Weihnachten und seine Bräuche - Ursprung und Herkunft

Weihnachtsbaum - Gerd Altmann / pixelio.de
Weihnachtsbaum - Gerd Altmann / pixelio.de
Von Fruchbarkeitsbäumen, Thor dem Weihnachtsmann und einem alles andere als christlichen Fest.

Wir alle erfreuen uns Jahr für Jahr über den bunt geschmückten Weihnachtsbaum, flackerndes Kerzenlicht, den Weihnachtsmann und natürlich auch über all die Geschenke, die uns auch 2011 erwarten. Doch woher stammen diese Bräuche eigentlich? Oft hört man, es werde zu Weihnachten die Geburt Jesus gefeiert, doch was hat dieser mit Tannenbäumen, Mistelzweigen und Geschenken zu tun. Und wieso Ende Dezember, obwohl die Geburt Christus kaum zu diesem Zeitpunkt stattfand? Denn die Volkszählung der Römer fand für gewöhnlich nicht mitten im Winter statt und da wir aus der Bibel wissen, dass die Hirten nachts mit ihren Tieren draussen wahren, zeugten diese nicht von grosser Weisheit.

Ursprung im Heidentum: Das Jul- oder Mittwinterfest

Blickt man in der Geschichte zurück, muss man erkennen, dass nur sehr wenig an Weihnachten wirklich christlich ist. Stattdessen folgen wir mit dieser Feier eher einer wesentlich älteren, heidnischen Tradition. Bereits zur Zeit der Antike nämlich, wurde gefeiert, wenn das alte Jahr sich seinem Ende näherte. In Ägypten galt der 25. Dezember als Geburtstag des Sonnengottes Osiris, bei den Babyloniern als der des Gottes Mithras, was an diesem Tag lange vor Christus bereits zu allerlei Feierlichkeiten verleitete. Im norddeutschen Raum, bis hinauf nach Skandinavien wurde zu dieser Zeit das Mittwinterfest (Julfest) gefeiert. Bei den Germanen und Kelten war dies eines der Hauptfeste des Jahres und war sowohl ein Toten-, wie auch ein Fruchtbarkeitsfest. Und genau in diesem Fest lassen sich die Ursprünge von Weihnachten am besten erkennen.

Die Christianisierung des Julfestes

Bereits um das Jahr 217 unternahm Papst Hyppolit den ersten Versuch das Fest der Geburt Christi auf den 25. Dezember zu verlegen, um diesem allgemein bekannten Feiertag einen christlichen Hintergrund hinzuzufügen. Erst 354 gelang es dem Bischof von Rom, die Geburt des Messias auf den Tag des „Festes des unbesiegbaren Sonnengottes“ zu setzen, allerdings alles andere als unbestritten. Bis 375 weigerten sich jedoch die östlichen Kirchen diesen Tag zu ehren, jene von Jerusalem gar bis ins siebte Jahrhundert. Selbst heute finden sich in einigen christlichen Lektüren noch immer erklärte Gegner des auf heidnischen Bräuchen basierenden Weihnachtsfestes.

Von Tannenbäumen und Mistelzweigen

Nachdem das Datum der christlichen Weihnacht auf den 25. Dezember gelegt wurde, kamen nach und nach auch immer mehr Bräuche hinzu, welche allerdings ebenfalls eher wenig mit dem Christentum gemein haben. Über Jahrhunderte hinweg gehörten geschmückte Bäume zu verschiedenen heidnischen Festen. So auch der immergrüne Tannenbaum zum Julfest. Er stand für Gesundheit, Leben und Fruchtbarkeit, sowie die Wiedergeburt des Sonnengottes. Meist wurde er mit Äpfeln, Nüssen, Süssigkeiten und Gebäck in Runen- und Sinnbildgestalt behängt. Im 15. Jahrhundert kam der traditionell geschmückte Weihnachtsbaum unter den der christlich-protestantischen Bevölkerung erneut zu gebrauch, wurde allerdings von der katholischen Kirche bis zum Ende des 19. Jahrhunderts stark kritisiert. Auch der Mistelzweig stammt aus dem Heidentum. Er war ein Symbol des Festes zur Wintersonnenwende, da er der Sonne geweiht war und ihm übernatürliche Kräfte zugesprochen wurden. Ausserdem war er der Liebesgöttin Frigga heilig. Die heidnische Sitte, sich unter dem Mistelzweig zu küssen, leitete dazumal eine Nacht der Geselligkeit und Trinkgelagen ein.

Entstanden aus heidnischen Gottheiten: Weihnachtsmann und Nikolaus

Weihnachtsmann und Nikolaus sind ein Gemisch aus verschiedenen Gottheiten. Einerseits Odin, welcher um die Mittwinterzeit auf seinem Pferd Sleipnir ritt und Belohnungen oder Strafen verteilte. Dem bärtige Thor, welcher in Rot gekleidet zu dieser Jahreszeit gegen die Frostriesen kämpfte. Hertha stieg ebenfalls auf die Erde hinab und brachte Geschenke, sowie die italienische Befana. Auch vom Eichenkönig, welcher zu Mittwinter regierte, wurde Einiges übernommen. Dieser trug stets ein grünes Gewand und einen Kranz aus Stechpalmen. Aus ihm wurde später der gehörnte, grüne Jäger, welcher von den Christen mit dem Teufel gleichgesetzt wurde. Im Mittelalter wurde aus all diesen Gottheiten der Nikolaus, ein Heiliger, welchen es angeblich wahrhaftig gegeben haben soll. Sein heutiges Erscheinungsbild erhielt der Nikolaus oder Weihnachtsmann allerdings erst 1931 durch einen von Coca Cola beauftragten Zeichner, welcher sich der germanischen Mythologie und der Darstellung des Gottes Thor entsinnte.

Für mehr Licht und gegen böse Mächte: Kerzen und Gebäck

Bei den römischen Saturnalien wurden bereits Kerzen an Bäumen entzündet. So gut wie bei allen alten Völkern finden wir den Brauch des Kerzen Anzündens. In Persien geschah dies zu Ehren des Sonnen- und Lichtgottes Mithras. Bei den Druiden für Baldur, ebenfalls ein Sonnengott. Vor allem nach Mittwinter bis hin zum Lichterfest sollte das Kerzenlicht die Sonne unterstützen. Um böse Mächte zu besänftigen haben die Germanen stets süsses Backwerk hergestellt. Dieses wurde entweder in den Wind gehängt, ins Feuer gelegt oder aber ins Wasser geworfen. Ausserdem wurden den Göttern auch Früchte und Tiere zum Opfer dargeboten. Manche fertigten hingegen einfach Gebäck in Tiergestalt an und brachten dieses dar.

Der Brauch des Schenkens

Während der Saturnalien vom 17. bis 23. Dezember tauschten die alten Römer für einige Tage die Rollen. Dann spielte der soziale Status ausnahmsweise einmal keine Rolle. Die Herren bedienten sogar die eigentlichen Diener und untereinander wurden vielerlei Geschenke ausgetauscht. Im neunten Jahrhundert wurde der Brauch des Schenkens von den Germanen übernommen. In diesem Sinne: Stille Nacht, heidnische Nacht…

Bild: (c) Gerd Altmann / Pixelio.de

Sarah A. Friedli, Sarah A. Friedli

Sarah A. Friedli - Kurzvita: Geboren wurde ich 1985 in der Schweiz. Nach der Schulzeit absolvierte ich den Vorkurs für Gestaltung und anschliessend ...

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