
- Weinkeller in Heiligenbrunn - Gabriele Hefele
Zum Burgenland fällt einem zuerst der Neusiedler See ein, älteren Semestern vielleicht noch der schlimme Weinskandal mit Glykol verpanschtem Wein in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Der Neusiedler See ist tatsächlich ein Juwel im Norden des Burgenlandes, der einzige Steppensee in Mitteleuropa, der Touristen in Massen anzieht. Der Glykolskandal ist lang vergessen und das Burgenland hat viel für seinen Wein getan. Freunde des Austria-Pop aber erinnern sich sicher noch an das populäre STS-Lied: „I wü wieda hoam nach Fürstenfeld“. Das dadurch berühmt gewordene kleine Städtchen Fürstenfeld liegt nämlich im Burgenland an der Grenze zur Steiermark. Wenn man die Anreise nicht über Wien sondern über Graz wählt, dann kommt man zwangsläufig über Fürstenfeld, das noch richtig gemütlich wirkt.
Gemütliches und sonniges Urlaubsparadies für Wanderer, Biker, Camper
Gemütlich ist ein Wort, das sich einem immer wieder bei einer Tour durchs Südburgenland aufdrängt. Das Südburgenland ist eine Oase für Ruhesuchende, Wanderer, Biker. Für letztere mit herrlich flachen Güterwegen. Es gilt außerdem als Camping-Paradies mit einem milden Klima bis in den Herbst hinein: Das Burgenland zählt zu den sonnigsten Teilen Mitteleuropas.
Nur zur Weinlesezeit und zum Heurigenausschank mit Brotzeit, Tanzmusik und Grillfesten geht es etwas lauter zu, beispielsweise in den berühmten Weinkellern rund um Heiligenbrunn, das man von Fürstenfeld über Heiligkreuz erreicht. Mit Keller sind hier Holzblockbauten über der Erde gemeint, die nach einem Jahrhunderte alten Verfahren erst mit Lehm beworfen und dann gekalkt werden und strohgedeckt sind. Diese Weinkeller befinden sich direkt an den Weinhügeln und Rebenfeldern und halten den Wein in Holzfässern schön kühl. Heiligenbrunn liegt nicht nur in einem Landschaftsschutzgebiet mit Kastanien- und Apfelhainen, es ist eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler dieser Art, mit über 100 dieser Keller, zum Teil über 200 Jahre alt. Sie sind oft noch eingerichtet mit alten riesigen Baumpressen.
Entlang der Pinkataler Weinstraße
Die Pinkataler Weinstraße beginnt bei Moschersdorf mit seinem Freilichtmuseum, das allerlei bäuerliches Arbeitsgerät ausstellt. Es ist nicht das einzige Museum dieser Art, dass diese Straße säumt, die parallel zur ungarischen Grenze durch das pannonische Weinbaugebeit führt mit ihren berühmten Wasserburgen und Renaissance-Schlössern. Sie gaben diesem österreichischen Bundesland zu Recht seinen Namen. Über Eberau, Burg, Rechnitz, Oberwart, Stegersbach bis Güssing kann man so eine Rundtour bilden.
Immer wieder bieten Bauern am Straßenrand nicht nur Trauben und ihren vergorenen Saft an, sondern auch ihre selbst gebrannten Obstschnäpse. Besonders bekannt und begehrt sind der Marillenschnaps aus Aprikosen, der Obstbrand aus Rigotten, das sind die kleinen gelben Pflaumen und vor allem der Burgenländer Calvados. Den dürfen die Bauern aber nicht mehr so nennen, seit die französischen Schnapsbrenner dagegen intervenierten, sondern müssen es bei Apfelschnaps belassen. Der wird bei Schnapsverkostungen, die gang und gäbe sind in dieser Gegend, großzügig ausgeschenkt. Dazu gibt es hausgemachte "Grammelpogatschen", ein köstliches und deftiges Schmalzgebäck, die ideale Grundlage für dieser Art Veranstaltungen.
