Weimar - vor Allem Kabale, wenig Liebe

Oberbürgermeister gegen Intendant des Deutschen Nationaltheaters

Weimars Bürger aufgewühlt: dem DNT-Intendanten Märki sollte der Stuhl vor die Tür gesetzt werden, nun ist auch ein geschichtsträchtiges Haus in Privathand gegeben worden

In der Klassikerstadt Weimar brodelt es seit einiger Zeit. Zwei Vorgänge lassen die Wogen der Erregung hoch schlagen: der Versuch der Stadtverwaltung, den Intendanten des Nationaltheaters Weimar, Stephan Märki loszuwerden und der inzwischen vollzogene Verkauf des geschichtsträchtigen Hauses der Frau von Stein an einen spanischen Investor.

Theater um das Theater

Dass die Stadtoberen von Weimar unter Führung des Oberbürgermeisters Stefan Wolf den Vertrag des bewährten Intendanten Märki nicht über 2010 hinaus verlängern wollten, erregte reichlich Unmut nicht nur in Theaterkreisen, sondern auch unter den Bewohnern der Stadt. Märki ist zwar nicht unumstritten, hat aber unzweifelhafte große Verdienste um den Fortbestand des Weimarer Nationaltheaters und konnte in den vergangenen Jahren mit gelungenen Inszenierungen punkten, die – auch der Stadt – internationale Aufmerksamkeit bescherten.

Mit dem Anwachsen der Proteste verhärtete sich die Position des Oberbürgermeisters, mit ins Kreuzfeuer geriet seine Stadtkulturdirektorin Julia Miehe. Diese ist ohnehin vorbelastet, in ihrer vorherigen Position als Orchesterdirektorin hatte sie bereits gegen Märkis Bemühungen um Selbständigkeit und Vollständigkeit des Hauses gearbeitet und wurde deshalb von ihm abgemahnt. Doch die Kreise sind noch größer, Anschuldigungen reichen bis ins Kultusministerium. Es ist die Rede von Intrigen und persönlicher Rache.

Protest und Solidarität

Eindrucksvoll demonstriert wurde der Bürgerwille am Tag der Deutschen Einheit mit einer Protestkundgebung auf dem Theaterplatz, zu der mehr als 1000 Weimarer Bürger kamen.

Oberbürgermeister Wolf wurde Machtmissbrauch vorgeworfen und Rücktrittsforderungen wurden laut.

Inzwischen ist unter dem Druck der Öffentlichkeit Märkis Rausschmiss revidiert, jedoch bleiben Skepsis und Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Wandlung von OB Wolf. Und die kommenden Kommunalwahlen werden auch ganz sicher von den Auswirkungen des Streits beeinflusst.

Öffentliche Hand kein Schutz für Kulturgut?

Doch nicht genug damit, ein weiterer unerfreulicher Vorgang in Weimar sorgt für Aufregung. Das geschichtsträchtige Haus der Frau von Stein ist von der Stadt trotz vieler sachlicher Einwände und vorhandener Alternativen an einen spanischen Investor verkauft worden. Für 325.000 Euro. Dieser Preis entspricht der Größe und Bedeutung des Anwesens ganz sicher nicht, dafür gibt es gerade mal ein besseres Einfamilienhaus. Schlimmer ist, daß das Gebäude seinen Platz im Ensemble der Stätten Weimarer Klassik verlieren wird, denn ein Dali-Museum mit angeschlossenem Kunsthandel wie angekündigt hat in einem solchen Gebäude ganz sicher keine Verknüpfung mit der Geschichte Weimars. Zumal die Not der Stadt zum Verkauf der Immobilie nicht so dramatisch sein kann, es gibt auch griffigere Alternativen, die aber bisher kein Gehör gefunden haben. Als Beispiel mag die Idee des renommierten Kölner Kunstexperten Prof. Henrik Hanstein dienen, das Gebäude in die Gemeinnützigkeit zu überführen und als Domizil für Stipendiaten der Kunsthochschule für Medien zu nutzen. Unterstützt wird die Idee unter Anderem vom Präsidenten der Klassik Stiftung Weimar, Hellmut Seemann. Gewünscht wäre die gemeinsame Entwicklung des Hauses durch Prof. Hanstein, die Klassik Stiftung Weimar und das Goethe-Institut, das bereits im Hause Mieter ist.

Möglicherweise hat hier die Stadtverwaltung nicht alle Chancen für eine dem historischen Anspruch gerecht werdende Entscheidung geprüft, sondern schnell gehandelt in der Meinung, die Schlappe mit Märki reiche aus, neuerlicher öffentlicher Streit solle lieber vermieden werden. Allerdings wird jetz häufig aus Goethes „Faust I“ zitiert: "...Nein, er gefällt mir nicht, der neue Bürgermeister..." Und die Weimarer Bürger werden genau auf die weitere Entwicklung achten, dass sie sich nicht einfach als gesichtslose Masse regieren lassen, haben sie hinreichend bewiesen.

Lutz Lehmann, Lutz Lehmann

Lutz Lehmann - Ich bin freiberuflicher Musiker und verfüge über langjährige Erfahrung im lokalen Fernsehen. Gute Kenntnis des kulturellen ...

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