Weihnachten - Das Fest der Freude ist es nicht immer wirklich

Leeres Kinderzimmer - Peter Lachnit
Leeres Kinderzimmer - Peter Lachnit
Fast alle Kinder freuen sich auf Weihnachten. Das Fest der Liebe und der Geschenke. Sind es fast alle Kinder, oder nur ein kleiner Bruchteil?

"Kinderpornoring von Europol ausgeforscht. 300 Verdächtige, davon19 aus Österreich. Alle Verdächtigen aus Österreich waren in einem Arbeitsprozess mit Kindern eingegliedert. Im Internet wurden sogenannte "Peer -to -Peer" Netzwerke genutzt, um Material mit schwerstem Kindesmissbrauch auszutauschen. Europaweit wurden im Rahmen der "Operation Icarus" 112 Personen verhaftet". So lautete die lapidare Meldung über den ORF-Text am 16. Dezember 2011.

Die Spitze eines Eisberges wurde von Europol ausgeforscht

Kindesmissbrauch in Form von Pornografie ist wohl das Abscheulichste, was Menschen einem wehrlosen Geschöpf antun können. Sowohl als Täter, Vermarkter und auch als Konsument. Aber es ist nur die Spitze eines Eisberges, unter deren Oberfläche es genauso brodelt. Denn nicht nur die körperliche Gewalt ist allgegenwärtig, sondern auch die Seelische. Wie unterschiedlich sie sich anfühlt, können eventuell nur die Betroffenen vermitteln.

Kalter Krieg - Liebe ohne Leiden?

In Österreich leben derzeit rund 11.000 nicht volljährige Kinder in staatlichen Heimen oder privat betreuten Unterkünften ohne Eltern. Freiwillig oder unfreiwillig. Dem elterlichen Martyrium aus eigener Kraft entkommen oder davon vor den Behörden zwangsentnommen. Wie auch immer es gekommen ist, es fehlt trotzdem etwas. Die Liebe, die vorerst zwischen dem Elternpaar und den gemeinsamen Kindern bestand und die in einem Chaos auseinanderbrach. Das Elternpaar kann eigene Wege gehen, die Kinder bleiben auf der Strecke. In gut situierten Familien entsteht ein Rosenkrieg über das Sorgerecht der Kinder, in sozial schwächeren Familen bleibt die - nicht in jedem Fall unbedingt -gewünschte Abnabelung der Kinder.

Die g'sunde Watsch'n

Gewalt gegen Schwächere ist ein weit verbreitetes Phänomen auf dem ganzen Erdball. Auch Österreich ist davon nicht ausgeschlossen. Österreichs letale Ausgänge dieses Verhaltens - und mit wenigen Ausnahmen von Männer verursacht - suchen den Stressabbau in der häuslichen Gewalt. "Die Eltern von heute reichen in einem hohen Maß jenen verinnerlichten Erziehungsstil an die eigenen Kinder weiter, mit dem sie selbst früher konfrontiert waren", erklärt Hannes Kolar, klinischer Psychologe im Dienste des Wiener Jugendamtes. "Selbst wenn die Eltern ihren Erziehungsstil zum Wohle der Kinder ändern - bei Stress zeigt sich ein Rückfall in die erlebten Praktiken der eigenen Kindheit."

"Ich will nach Hause zu meinen Eltern"

Kinder fühlen sich oft verantwortlich auf das Scheitern eines gemeinsamen Lebens mit den Eltern. Jugendliche auf eine Zukunft vorzubereiten, die es ihnen ermöglicht sich von ihren eigenen Schuldgefühlen zu lösen ist die schwierigste Aufgabe für Pädagogen in betreuten Wohngemeinschaften. Die Wunschvorstellung - maximal drei Kinder pro Wohngemeinschaft von einem Pädagogen oder einer Pädagogin zu betreuen. Die Ziele sind es, die Jugendlichen vom "Schutzraum" Wohngemeinschaft in eine "Außenwohngruppe" umzusiedeln. Je nach Fortschritt ist es dann für 18-jährige möglich, in eine einzelne "Außenwohnung" einzuziehen. Auch in den zweiten Stufen stehen Betreuer zur Verfügung und schauen - meist unangemeldet - nach dem Rechten. Nico Giustiniani, pädagogischer Leiter mehrerer Wohngemeinschaften der Volkshilfe Wien :"Im Idealfall können Kinder bei einer Rückführung in die Familie sogar lernen, mit den dort bestehenden Problemen umzugehen."

Quelle: ORF-Text; News-Magazin 43/2011

Peter Lachnit , Peter Lachnit

Peter Lachnit - Geboren 1959 in Klosterneuburg (Niederösterreich). Seit 1981 journalistisch tätig. Studium der katholischen Theologie ...

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