
- Einfachg Krippe - AIAP
„Krippen gibt es schon seit dem frühen Mittelalter“, erklärt Umberto Grillo. Der Italienisch-Lehrer ist Vorsitzender des Vereins „Amici del Presepio“ (dt. Freunde der Krippe) aus Neapel. „Im Jahre 1534 wurde das erste Mal in Neapel eine überlebensgroße Krippe aufgestellt“, erzählt Grillo. „Um den Bewohnern die Figuren näher zu bringen, wurden ihnen die alten Kleider aus- und die Trachten von damals angezogen.“ Die Neapoletaner waren begeistert. „Im 17. Jahrhundert waren die goldenen Zeiten für Krippen in Neapel“, so Grillo. „Jeder, der etwas auf sich hielt, wollte eine eigene zu Hause stehen haben.“ Der Beruf der Krippenbauer war geboren. Die Handwerker hielten sich in den ersten Zeiten strikt an die von der Bibel überlieferten Original-Vorlage: Maria, Josef, Jesuskind, Kuh, Esel, Schaf, Hirten und die Heiligen Drei Könige.
Eine Krippe kann bis zu 200 Figuren haben
Der sogenannten „Natività“ in der Hütte wurden im Laufe der Zeit neue Szenen und Figuren hinzu „gedichtet“. Der Phantasie der Handwerker war keine Grenzen gesetzt. „Eine Krippe konnte schon gut und gerne mal bis zu 200 Figuren haben, auf mehrere Szenen verteilt“, erklärt Grillo. Der Hütte wurde die Begegnung des Engels mit den schlafenden Hirten beigefügt. Diese Szene gibt es sogar in der neapoletanischen Version: der Schäfer ist ein Fischer, die Schafe sind Fische. In die Krippen wurden sogar Szenen aus dem täglichen Leben der damaligen Zeit eingebaut. So gibt es nicht nur Schäfer, sondern auch Berufe aus dem Neapel des 17. Jahrhunderts: Den Wasserverkäufer, die Wäscherin und den Nussverkäufer. Auch gleichen die Figuren den Menschen von damals mit ihren Vorzügen und Gebrechen. „Viele weibliche Figuren haben einen Kropf, das liegt daran, dass früher viele Frauen an Jodmangel litten“, erklärt Grillo.
Via San Gregorio Armeno platzt an Weihnachten aus allen Nähten
Die Figuren haben sich auch im 21. Jahrhundert nicht geändert. Die Liebe zur Krippetradition hält bis heute an. Pünktlich zum ersten Advent kommen die ersten Besucher zur Via San Gregorio Armeno. Die Straße, die die Geschäfte der bekanntesten Krippenbauer beherbergt, befindet sich im Herzen Neapels, in der Altstadt. „Mein Urgroßvater hatte hier bereits 1840 eine Baracke stehen“, erklärt Vincenzo Capuano. Heute gehört den Capuano-Brüder eines der bekanntesten Geschäfte Neapels. „Ich bin mit Krippen aufgewachsen, daher war es für mich selbstverständlich, das Geschäft zu übernehmen“, erklärt der 33-jährige seine Berufswahl. „Außerdem ist es ein krisenfreier Job.“
Nachfragen aus Spanien und Deutschland
Auch wenn nur einmal im Jahr Weihnachten ist, an Aufträgen mangelt es nie. Sogar aus Spanien, Deutschland und Amerika kommen die Nachfragen. Im Jahr stellen die beiden Brüder rund 100 Figuren her, handgemacht versteht sich. „Für einen Hirten muss man schon 2-3 Tage investieren“, erklärt Vincenzo. Die Bauweise ist Tradition und seit Jahrhunderten überliefert: Füße und Hände sind aus Holz, das Skelett aus Eisen, der Körper aus Stroh, der Kopf ist aus Terracotta. Was die Figuren allerdings so einzigartig und wertvoll macht, sind die Glasaugen und die handgeschneiderten Kleider aus Samt und Seide. Eine Figur von circa 60 Zentimeter kann schon mal bis zu 200 Euro kosten, eine komplette Krippe bis zu 5000 Euro. „Die größte Krippe, die ich je gebaut habe, war für das Kloster von Padre Pio in Foggia“, erklärt Vincenzo. Die über 300 Figuren verteilen sich auf rund 80 Quadratmeter. Kostenpunkt für dieses Meisterwerk? „Das wird nicht verraten“, lacht der 41-jährige. „Berufsgeheimnis!“
Weitere Informationen über die Kunst des Krippenbauens unter: http://www.artecapuano.com und über die Krippenfans aus Neapel: http://www.amicidelpresepionapoli.it/
