
- Weihnachten, Teddy, Spielzeug - Rolf Handke
Nach Stiftung Warentest sind 80 Prozent der 50 untersuchten Spielzeuge für Kinder unter drei Jahren mit giftigen Schadstoffen belastet. Erschreckend: Zwei Drittel davon sind stark bis sogar sehr stark betroffen, Holzspielzeug ist besonders giftig! Die Herkunft der Spielzeug-Produktion spielte dabei keine wesentliche Rolle, deutsches Spielzeug sei nicht besser als chinesisches. Sieben der Spielsachen dürften demnach sogar gar nicht verkauft werden!
Teddy von Steiff, Pittiplatsch und viele andere – giftig fürs Kleinkind
Besonders gefährlich ist der noch nicht ausgeprägte Tastsinn der Kleinen, so erkunden die Kinder bis drei Jahre in dieser Zeit vieles über und mit dem Mund – vor allem Spielzeug. Schadstoffe werden von ihrem Organismus empfindlicher aufgenommen, als beim erwachsenen Menschen. 42 der 50 getesteten Spielzeuge enthielten verdächtig krebserregende Giftstoffe, Erbgut- und fortpflanzungsschädigende sowie Allergie auslösende Stoffe wie Formaldehyd, Nickel, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), zinnorganische Verbindungen, Nonylphenol und Weichmacher. Egal, ob der Teddy von Steiff, Prinzessin von Fisher Price, Brio-Eisenbahn oder Pittiplatsch – das Risiko der Gesundheitsschädigung des damit spielenden Kindes wird umso höher, je mehr einer der Schadstoffe davon austritt (Einatmung, Haut- Mundkontakt), so Stiftung Warentest im Oktober 2010.
Fünf Spielzeuge waren direkte Gefahr für die Kinder beim Spielen
Den verbotenen Weichmacher DEHP – mit fortpflanzungsschädigender Wirkung, polyzyklisch aromatischer Kohlenwasserstoff und Blei fand man im niedlichen Kuschel-Hasen von Tedi. Beim Schiebepferd Trotto von Selecta, der Babypuppe Lisse, dem grüne Nachziehdrachen von Eichhorn, und der bunten Ziehschlange von Plan Toys lösten sich Einzelteile, wie eine Zunge, eine Kugel, Klettverschluss, ein Paar Lederohren, die Kinder leicht verschlucken können. Darum hätten diese Kinderspielsachen gar nicht verkauft werden dürfen, da sie gegen die Spielzeug-Normen verstoßen. Spielzeug muss reiß- und biegefest sein. Es darf keine Schwermetalle abgeben und beim Fallen nicht zerschellen. Erschreckendes Ergebnis: Selbst Markenware fiel bei diesen Routinetests durch!
Holz schneidet schlechter ab als Plastikspielzeug
Holzspielzeug ist bei vielen Eltern angesagt, weil sie glauben, dass sie damit ihren Kindern etwas Gutes bieten. Es ist ein Irrglaube, dass Plastikmännchen oder Hubschrauber aus Plastik mit starken Schadstoffen belastet sind. Kein einziges der 15 Holzspielzeuge ist frei von Schadstoffen! Sechs der zehn Plastik-Spielsachen sind nicht belastet. Bisher schafften das sonst Curly Girly von sigikid und die Hello-Kitty-Figur. Dennoch ging auch sigikids Plüschaffe sofort lichterloh in Flammen auf, nachdem er nur kurzen Kontakt mit einer Flamme hatte. Normalerweise gehen diese Flammen bei gut der Hälfte der Plüschtiere im Test wieder aus.
Chemikalienrecht orientiert sich nicht am sensiblen Kinder-Organismus
Da die Spielzeug-Richtlinie 2013 bis zu 1 000 Milligramm PAK pro Kilogramm Spielzeug und für das krebserzeugende Benzo(a)pyren 100 Milligramm zulassen möchte, müssen die Richtlinien schnell nachgebessert werden. Das Chemikalienrecht orientierte sich bisher nicht am sensiblen Organismus eines Kindes. Die Hersteller von Spielzeug sollten demnach nach Stiftung Warentest mehr Verantwortung übernehmen und aktiv ausschließlich kritiklose, alternative Produktions-Stoffe fürs neue Kinderspielzeug einsetzen.
Bildnachweis Rolf Handke / pixelio.de
Quelle: Stiftung Warentest 10/2010
