
- Weihnachten - Holger Schmidt
Weihnachten feiern Christen erst seit Anfang des 4. Jahrhundert, da nicht Weihnachten, sondern Ostern, also die Auferstehung Jesu, im Mittelpunkt der religiösen Praxis der frühen Christen stand. Die Geburt Christi wurde erst seit dem Jahr 1150 mit Weihnachten bezeichnet. Der Name Weihnachten geht zurück auf das Mittelhochdeutsche „Ze den wihen nahten", was „in den Heiligen Nächten" bedeutet.
Der 25. Dezember als Tag der Geburt Jesu
Warum heute in der westlichen Kirche Weihnachten am 25. Dezember gefeiert wird, ist nicht klar. Dazu gibt es unterschiedliche Erklärungsversuche. Einer von diesen Versuchen besagt, dass Weihnachten am 25. Dezember gefeiert wird, weil der 25. März, der alte Frühlingsanfang, als Tag der Weltschöpfung galt. Auf diesen Tag legte man die Empfängnis und demnach ergab sich der 25. Dezember als Geburtstag Jesu Christi.
Nach einer anderen Erklärung löste Weihnachten das Fest für den unbesiegbaren Sonnengott am 25. Dezember zur Wintersonnenwende in Rom ab. Da dieser Tag auch in anderen Kulturen besonders wichtig war und groß gefeiert wurde, versuchte Papst Hyppolit bereits im Jahr 217 diesen Kult durch das Fest der Geburt Christi abzulösen. Aufgrund der Bezeichnung Christi als dem Licht der Welt eine naheliegende Erklärung, da nach der Sonnenwende die Tage wieder länger werden und die Dunkelheit symbolisch zurückgedrängt wird. Und schon im Alten Testament wird Jesus als „Sonne der Gerechtigkeit" (Maleachi 3, 20) bezeichnet.
Aber erst Papst Liberius konnte das Weihnachtsfest durchsetzen. Zum Glaubenssatz wurde es auf dem zweiten Konzil von Konstantinopel 381 unter Kaiser Theodosius. Ab dem 7. Jahrhundert setzte sich der Brauch auch in Deutschland durch. Die Mainzer Synode erklärte 813 den 25. Dezember offiziell zum „festum nativitas Christi".
Die Weihnachtsberichte der Evangelisten
Die frühe Christenheit meinte mit dem Anfang der frohen Botschaft von Christus den Beginn seines öffentlichen Wirkens. Erst später fragte die Kirche nach Geburt, Kindheit und Jugend. Die berichteten Ereignisse gehören zu den Glaubenszeugnissen der jungen Kirche.
Lukas und Matthäus haben kein primär biographisches Interesse. Die Evangelisten schrieben keine Reportagen. Sie hatten ein bestimmtes Verkündigungsziel. Matthäus erwähnt die Geburt Jesu nur in einem Nebensatz und wendet sich dann dem Stern der Offenbarung und dem Kommen der Magier zu. Im Lukas-Evangelium ist die Geburt Jesu mit wenigen Worten beschrieben, wobei die Verkündigung an die Hirten und deren Kommen ausführlicher geschildert wird. Es entspricht der Eigenart des Lukasevangeliums, dass Hirten als erste den neugeborenen König der Juden finden. Wie die Zöllner und Sünder zählten sie zu den Verachteten im Volk der Juden.
Der Evangelist wollte auf diese Weise Jesus als einen Freund der Sünder einführen. Da in Christus die Zeit der Erfüllung und Vollendung anbricht, übernehmen die Autoren die Stilmittel der Apokalyptik. So sind die Engel als endzeitliche Boten zu nennen. Demnach steht das Weihnachtsevangelium im Licht der Prophetie und im Licht der apokalyptischen Erfüllung.
Mythos und Wahrheit der Weihnachtsgeschichte
Was ist wahr und was ist fromme Ausschmückung? Eine Antwort ist schwer und kaum mehr nachzuvollziehen. Die Vorstellung eines Tatsachenberichts lässt sich wissenschaftlich nicht halten. Das heißt jedoch keineswegs, dass die Evangelisten lügen: auch eine komponierte Geschichte kann Wahres ausdrücken.
Den Verfassern ging es nicht um historische Details, sondern darum, etwas über die Menschwerdung Jesu Christi auszusagen. Manchmal werden durch Bilder und Gleichnisse die Sätze über Jesus erst in ihrer ganzen Bedeutung sichtbar. Fromme Maler haben Ochsen und Esel in die Krippenszenerie gebaut, obwohl im Weihnachtsbericht davon keine Rede ist. Dennoch liegt darin mehr als Willkür. Die Künstler haben ein Prophetenwort auf das Weihnachtsereignis bezogen, nachdem „der Ochs seinen Herrn kennt, aber nicht der Mensch" (Jesaja 1, 3).
Bedeutung des Weihnachtsfestes
So verschieden auch die kirchlichen Feste in ihrer Akzentuierung sein mögen, sie weisen doch alle auf jene Mitte hin, die der christliche Glaube als seinen eigentlichen Kern versteht. Es ist die Lehre über Jesus Christus. Diese besagt, dass die zweite Person der Dreifaltigkeit, der Sohn des Vaters, eine menschliche Natur als seine ihm eigene Wirklichkeit angenommen hat. So besitzt Christus in der Einheit derselben göttlichen Person eine göttliche und eine menschliche Natur, unvermischt und ungetrennt. Somit ist Christus kein in menschlicher Verkleidung auf Erden erschienener Gott. Mit der Geburt Jesu soll verdeutlicht werden, dass dieses Kind wahrer Gott und wahrer Mensch in unauflöslicher Verbindung ist. Wichtig war das Aufleuchten der Herrlichkeit Gottes, die im Kind sichtbar wurde.
