
- Weingut Schneider-Ammerschwihr-Elsass - Claudia Cossé
Die jährliche Weinlese ist ein Höhepunkt für jeden Winzer. Das ganze Jahr wird der Rebgarten sorgfältig gepflegt, um dann im Herbst die Früchte der Arbeit zu ernten. Der Lesestart hängt vom Zustand und Reifegrad der unterschiedlichen Trauben ab und wird jedes Jahr neu festgelegt.
Lesestart 2010: zwei Wochen später als 2009
In diesem Jahr wurde das Datum auf den 14. September 2010 für die Crémant-Trauben gelegt; ab 1.10. für die Trauben der Stillweine und am 5. Oktober für die Grand Cru Lagen. Die Prevendange (Vorlese) beginnt mit den Trauben, die für den Crémant verwendet werden, da diese dann das beste Gleichgewicht für die aufwendige Bereitung eines Crémant d'Alsace aufweisen. Dies können verschiedene Sorten sein, wie z.B. Pinot Blanc, Auxerrois, Chardonnay, Pinot Noir, aber auch Riesling und Pinot Gris. Die Trauben für die Crémantbereitung sowie die Trauben der 51 Grand Cru Lagen dürfen im Elsass ausschließlich von Hand gelesen werden. Die Handlese ist zwar zeit- und kostenintensiv, erlaubt dem Winzer jedoch eine wesentlich bessere Selektion des Lesegutes schon im Rebgarten. Hinzu kommt, dass im Elsass eine Vielzahl von Trauben angebaut werden, die ganz unterschiedlich auf die klimatischen Bedingungen reagieren. Die Weissweine: Sylvaner, Chasselas, Pinot Blanc, Auxerrois, Muscat, Pinot Gris, Riesling, Gewürztraminer und die einzige Rotwein-Traube Pinot Noir. Insbesondere in Jahren, in denen das Wetter die Trauben sehr unterschiedlich hat reifen lassen, ein wichtiger Faktor für die Qualität des Weines.
Weinlese - Einsatz für die ganze Familie
Viele der Winzer im Elsass, die durchschnittlich ca. 10 ha bewirtschaften, bringen ihre gesamte Lese per Hand ein. Für diese Zeit ist der Winzer auf die Hilfe der gesamten Familie angewiesen. Viele nehmen sich in dieser Zeit frei, um in der Lese zu helfen. Aber auch viele Pensionäre bessern so ihre Rente auf und nutzen die Tage der Weinlese zu einem ausgiebigen Austausch unter Freunden. Die Arbeit ist zwar anstrengend, aber dennoch wird die Zeit genutzt, um ausgiebige Gespräche über den Wein und die Politik zu führen. Im Elsass werden die meisten Lesehelfer auch sehr gut verpflegt. Vom zünftigen Imbiss direkt im Weinberg bis hin zum ausgiebigen Mittagessen mit den Klassikern der herzhaften Elsässer Küche, werden die Lesehelfer bei Laune gehalten. Nach getaner Arbeit am Abend trinkt man zum Abschluss noch ein Glas Wein und fachsimpelt über die verschiedenen Trauben.
Der Mai 2010 war zu kalt
Ende der Hauptlese zeichnet sich schon ab, dass es 2010 ca. 40 Prozent weniger Lesegut zu verarbeiten gibt. Der zu kühle Mai hat vielen Reben in der Blütezeit geschadet. Je nach Lage sind einige Trauben gar nicht reif geworden oder hatten zu viel Fäulnis. Neben dem nicht zu beeinflussenden Wetter, haben auch die Elsässer Winzer noch einen natürlichen Feind: das Wildschwein. Einige Rebreihen wurden bereits vor dem Lesestart von den verfressenen Schwarzkitteln gelesen. Kein Wunder also, dass die französischen Winzer immer mal wieder versuchen das Militär für die Wildschweinjagd zu gewinnen. Auch die deutschen Winzer meldeten dieser Tage, dass es seit 25 Jahren nicht so wenig Lesegut gab wie in diesem Jahr. Dies wird sich unter Umständen auf die Weinpreise für den Jahrgang 2010 auswirken. Mit der Qualität des Lesegutes sind die Meisten jedoch zufrieden.
