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Die 840 v.Chr. gegründete antike Stadt Karthago, die heute einen luxuriösen Vorort der tunesischen Hauptstadt Tunis bildet, erlebte schon lange vor der römischen Eroberung ihre erste Blütezeit als prachtvolles Handelszentrum des Mittelmeerraums, in der auch schon der Weinanbau zu Perfektion gelangte.
"De re rustica“- das Standardwerk der punischen Weinbaukunst
Ein erstes Zeugnis des Weinanbaus in der Region um Karthago legt das 28bändige Werk "De re rustica“ (lateinische Übersetzung) des Karthagers Magon ab, das etwa 500 v. Chr. in punischer Sprache verfasst wurde. Die Römer waren von dieser detaillierten Anleitung für Landwirtschaft und Weinbau derart begeistert, dass sie sie sogleich ins Lateinische übersetzten und damit auch nach der Zerstörung Karthagos für die Nachwelt erhielten. Das punische Wissen über die Kultivierung und Pflege von Weingärten bestimmte anschließend über mehrere Jahrhunderte den Weinanbau in weiten Teilen des römischen Reiches.
Vom Weinverbot unter türkischer Herrschaft bis zur französischen Besatzung
Während die Islamisierung des Landes in den ersten Jahrhunderten den Weinanbau noch immer in gewissem Umfang zuließ, kam er schließlich im Zuge der türkischen Eroberung 1574 vollständig zum Stillstand.
Das strikte islamische Weinverbot lockerten erst die französischen Besatzer, die ab 1881 die ersten Versuche unternahmen, die traditionellen Weinberge zunächst um Karthago und auf der Halbinsel Cap Bon wieder zu kultivieren.
Auf der damals nur noch 50 ha großen für den Weinanbau zur Verfügung stehenden Anbaufläche produzierten sie die ersten Verschnitt- und Deckweine mit kräftig dunklen Färbertrauben, die es zu einigem Erfolg brachten. Unter französischer Besatzung vergrößerten sich die Anbauflächen kontinuierlich, so dass im Jahr 1930 bereits über eine Millionen Hektoliter jährlich hergestellt werden konnten.
Nach der tunesischen Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1956 verlief die Deckweinproduktion noch für einige Jahre recht vielversprechend, bis die Einführung der Planwirtschaft in den 60er Jahren die tunesischen Weinbauern in eine schwere Krise stürzte.
Die Weinanbaugebiete: Bizerte, Cap Bon, Nabeul, Zhagouan und Ben Arous
Der tunesische Weinbau konnte mit gezielter staatlicher Förderung ab den 1970er Jahren langsam wieder in Schwung gebracht werden. Zur Erhöhung der Exportchancen trug insbesondere die Einführung der AOC-Appellationen als Gütesiegel bei, nachdem ein Weinrecht nach französischem Vorbild bereits seit der tunesischen Unabhängigkeit bestanden hatte.
Heute werden auf insgesamt etwa 29.000 ha Fläche in sieben bekannten Anbaugebieten jährlich wieder über 400.000 Hektoliter Wein produziert. Die tunesischen Weinanbaugebiete befinden sich vorwiegend im nördlichen hinteren Küstenbereich von Tunis über Tabarka bis Bizerte, der über ein besonders mildes mediterranes Klima verfügt. Nur selten wird die Ernte durch Sandstürme verstreut, die in den südlicheren Landesteilen vorherrschen.
In den Regionen Ben Arous, Bizerte, Aryanah, Béja-Jendouba, Nabeul, Cap Bon, und Zhagouan finden sich die sehr sonnenreichen und relativ windgeschützten Anbauflächen, die nur teilweise künstliche Bewässerung erfordern.
Die heutigen Rebsorten: Chardonnay, Sémillon, Merlot, Pinot Noir und Syrah
Derzeit gibt es gibt die sieben Appellationen Coteaux de Tébourba, Mornag, Kélibia, Muscat de Kélibia, Sidi Salem, Coteaux d´Utique und Thibar. In diesen mit dem französischen AOC-Gütesiegel versehenen Weinen werden überwiegend auch in Südfrankreich angebaute Rebsorten verarbeitet.
Unter den weißen Rebsorten sind Chardonnay, Muscat d´Alexandrie, Sémillon und Clairette die bedeutendsten, während unter den roten Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir und Syrah sich besonderer Beliebtheit erfreuen.
Bislang ist von den nach Europa exportierten AOC-Weinen wohl nur der rote Château Mornag auch in Deutschland ein Begriff. Für jeden Weinfreund sollte sich aber unter der tunesischen Vielfalt etwas finden lassen- neben den Weißweinen bieten sich speziell für alle, denen die Rotweine der Region zu schwer sind, mehrere besonders berühmte Roséweine an, wie etwa Gris de Tunisie, Sidi Rais oder auch die Rosévariante des Château Mornag.
