Das Maiglöckchen - Convallaria majalis, so sein botanischer Name - ist eine Freude für die Augen und wohlriechend für die Nase. Jean Paul schrieb über das Maiglöckchen: Weißes Glöckchen mit dem gelben Klöppel, warum senkst du dich? Ist es Scham, weil du bleich wie Schnee früher die Erde durchbrichst als die große und stolze Farbenpracht der Rosen? Oder senkst du dein weißes Herz vor dem gewaltigen Himmel, der die neue Erde auf der alten erschafft, oder vor dem stürmenden Mai? Und Hoffmann von Fallersleben dichtete: Nun hält's auch mich nicht mehr zu Haus / Maiglöckchen ruft auch mich. / Die Blümchen geh'n zum Tanze aus, / zum Tanzen geh' auch ich! - Man sieht, diese kleinen weißen wohlriechenden Glöckchen verzaubern Geist und Sinne.

Weniger schwärmerisch gesehen ist das Maiglöckchen eine krautige Pflanze, die 15 bis 25 Zentimeter hoch wird. Die weißen, glockenförmigen Blüten (5 bis 13 Stück) trägt die Pflanze in einer endständigen, langgestielten Traube. Maiglöckchen sind giftig. Sie enthalten stark herzwirksame Glycoside. Maiglöckchen wachsen vorwiegend in Laubwäldern, mögen Halbschatten und warmen, humusreichen Boden. Sie sind aber auch Zierpflanzen in heimischen Gärten. Maiglöckchen stehen unter Naturschutz. Das Ausgraben und Pflücken der Pflanzen in freier Natur ist verboten.

Die Herkunft des Maiglöckchens liegt im Dunklen

Keiner weiß so genau, wann das Maiglöckchen Einzug in die heimischen Gärten hielt. In Karls des Großen Landgüterverordnung, der Capitulare de villis, ist es nicht verzeichnet. Und auch in den mittelalterlichen Klostergärten wurde es nicht angebaut. In den Gartenbüchern des 16. Jahrhunderts dann wird es als Gartenpflanze erwähnt, und die Kräuterbücher jener Zeit berichten das erste Mal von den Wirkungen des Maiglöckchens. Hieronymus Bock (Botaniker 1498-1554) empfiehlt "Meyenblumen“ bei Schwindel, Fallsucht und bei Augenleiden. Auch die herzstärkende Wirkung der Pflanze war damals schon bekannt. Tabernaemontanus (Botaniker und Mediziner 1522-1590) schreibt der Pflanze allerlei Heilkraft zu. So soll sie bei Ohnmacht, verlorener Sprache, Gicht sowie bei Entzündungen und Geschwüren und allerlei Krankheiten mehr helfen.

Maiglöckchen und ihre Symbolik

Es heißt, Maiglöckchen seien aus den Tränen der Mutter Maria entstanden, die sie unter dem Kreuz vergossen hat. So gehören sie zu den Marienblumen, wie auch etwa die Lilie, die Rose oder das Veilchen. Ihre weiße Farbe symbolisiert die Unschuld und Reinheit und steht für Demut und Bescheidenheit. Maiglöckchen stehen aber auch für erwachende Liebe, ihre grünen Blätter für Hoffnung. So verwundert es nicht, dass die duftenden weißen Blümchen gerne in Brautsträuße gebunden werden. Auf alten Gemälden sieht man die Blume oft in den Händen von Märtyrern, denn sie steht auch für tödliches Schicksal. Als Symbol für die Heilkunde fungierte die Blume ebenfalls. So hat sich beispielsweise Kopernikus mit einem Maiglöckchen in der Hand abbilden lassen. Maiglöckchen waren überhaupt ein beliebtes Motiv bei den Malern der Renaissance. Etwa auf dem Gemälde "Paradiesgärtlein“ von einem unbekannten Meister aus dem 15. Jahrhundert.

Maiglöckchenduft

Mit den wohlriechenden Maiglöckchen wird so mancher Maifeiertag begangen. In Frankreich ist es heute noch Brauch, am ersten Mai auf der Straße Maiglöckchensträuße als Glücksbringer zu verkaufen oder auch zu verschenken. So heißt der erste Mai auch "jour de muguet - Maiglöckchentag“. Den süßen Duft des Maienblümchens kennt wohl jeder. Er bildet sich in der Blüte, wo er sich als ätherische Öle schnell verflüchtigt. Man gewinnt die ätherischen Öle durch Pressen, Destillatiion, Extraktion und kann sie dann für Parfümkompositionen verwenden. Anfang des 20. Jahrhunderts war Parfüm mit Maiglöckchenduft sehr beliebt. Kaiserin Josephine hat diesen Duft gerne benutzt. Neuerdings ist diese Duftvariante wieder in Mode, und so steht er bei den Parfümeuren ganz oben bei ihren Kreationen.

Quellenangabe: