Der Anbau von Wein gilt, wie so viele Branchen, als Männer-Domäne. Das Geschäft mit dem Wein hat sich über Jahrhunderte zu dem entwickelt was es heute ist. Und über einen genauso langen Zeitraum war der Weinanbau auch beherrscht von Winzern. Nur wenige Menschen ahnen überhaupt, dass es eine weibliche Form des Wortes Winzers gibt.
Wein-Herstellung zunehmend unter weiblicher Feder
Doch in den letzten Jahren hat ein Wandel eingesetzt, man könnte von einer kleinen Revolution sprechen. Immer mehr Frauen nehmen den Anbau von Wein in die Hand. Das liegt zum Teil daran, dass viele Weingüter seit Generationen in Familienbesitz sind und die Töchter die Tradition fortführen wollen.
Winzerinnen überraschen mit neuen Ideen
Das Kultivieren von Wein ist eine sehr vielfältige Herausforderung, die die Winzerinnen mit neuen Ideen anpacken und sehr erfolgreich meistern. Einige Winzerinnen folgen dem Trend des Bioanbaus und setzen auch bei Wein auf biologische Bewirtschaftung. Ihr Wein kommt nicht mit Pestiziden oder genveränderten Pflanzen in Berührung, stattdessen setzen viele Winzerinnen auf natürliche Mittel, um die Gesundheit und Widerstandsfähigkeit ihrer Reben zu fördern. Der Wein wächst in einem Biotop auf gesunden Böden mit verschiedenartigen Nützlingspopulationen, was dem Wein eine besonders natürliche Geschmacksnote verleiht, so propagieren es die Winzerinnen.
Auch das Management wird von den Winzerinnen neu strukturiert, sie setzen auf Kooperation, anstatt auf Konkurrenz wie es ihre männlichen Kollegen bevorzugen. Die Winzerinnen kooperieren in verschiedenen Bereichen, neben dem Anbau auch bei der Vermarktung von Wein und auch betriebsintern wird eher auf Teamarbeit vertraut. Vor 15 Jahren haben einige Frauen aus der Branche sogar ein eigenes Netzwerk für Winzerinnen und Gastronominnen gegründet, um gegenseitige Unterstützung und Austausch untereinander zu fördern.
Wein aus Frauenhand überzeugt
Geschmacklich kann Wein aus Frauenhand auch überzeugen, diesem Wein wird nachgesagt, dass er besonders vielfältige Aromen entfaltet. Das kann daran liegen, dass Frauen Wein anders verkosten, sie schmecken ihn viel sensibler, lassen den Wein auf alle Geschmacksknospen intensiv wirken. Männer hingegen betrachten das Verkosten von Wein wie alles im Leben, als Wettkampf, das setzt sie unter Druck und beeinflusst auch die Bewertung des Rebensafts nachhaltig. Wer Wein von frauengeführten Weingütern probiert wird von den reichhaltigen Geschmachmacksnoten begeistert sein, man schmeckt die Liebe zum Detail mit der Frauen Wein produzieren.
Die Revolution der Winzerinnen hat in Deutschland vor allem den Anbau des beliebten Riesling nachhaltig verändert. Einige Winzerinnen haben diesen Weißwein neu kultiviert, so dass dieser Wein ein einzigartig weiches Bouquet entwickelt. Darüber hinaus fördern die Winzerinnen den An- und Ausbau von Roséwein, der bislang in Deutschland wenig verbreitet ist.
Dass Frauen sich auch weiterhin im Weinanbau engagieren werden, wird laut dem Deutschen Wein Institut deutlich an der steigenden Zahl von Studentinnen an der renommierten Fachhochschule für Weinbau in Geisenheim.
