Weihnachten ohne Geschenke – Dieses Jahr schenken wir uns nichts

Weihnachtliche Dekorationen - Kirsten Wendt
Weihnachtliche Dekorationen - Kirsten Wendt
Die Suche nach Präsenten kurz vor Heiligabend soll entfallen. Alle Erwachsenen in der Familie haben sich versprochen, dass nur die Kinder beschenkt werden

Tolle Idee! Häufig schon aus anderen Familien davon gehört, und nun soll es auch in der eigenen Verwandtschaft so gestaltet werden, dass nur noch die Kinder beschenkt werden, nicht aber mehr die Großen. Sofort erklären alle Parteien, dass der Konsumwahnsinn gerne beendet wird und die leuchtenden Kinderaugen der einzig wahre Segen unter dem Tannenbaum sein werden.

Erst Geschenke zu spät einkaufen, dann gefallen sie noch nicht einmal

Außerdem, so verrät die Großmutter ihrem Mann, ist sie es eh leid, jedes Jahr für sehr viel Geld teure Düfte in der Parfümerie zu kaufen, selbst aber immer nur mit den Prozente-Artikeln aus dem Discounter bedacht zu werden. Der frischgebackene Ehemann ist heilfroh, dass er keine Pannen mehr abliefern kann wie bei der letzten Bescherung, als seine Gattin feststellen mußte, dass er keine Ahnung hatte, welche Unterwäschegröße sie wirklich benötigt. Das alles und noch viel mehr möge nun ein Ende haben. Keinen Stress mehr bei der Geschenke-Beschaffung auf den letzten Drücker und keine langen Gesichter beim Auspacken.

Die Kinder bekommen ihre Geschenke in fast jedem Fall

Die Kinder können sich indes freuen, denn für sie lohnt sich der neue Pakt. Eifrige Pläne werden in heimlichen Telefonaten vor dem Fest ausgeheckt: Welche Oma überreicht die Baby Born, welcher Onkel mimt den Weihnachtsmann, bringt Opa die Ritterburg mit und was bleibt überhaupt noch für die Eltern zum Schenken übrig? Egal wie sehr man sich auch bemüht: Deutschen Kindern beizubringen, dass Weihnachten nicht gleichbedeutend ist mit sehr vielen neuen Spielsachen, dürfte fast unmöglich sein.

Seltsame Schenkrituale braucht man nicht wirklich

Gegen Ablauf der Adventszeit überkommt dann doch so manch einem ein mulmiges Gefühl. Dieses wird jedoch hastig beiseite geschoben. Wäre auch noch schöner, wenn man sich anstecken ließe von all der Werbung und kitschigen Kaufanimation in der Vorweihnachtszeit. Da stehen wir doch nun wirklich drüber! Außerdem kann sich jeder kaufen, was er braucht und muss es sich nicht albern auf einem Wunschzettel notieren. Noch schlimmer sind jene Zeitgenossen, die sich ihre Herzenswünsche im Vorfeld selbst besorgen, den Kassenzettel aufbewahren und diese Dinge samt Einkaufstüte an den Schenkenden weiterleiten, Geld gibt es natürlich auf die Hand. Also wirklich.

Was sagt man dazu? Die Mutter ruft an und petzt, dass Papa gar nicht so glücklich mit der neuen Abmachung sei. Er prophezeit ein trauriges Weihnachtsfest so ganz ohne Geschenke und es müsse ja wohl drin sein, seiner einzigen Tochter ein kleines Geschenk zu kaufen. Ehrlich gesagt, das findet man ja auch. Also lässt man sich auf einen Kompromiss ein: Kleine Geschenke sind erlaubt. Sie dürfen aber nicht viel kosten und große Mühe soll die Suche schon gar nicht machen. Nur eine kleine Freude!

Ein kleines Weihnachtsgeschenk zu finden ist nicht leicht

Jetzt geht die Hektik los. Kurz vor Toresschluss werden die Kaufhäuser gestürmt und peinlichst darauf geachtet, dass bloß nicht zu viel Euro auf dem Etikett unter der Vase, dem Kerzenständer oder dem Fußabtreter verzeichnet sind. Wer sich diese Dinge gewünscht hat? Niemand natürlich. Es handelt sich ja lediglich um nette Aufmerksamkeiten.

Die erneuten Unzufriedenheiten nach der Bescherung sind so gut wie sicher. Mit Geschenken kann man vieles richtig und auch einiges falsch machen. Manchmal gibt es echte Volltreffer und der Beschenkte freut sich noch Jahre später über eine gelunge Überraschung, einige Dinge werden auf ewig nachgetragen. Und manche Dinge ändern sich nie – das ist auch gut so, denn Weihnachten und Geschenke gehören einfach zusammen, nicht nur für Kinder.