Wein aus Spanien: Crianza, Riserva und Vino Joven

Spanischer Wein - Eva Bambach
Spanischer Wein - Eva Bambach
Ob Rotwein oder Weißwein - die Bezeichnungen auf den Etiketten spanischer Weine verwirren auch Kenner.

Spanien ist das flächenmäßig größte Weinanbauland auf der ganzen Welt. Mehr als eine Million Hektar werden für die Kultivierung von roten und weißen Weinen genutzt. Dabei sind die Reben in den Weinbergen oft schon sehr alt. Deshalb – und auch, weil die Methoden der Weinbereitung verglichen mit modernen Produktionsweisen nicht sehr ergiebig sind – wird in Spanien trotz großer Anbaufläche weniger trinkfertiger Wein hergestellt als in Frankreich und Italien.

Sehr lang waren spanische Weine bei den Kennern gering geachtet. In letzter Zeit ist das deutlich anders geworden. Die spanischen Winzer haben sich in den vergangenen 30 Jahren sehr um eine Steigerung der Qualität ihrer Rot- und Weißweine bemüht. Spanische Weine zählen heute zu den besten in Europa. Und so wird spanischer Wein auch in Deutschland immer beliebter. Ohne fachliche Beratung steht der Kunde allerdings oft ratlos vor den vor allem mit Rotweinen gefüllten Regalen beim Weinhändler.

Rotwein und Weißwein in sehr unterschiedlicher Qualität

Einerseits unterscheidet man in Spanien die Weine nach der Dauer ihres Ausbaus. Ein ganz junger Wein ist Vino Joven. Er reift nicht länger als sechs Monate. Ein Vino Joven ist meist ein sehr einfacher Wein, der nicht viel kostet und nicht gut lagerfähig ist. Die Bezeichnung „Crianza“ steht für Weine, die abhängig vom Anbaugebiet für sechs bis zwölf Monate in einem Eichenfass ausgebaut wurden und anschließend noch bis zu zwei Jahre in der Flasche reifen durften. Weine, die noch länger gereift sind, werden unter der Bezeichnung „Reserva“ angeboten. Nur in sehr guten Jahren können auch Weine der Qualitätsstufe „Gran Reserva“ erzeugt werden. Um diese Qualitätsbezeichnung tragen zu dürfen, müssen Rotweine sogar fünf Jahre reifen. Von diesen mindestens fünf Jahren muss der Rotwein zwei Jahre im Barrique gelagert gewesen sein. Verbreitet ist die Qualität „Gran Reserva“ nur bei Rotwein. Einen Weißwein oder einen Rosé mit der Bezeichnung „Gran Reserva“ zu finden, ist nicht einfach. Diese Qualität gibt es hier nur selten, denn Weiß- und Roséweine dürfen so nur dann benannt werden, wenn sie mindestens dreieinhalb Jahre in der Flasche gereift sind, nachdem sie die ersten sechs Monate schon im Barrique ausgebaut wurden.

Spanische Anbaugebiete und Herkunftsbezeichnungen

Ein weiteres wichtiges Kriterium beim Weinkauf ist das Herkunftsgebiet. Nach dem spanischen Weinbaugesetz werden hier fünf Stufen unterschieden: Die einfachste Stufe umfasst den „Vino de Mesa“, das ist ein ganz einfacher Tafelwein. Das Etikett darf hier weder Rebsorte noch Jahrgang oder gar das Herkunftsgebiet nennen. Eine etwas bessere Qualität hat der „Vino de la Tierra (VdlT)“ - ein Landwein. Auch bei dem „Vino de la Tierra“ darf das Herkunftsgebiet nicht genannt werden, dafür aber Rebsorte und Jahrgang. In rund 50 % der Weinberge in Spanien werden Weine der Bezeichnung „Denominación de origen (D.O.)“ erzeugt. Aktuell sind 64 D.O.-Appellationen klassifiziert. Noch eine Stufe höher stehen Weine der Qualitätsstufe „Denominación de origen calificada (D.O.Ca.)“. Nur drei Weinbaugebiete dürfen ihre Weine so nennen: Rioja, Priorato und Ribera del Duero.

Das Anbaugebiet Ribera del Duero begleitet den Fluss Duero über mehr als 100 Kilometer. Das Gebiet in 600 bis 1000 Metern Höhe erstreckt sich über eine mit Reben bewachsene Fläche von 17 000 Hektar. Die häufigsten Sorten dort sind Tempranillo, Cabernet Sauvignon und Grenache. Das katalanische Gebiet Priorato hat ungefähr 1600 Hektar Rebfläche. Es befindet sich in einem vulkanischen Kessel und liefert ausgesprochen dunkle und sehr konzentrierte Rotweine. Rioja liegt im nördlichen Spanien am Ebro. Es ist mit rund 60 000 Hektar das größte der drei Anbaugebiete und bringt sehr unterschiedliche Weine hervor, von denen die aus der Rebsorte Tempranillo produzierten Weine am bekanntesten sind.

Nicht nur Rotwein, sondern auch Weißwein aus Spanien

Seit wenigen Jahren gibt es in Spanien eine weitere Qualitätsstufe, die ausschließlich für einzelne Lagen gilt. „Vino de pago“ ist die beste Qualität, die bei spanischen Weinen erhältlich ist. Die Einzellagen Pago Senorio de Arinzano , Pago Guijoso, Finca Elez, Dehesa del Carrizal und Dominio de Valdepusa sind auf diese Weise ausgezeichnet worden.

Übrigens hat der Anbau von Rotwein in Spanien mengenmäßig nicht die größte Bedeutung, auch wenn im Ausland oft dieser Eindruck besteht . Etwa die Hälfte der Reben sind weiße Sorten, etwa Pardillo , Pedro Ximénez und Cayetana Blanca. Dominierende Rotweintrauben sind Tempranillo, Grenache, Monastrell und Mencia.

Eva Bambach 2011, Eva Bambach

Eva Bambach - Seit 1995 freie Autorin und Redakteurin für verschiedene Verlage, unter anderem für Brockhaus, Harenberg, Meyer, Duden; ...

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