kinder. Während sich Alka im Jahr 2032 auf die Reise zu dem Planeten Zulu, das neue Zuhause der Menschen, begibt, hat Garsson die wichtige Aufgabe, die Kinder auszubilden und zu beschützen. Denn die kleine Familie muss bis zur Besiedelung des neuen Planeten auf der Erde ausharren. Erst im Jahr 2036 soll sie Alka folgen. Doch - Kinder sind in dieser apokalyptischen Zeit heiß begehrt und: Die Moral stirbt bekanntlich zuerst ...
Endzeit-Dramaturgie mitten in Deutschland
Ganz bewusst hat der in Einbeck geborene Gerhard Ludwig die Region rund um Hannover als Hauptaustragungsort seines dramatischen Endzeit-Szenarios gewählt. Die detaillierten Ortsbenennungen und -beschreibungen machen die Geschichte vom Untergang der Welt noch realistischer und unheimlicher. Schonungslos und in durchaus möglichen Abläufen erklärt Ludwig, wie unser Heimatplanet endgültig vernichtet wird. Sei es durch den unvernünftigen Umgang mit der Natur, den durchtriebenen Spielchen der machthungrigen Politiker oder der Unvernunft und Eigennützigkeit, die die Menschen immer mehr an den Tag legen. Ludwig lässt keinen Zweifel daran, dass die Menschheit es auch ohne den Todesstoß aus dem All geschafft hätte, die Erde zu vernichten.
Umso wichtiger ist die Rolle des Helden Garsson. Er ist die Personifizierung des Guten, der beweist, dass der Mensch durchaus auch positive Seiten hat. Der modifizierte Kampfpilot erinnert an die Kultfigur Mad Max und wächst dem Leser aufgrund seines Gerechtigkeitssinns und der bedingungslose Liebe zu seinen Kindern sofort ans Herz. Garsson kämpft wie ein Löwe für die Guten und Schwachen und besiegt die Bösen mit seinem messerscharfen Verstand und mithilfe seines einzigartigen Körpers. Nüchtern, selbstsicher und unwiderruflich hält er an seiner Aufgabe fest, seine Kinder wohlbehalten zum vereinbarten Zeitpunkt an Bord des Raumschiffes mit Kurs auf Zulu zu bringen. Auch wenn er dafür ein selbstloses Opfer bringen muss.
Fazit:
"Weg der Götter" ist nichts für Zartbesaitete. Wer sich nicht ständig vor Augen hält, dass die Story frei erfunden ist, könnte durchaus einige schlaflose Nächte verbringen. Doch der Gedanke, dass das Geschriebene durchaus eintreten könnte, oder die Tatsache, dass manche geschilderten Dramen bereits in ähnlicher Form passiert sind, lösen etwas Beängstigendes aus. Der 15seitige Anhang von Dr. Walter Kiefl "Gefahr aus dem Weltraum" trägt nicht gerade zur Beruhigung bei...
Der Autor Gerhard Ludwig schafft es mit seinem gar nicht so fiktiven Thriller, den Leser aufzurütteln, ihm die Augen zu öffnen oder ihn zumindest für die nicht wegzudiskutierenden Probleme zu sensibilisieren. Einige Szenen sind bewusst sehr brutal und schonungslos detailliert beschrieben. Sie mögen so manchen Leser abschrecken, dürfen in dem Buch aber nicht fehlen. Gerade sie zeigen, dass die menschlichen Abgründe sehr tief sind und - "die Moral nun mal zuerst stirbt".
Der Thriller dürfte durchaus eine viel höhere Seitenzahl besitzen. Viel zu spannend und interessant ist der Werdegang des Protagonisten und dessen Familie. Doch Ludwig ist der Ansicht, dass er auf den knapp 100 Seiten alles gesagt hat, was gesagt werden musste. Das Buch soll Alarm schlagen und zeigen, was passieren könnte, wenn die Regierung uns weiter für dumm verkauft, die Menschheit weiter verroht und jeder sich selbst der Nächste ist. Hoffen wir doch, dass in jedem von uns ein kleines bisschen von Ludwigs Helden Garsson steckt. Dann hat die Welt vielleicht noch eine Chance ...
Erschienen ist „Weg der Götter“ im Fabuloso Verlag, Bilshausen. Pb, ISBN 978-3-935912-40-2. Leseprobe und Bestellmöglichkeit auf der Website www.fabuloso.de
