
- Wünsche für eine bessere Welt - patrick klopf
Gabriel Baryllis neuestes Theaterstück beschäftigt sich in „Polsprung“ mit der These, dass am 21.12. 2012 laut Maya-Kalender der Weltuntergang bevorsteht. Die Welturaufführung ging in der neuebuehnevillach (Kärnten) über die Bühne.
Die Geschichte
Der Autor stellt zwei völlig diverse Blickwinkel gegenüber: Der auf alles gefasste Strafverteidiger Viktor Abramovich (Erik Jan Rippmann) verkauft sein ganzes Hab und Gut und stellt sich auf den Weltuntergang ein. Dazu hat er sich mit allen notwendigen Lebensmitteln eingedeckt, einem Weltempfänger, Verlängerungskabel, Lampen und Ersatzglühbirnen, Batterien und vielem mehr. Es soll für mehrere Monate reichen. Schon 2004 hat er die Berghütte für die Zeit vom 20. Dezember bis 31. Dezember 2012 gemietet. Das war ein Fehler. Denn: Kaum in die Hütte eingezogen, schaut der sehr traditionell gestrickte Jakob Fernreiser (Michael Weger) nach seiner Berghütte und will den Mieter hinauswerfen. Der Mietvertrag sei ungültig, weil er mit Fernreisers Exfrau, die aber nunmehr nicht mehr Besitzerin ist, abgeschlossen worden sei. Als Fernreiser den Hintergrund für das Mietverhältnis erfährt, kann er kaum glauben, dass es solche Spinner auf dieser Welt gibt. Dennoch. Irgendwie findet er seinen kauzigen Untermieter doch interessant. Er lässt ihn auf der Hütte wohnen, erweitert sogar den Mietzeitraum und kommt immer wieder, um mit dem belesenen Abramovich zu diskutieren. Schon spannend, der Gedanke einer Erneuerung der Welt. Andererseits – völlig abwegig. Eine Komödie mit philosophischer Grundausstattung.
Die Philosophie
In diesem Spannungsverhältnis zeichnet Barylli seine Figuren sehr liebevoll, stattet sie mit witzig klugen Dialogen aus, zeigt das hin und her gerissen sein zwischen Sehnsucht nach den Werten abseits des Materiellen und doch dem hingezogen sein zum zeitgemäßen Wohlstand. Sehr sensibel gibt der Autor zu denken, wohin wir uns entwickeln. Nach der Weltwirtschaftskrise, deren Erholung, der Wiederholung. Der Traum von einer besseren neuen Welt, der in uns allen schlummert wird mit „Polsprung“ wiedererweckt und macht Mut sich für traditionelle Werte wie Zeit, Liebe, Respekt einzusetzen.
Das Ablaufdatum
Wird das Stück nach 2012 noch spielbar sein, ist eine Frage, die dem Autor nach der Uraufführung in der neuebuehnevillach oft gestellt wurde. Er meint ja, sollte die Welt in dieser Form noch stehen wäre das Stück ein Theaterscherz gewesen. Ob die Voraussagen eintreffen oder nicht, das werden wir erst nach dem 21. Dezember 2012 wissen. Das Thema 2012 behandelt Vorhersagen, Prophezeiungen, Visionen der ältesten Kulturvölker des Planeten: Der Inder, der Hopi-Indianer und der Maya, die alle darauf hinweisen, dass im Jahr 2012 ein kosmischer Zyklus zu Ende geht und es Visionen gibt, dass sich für unsere Menschheit tiefgehende Veränderungen einstellen werden. Das alles ist Anlass genug für Literatur, Film und jetzt auch Theater das Thema aufzugreifen.
Die Wissenschaft
Im Laufe der Menschheitsgeschichte hat es laut Wissenschaft schon mehrere Polsprünge gegeben, belegt durch Gesteinsformationen, wo man nachmessen kann, dass der Nord-Süd-Pol schon mehrfach wechselte. Weiters behauptet die Wissenschaft, dass im Dezember 2012 die Erdachse in einer Konstellation zur Milchstraße steht, wie sie nur alle 26.000 Jahre vorkommt. Es ist erwiesen, dass die Gamma-Ray-Birts aus dem Zentrum der Milchstraße unsere Erde in den letzten Jahren vermehrt erreichen. Dieser Zyklus nimmt laufend zu und wird errechneter Weise seinen Höhepunkt im Jahr 2012 haben. Alle diese Dinge werden von der Wissenschaft aufgezeigt. „Es ist also an der Zeit, dass der Mensch sich fragt, was könnte es für uns alle bedeuten könnte“, so der Autor. „Endgültige Antworten kann es nicht geben, aber es kann eine Bewusstseinsschärfung, eine Bewusstseinserweiterung in Richtung dieses Themas geben.“
Service
Premiere am 25. 11. 2009 um 20.00 Uhr in der neuebuehnevillach
Weitere Termine: 26.-28.11., 2.-5.12.; 9. (Eine Benefiz-Vorstellung der Kleinen Zeitung und neuebuehnevillach zugunsten der Aktion Kärntner in Not.) bis 12.12.; 16. bis 19.12.; 29. bis 31.12. 2009 (Silvestervorstellung 19.00 und 22.00 Uhr)
Zusätzlich: Schulvorstellung am 9.12. um 10.00 Uhr
