Am 09.12.2010 wurde ein historischer Meilenstein in der deutschen Bundeswehrgeschichte gelegt. In Berlin beschloss die schwarz-gelbe Koalition die Abschaffung des Wehrdienstes zum 01.07.2011. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte den Vorschlag in die Wege geleitet und gleichzeitig für einen Truppenabbau appelliert. Folglich wird nicht nur der Wehrdienst abgeschafft, sondern insgesamt die Truppenstärke der deutschen Bundeswehr um 55.000 Soldaten verringert.

Wehrdienst zum 01.07.2011 ausgesetzt - die Bundeswehr schreibt Geschichte

Erstmals seit der Wehrpflicht-Einführung aus dem Jahre 1957 können Jugendliche für sich selbst entscheiden, ob sie dem Vaterland dienen möchten oder nicht. Im Sommer 2011 wird der Pflicht-Wehrdienst durch die neue Reform zu einer freiwilligen Angelegenheit in Deutschland. Notwendige gesetzliche Abschlüsse werden in der kommenden Kabinettssitzung beschlossen. Viele junge Leute hatten im Jahr 2010 bereits Grund zum Aufatmen. Der abzuleistende Grundwehrdienst wurde von vorher neun Monaten auf sechs Monate reduziert. Im Vergleich zu den 1960er Jahren ist der sechsmonatige Wehrdienst allerdings noch als Kurzzeitverpflichtung anzusehen. Damals mussten die Burschen einer Pflicht von insgesamt 18 Monaten nachkommen.

Für das zukünftige Vorgehen ist festgelegt, dass die Verankerung im Grundgesetz weiterhin bestehen soll. Ebenfalls werden männliche Jugendliche weiterhin erfasst. Einziger Unterschied ist allerdings, dass die Musterung ausbleibt. Dadurch, dass jeder weiterhin bürokratisch festgehalten wird, kann die Wehrpflicht durchaus wieder eingeführt werden. Mit einer Mehrheit von zwei Dritteln im Parlament könnte man den Wehrdienst wieder ins Leben zurück rufen. Durch die Abschaffung des Grundwehrdienstes wird man auch den Zivildienst für Kriegsdienstverweigerer nicht mehr so antreffen, wie er derzeit besteht. Problematik dabei ist, dass dadurch viele soziale Einrichtungen engagierte Mitarbeiter verlieren. Auch der Zivildienst soll auf einer freiwilligen Basis eingeführt werden, um so den Einrichtungen unter die Arme zu greifen.

Der Beschluss steht fest: Neben der Wehrdienstverabschiedung schrumpft auch die Anzahl der Soldaten

Der Abbau der eingesetzten Truppen konnte schon langfristig beobachtet werden. Zu Zeiten des Kalten Krieges waren es noch 500.000 Soldaten. Nach dem Mauerfall 1989 dienten dann nur noch 370.000 Mann. In naher Zukunft soll das große Schrumpfen weitergehen. Geplant ist, dass circa 170.000 Zeit- und Berufssoldaten eingesetzt bleiben. Dazu kommen die Männer und Frauen, die ihren Wehrdienst auf freiwilliger Basis leisten wollen. Natürlich kann vorab noch nicht das Engagement der Jugend berechnet werden, aber grob rechnet man mit zusätzlich 15.000 Wehrdienstleistern.

In Deutschland gibt es Gegner und Befürworter dieser Reform. Vor allem Jugendliche genießen jetzt eine noch selbständigere Entwicklung, können freiwillig darüber entscheiden, ob sie sich für die deutsche Bundeswehr einsetzen möchten oder doch lieber die Bildung in den Vordergrund ziehen.

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