Weinernte des Moscatel-Weines von Manilva, Andalusien

Feuchtfröhliche Vendimia-Prozesssion - Gregor Steinschulte
Feuchtfröhliche Vendimia-Prozesssion - Gregor Steinschulte
Das Weindorf Manilva, Costa del Sol, bietet immer jährlich Anfang September ein Programm rund um die Weinernte und Tradition des süßen Moscatel-Weines.

Früher, vor dem Immobilienboom, war Manilva ein Dorf, in dem sich Fuchs und Hase gute Nacht sagten, ein kleines weißes Dorf am westlichen Ende der Provinz Málaga. Seine Besonderheit: Es liegt inmitten einer grünen Kulturlandschaft von Weinreben, an denen die Moscateltraube wächst. Dies ergibt zur Weinernte einen bekannten natursüßen Dessertwein, ähnlich dem berühmteren Málagawein. Berühmt auch die großen „Pasas“, die Weintrauben, die auf den Hügeln getrocknet werden.

Heute ist das Grün der Reben auffällig geschrumpft zugunsten vieler leer stehender, ausufernder, oft häßlicher Neubauten, sogenannter Urbanisationen, zergliedert auch durch viele Einzelvillen auf den Feldern. Manilva hat durch die Versiegelung von Landwirtschaftsflächen nur mehr ein Viertel seiner Weinanbauflächen behalten, hat mehr durch die Immobilienblase verloren als durch die Reblaus im letzten Jahrhundert. Zurück ging damit auch ein Zweig der sicheren Arbeitsplätze und Einnahmen. Dafür wird jetzt umso auffälliger gleich eine ganze Woche die Vendimia, die Weinernte gefeiert. Außerdem will man sich verstärkt dem ökologischen Weinanbau widmen.

Rückbesinnung auf die Traubentradition

Auf einem Hügel Manilvas befindet sich das Wein-Zentrum, eine Schule für Weinanbau, das sogenannte Centro de Interpretación Viñas de Manilva. Dort ist ein kleines Heimatmuseum zum Thema der Weinkultur in Manilva untergebracht, die es seit den Römern gibt, wie die lokalen Ausgrabungen beweisen. Teilnehmen kann man auch an Weinproben, durchgeführt von Absolventen der Weinschule. Zur Verkostung kommen fünf Weine, ein Weißwein, ein Rosé, zwei Rotweine und ein süßer Wein.

Eine Jury wählt die besten Produkte jeden Jahres aus dem Angebot der Bauern wie Trauben, Rosinen, Konfitüre, Wein und Liköre und präsentiert die Ergebnisse am dritten September nachmittags nach der Opferzeremonie und der Prozession der Statue der Virgen de los Dolores, der Schmerzensjungfrau Maria, in der Hauptstraße des Dorfes.

Die interaktive Weinwanderung

Der Höhepunkt und etwas ganz Neues ist die eineinhalbstündige Wanderung am 31. August sowie am zweiten September 2011. Jeweils um 10.00 und 18.00 Uhr wird eine interaktive Weinwanderung von eineinhalb Stunden veranstaltet, die vom Dorf durch die Weinhügel bis zur Finca „El Peñoncillo” führt mit Erklärung der Rebentypen, Vorstellung der Initiativen zur Zukunft des Weinsektors und mit Verkostung frischer Trauben, Rosinen und des neuen Weines. Ganz nebenbei ergeben sich auf dieser Strecke immer wieder herrliche Panoramablicke auf die Berge von Ronda und das nahe Mittelmeer.

Zu dieser ereignisreichen Woche wurde extra eine Gesellschaft namens FUNMADES gegründet, deren Abkürzung sich zusammen setzt aus "La Fundación de Manilva para el Desarollo", das heißt Gesellschaft zur Entwicklung von Manilva. Präsidentin dieser neuen Gründung ist die Bürgermeisterin Antonia Muñoz. Sie sorgte allerdings einmal mehr für einen schlechten Beigeschmack und lokales Presseblätterrauschen, als sie "rechtzeitig" vor diesen Veranstaltungen zwei Posten mit nahen Verwandten besetzte. An ihre Schwester vergab sie für 1.900 Euro Gehalt im Monat das Amt für ausländische Residenten, an ihre Schwiegertochter für ein Monatssalär von 1.565 Euro die Stelle der Public-Relations-Direktorin. Die Bürgermeisterin begründete dies damit, dass diese Positionen ihr besonderes Vertrauen benötigten. Auch eine Kehrseite des oft bewunderten spanischen Familiensinns. Costa del Sol eben, wie sie leibt und lebt .

Quellen:

Vorstellung des Programmes zu "Primera Semana Etnográfica de la Vendimia" der Gemeinde Manilva am 17. August 2011.

Dr. Gabriele Hefele, Reinhard Hefele

Dr. Gabriele Hefele - Dr. phil. Gabriele Hefele gewann bereits mit 13 Jahren einen Preis für eine lustige Olympiareportage. Sie schrieb mit 17 ein ...

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