Wege zur Akzeptanz des eigenen Körpers

Wege zur Akzeptanz des eigen Körpers  - Illustration zu
Wege zur Akzeptanz des eigen Körpers - Illustration zu "Mollig ist schön" von A.Treumann
Dicke Menschen sind ständig mit Vorurteilen konfrontiert. Der Aufbau eines gesunden Selbstwertes und Figurakzeptanz befreien aus dieser Endlosspirale.

Für viele dicke Menschen entsteht ein enormer Leidensdruck, wenn sie von jedem Fremden allein aufgrund ihres Körperumfangs beurteilt werden. Sie werden oft für faul, träge oder hässlich gehalten. Obwohl sie nichts von alledem sind.

Ausstieg aus der Endlosspirale

Es gibt viele Menschen, die Jahr für Jahr viele Kilos abnehmen und nach einiger Zeit wieder zunehmen. Sie sehen oft keinen anderen Ausweg, als immer wieder neue Diäten zu probieren. Ein fortlaufender Kampf gegen den eigenen Körper, gegen das Gewicht auf der Waage. Dieser Kampf um den idealen Körper wird zum Lebensinhalt und zieht ihre ganze Energie von lohnenderen Zielen ab. Dicke gefangen in einer Endlosspirale. Es gibt in der Selbstwahrnehmung und Lebensplanung nur noch das frühere Ich (als man noch schlank war) und das zukünftige Ich (wenn man wieder schlank ist). Die Gegenwart wird zum Leidensweg. Die innere und äußere Ablehnung ist wie eine Blockade, die ständig im Weg steht. Es erfordert Mut und Entschlossenheit, diese Spirale zu durchbrechen und die eigene Figur zu akzeptieren. Die Chance zu nutzen, Klischees über Dicke zu überwinden. Selbstwert, Selbstbewusstseins und Figurakzeptanz sind wichtige Grundpfeiler für ein gesundes und erfülltes Leben.

Den Prozess der Figurakzeptanz beginnen

Den eigenen Körper so zu akzeptieren, wie er ist, ist für viele dicke Menschen kaum vorstellbar. Oft sind sie sehr auf das gesellschaftliche Körperideal fixiert. Selbst im Spiegel oder auf Fotos können sie dieses sichtbare Abweichen vom vermeintlich Idealen nicht ertragen. Es gibt keinen Schalter im Kopf, um Selbstliebe zu aktivieren. Niemand wacht spontan auf und liebt seinen Körper wie er ist, nachdem er ihn jahrelang ablehnte. Es handelt sich um einen Prozess, der im Kopf beginnt. Es bedarf jeden Tag neuer Anstrengung, um das Ziel der Figurakzeptanz zu erreichen. Vom ersten Blick in den Spiegel am Morgen über das tägliche Selbstgefühl bis zur Entscheidung, was man wann essen will, darf man nicht ungeduldig oder ungerecht mit sich selbst werden. Ausreichend Zeit und Unterstützung ist nötig, um Wege zur Selbstliebe sicher zu finden. Ein Tagebuch kann helfen. Selbsthilfegruppen oder kleine Gesprächsrunden mit Freunden in ähnlicher Situation wirken unterstützend. Figurakzeptanz bedeutet Selbstbefreiung aus Denkmustern und belastenden Gefühlen. Ein Ziel, das sich für jeden Betroffenen lohnt.

Die Konfrontation mit Vorurteilen gegen Übergewicht

"Es ist so ungesund, dick zu sein" – dicke Menschen werden von allen Seiten mit Argumenten bombardiert, den gesellschaftlichen Vorstellungen einer schlanken Figur entsprechen zu müssen. Gegen Fettleibigkeit besteht eine extreme Ablehnung. Die Maßstäbe für Übergewicht sind eng gefasst und an genormten Gewichtstabellen orientiert. Passt man nicht in diese Schablonen, wird man schnell als fettsüchtig und krank gewertet. Es gibt viele missbräuchliche und irreführende Elemente in den gängigen Vorstellungen unserer Gesellschaft über Gesundheit und Gewicht. Tatsächlich sind viele dicke Menschen in unserer Gesellschaft nicht gesund. Jedoch offensichtlich eben auch als Folge der Diskriminierung, der sie täglich ausgesetzt sind. Kulturübergreifende Untersuchungen in Ländern wie Samoa, die gesellschaftlich Dicksein nicht mit Schuldgefühlen verbinden, lassen wesentlich mehr dicke Menschen ohne Anzeichen von gesundheitlichen Risikofaktoren erkennen. Fettleibigkeit erhöht proportional zum Ausprägungsgrad gesundheitliche Risiken. Doch für sich selbst ist Dicksein keine Krankheit.

Opferrolle und Täterrolle ehrlich erkennen

Dicke Menschen spielen oft zu viele Rollen. Sie werden zur Zielscheibe für Spott, Ausgrenzung und ungewollte Belehrungen. Nur begeben sie sich auch selbst in diese Opferrolle. Selbstmitleid, Scham und Vermeidung werden alltagsbestimmend. Sie trauen sich viele Dinge nicht zu. Gehen beispielsweise nicht ins Schwimmbad, um kritische Blicke zu meiden. Spannende Vorhaben werden immer wieder verschoben. Sie ziehen sich zu sehr zurück. Dicke sind Teil der Gesellschaft und haben somit auch die vorherrschenden Normen verinnerlicht. Ihr inneres Wertesystem lehnt das Dicksein häufig ab. In dieser Täterrolle lehnen sie auch ihren eigenen Körper ab. Auf dem Weg zur Akzeptanz der eigenen Figur ist es notwendig, diese Rollen ehrlich zu erkennen und schrittweise zu überwinden. Leben bedeutet Vielfalt. Eine Landschaft wird erst spannend und schön durch das Zusammenspiel großer und kleiner Formen, zierlicher und wuchtiger Elemente. Figurakzeptanz bedeutet zu begreifen: Man kann das Leben, das man leben möchte, in dem Körper leben, den man bereits hat.

Jeder Mensch hat das Recht zur positiven Sicht auf seinen eigenen Körper. Nur wer sich selbst akzeptiert wie er ist, befreit sich von inneren und äußeren Zwängen. Dadurch gelingt es vielen dicken Menschen, auch wieder aktiv zu werden, sich täglich aus eigenem Elan mehr zu bewegen und Freude bei der Lebensplanung zu empfinden. Wer Figurakzeptanz erreicht, befreit sich häufig gleichzeitig von den Ursachen für sein deutliches Mehr an Gewicht. Durch den Aufbau starker Selbstwertgefühle und mit aktiver Lebensfreude verlieren dicke Menschen perspektivisch viel eher überflüssiges Gewicht, als es jede aufgezwungene Diät, gesellschaftlicher Druck oder Schamgefühle erreichen könnten.

Literaturquelle: Mollig ist schön. Ein Ratgeber für Frauen mit Format, Cheri K. Erdman, 1996, Wien, Verlag Carl Ueberreuter, 175 Seiten, aus dem Amerikanischen übersetzt von Ulrike Müller-Kaspar

Astrid Treumann, Astrid Treumann

Astrid Treumann - 1967 in Berlin geboren, habe ich dort als berufliche Grundlage Kunst und Germanistik studiert (Hochschulabschluss 1991). Meine berufliche ...

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