In Deutschland wird Wein in zwei grundsätzliche Qualitätstufen eingeteilt, nämlich Tafelwein und Qualitätswein. Das Mostgewicht dient zur Einteilung der Weine in die verschiedenen Qualitätsstufen. Das Mostgewicht steht für die Dichte des Traubenmostes. Es ist ein Maß für den Gehalt an gelösten Substanzen, wie zum Beispiel Zucker. Der enthaltene Zucker wird bei der Gärung in Alkohol umgesetzt. Je höher die Qualitätsstufe werden soll, desto höher muss das Mostgewicht sein. Die Maßeinheit ist das Grad Oechsle (°Oe), benannt nach einem Pforzheimer Goldschmied, der die gleichnamige Mostwaage entwickelt hat.
Tafelwein
Tafelwein hat ein Mostgewicht zwischen 44 und 50 °Oe. Der Alkoholgehalt ist damit eher niedrig und beginnt bei etwa 5 Vol.-%. Eine gehobene Form des Tafelweins ist der sogenannte Landwein. Er hat höhere Mostgewichte bis zu 55°Oe und darf nur als trockener oder halbtrockener Wein angeboten werden.
Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete (QbA)
Ein QbA-Wein ist die Eingangsstufe im höheren Qualitätsbereich. Er hat ein Mostgewicht zwischen 50 und 69 °Oe. Die verwendeten Trauben müssen aus einem einzigen der offiziell zugelassenen Anbaugebiete stammen und von einer der zugelassenen Rebsorten sein. Qualitätsweine dieser Art dürfen mit Zucker angereichert werden, um einen höheren Alkoholgehalt zu erreichen.
Qualitätswein mit Prädikat
Dies sind die hochwertigsten Weine aus Deutschland. Prädikatsweine gibt es in den Stufen Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Eiswein und Trockenbeerenauslese. Die Weine dürfen ihren Alkoholgehalt nur aus traubeneigenem Zucker beziehen.
Kabinett
Kabinettwein hat ein Mostgewicht von ca. 75 °Oe, je nach Rebsorte und Anbaugebiet. Der Alkoholgehalt ist damit relativ niedrig.
Spätlese
Die Trauben werden in vollreifem Zustand geerntet, frühestens eine Woche nach Beginn der allgemeinen Weinlese. Das Mostgewicht beträgt etwa 85 ° Oe. Einige Spätlesen enthalten noch unvergorenen Zucker, die sogenannte Restsüße. Inzwischen sind aber auch trockene Spätlesen auf dem Markt.
Auslese
Die Trauben für Auslese-Weine werden von Hand geerntet. Dabei werden unreife Beeren aussortiert. Zum Teil ist schon die erste Edelfäule durch Botrytisbefall vorhanden. Das Mostgewicht beträgt etwa 95 °Oe. Die Weine haben dementsprechend einen hohen Alkoholgehalt und meist auch eine hohe Restsüße.
Beerenauslese
Für diese Qualitätsstufe werden nur die überreifen, edelfaulen Beeren von Hand aussortiert. Das Mostgewicht beträgt etwa 120 ° Oe. Der Botrytispilz verhindert eine vollständige Vergärung des Zuckers. Daher sind Beerenauslesen von Natur aus sehr süß.
Eiswein
Das Mostgewicht entspricht mit etwa 120 °Oe dem der Beerenauslese. Das hohe Mostgewicht wird bei Temperaturen unter -7 °C erreicht. Die Beeren verlieren dabei an Wasser. Die Inhaltsstoffe liegen in hoher Konzentration vor. Die relativ geringe Mengenausbeute und die mühsame Handarbeit bedingen den hohen Preis.
Trockenbeerenauslese
Dies ist die höchste Qualitätsstufe deutscher Weine mit Mostgewichten um die 150 °Oe. Es werden nur rosinenartig geschrumpfte, edelfaule Beeren verwendet. Die Ertragsmenge ist dementsprechend gering. Trockenbeerenauslesen sind fast honigartig süß und sehr gut lagerfähig.
Welchen Wein trinkt man bei welcher Gelegenheit
Zum Essen trinkt man generell eher leichte Weine ohne Restsüße, also vom einfachen Tafelwein bis zu einem leichten Kabinettwein. Sämtliche Auslesen und den Eiswein serviert man dagegen einzeln, eventuell sogar im Likörglas. Der besondere Charakter der kostbaren Weine geht sonst unter.
Quelle:
Günter Lauzi: Wein kennen und genießen, Bassermann,1999
