
- Spirit Bear im Great Bear Rainforest - Spirit Bear Adventures, CTC
"Spirit Bears" - Geisterbären - so nennen die Einheimischen die weißen Bären, die in kaum zugänglichen Regionen an der Nordküste British Columbias leben, ein passender Name, denn diese Bären sind seltener als die Pandabären in China, und kaum jemand sieht sie je in freier Natur. Andere tauften sie Kermode Bären nach dem Zoologen Francis Kermode, der sie Anfang des 20. Jahrhunderts im Auftrag des British Columbia Provincial Museums zum ersten Mal in freier Wildbahn erforschte. Es gibt diese geheimnisvollen Bären ausschließlich an der Nordküste British Columbias in Urwald-Regionen, die nur schwer erreichbar sind.
Die legendären weißen Bären von Princess Royal Island
Ursus americanus "kermodei", die Geisterbären, leben in einem Küstenabschnitt im Herzen des Great Bear Rainforest, einer Regenwaldzone, die gut fünfhundert Kilometer nördlich von Vancouver und zweihundert Kilometer südlich von Prince Rupert an der wilden Küste British Columbias liegt. Zu erreichen ist dieses Gebiet nur per Wasserflugzeug oder mit dem Boot. Hier liegt die kleine Insel Princess Royal Island, die heute unbewohnt ist. Früher gab es an ihrem Ufer eine Siedlung der Tsimshian Indianer, die aber längst verlassen ist. Und so gehört der Regenwald im Inneren der Insel zu den wahrscheinlich unbekanntesten Regionen im Urwald an der Westküste Kanadas.
Diese einsame Insel ist die Heimat der weißen Bären, die - im Gegensatz zur Ansicht vieler - keine Albinos und erst recht keine Polarbären sind. Spirit Bears sind vielmehr Schwarzbären, deren Fell eine außergewöhnlich helle bis weiße Farbe hat. Beide Elternteile eines weißen Bären müssen ein besonderes Gen besitzen, damit ihr Nachwuchs die auffällig helle Fellfarbe bekommt. Übrigens - auch "normale" Schwarzbären haben nicht unbedingt ein schwarzes Fell. Es gibt sie in allem möglichen Fellschattierungen von braun, blond, zimtfarben, rötlichbraun, rauchgrau und eben - weiß.
Man findet die weißen Bären vor allem auf den Inseln im Douglas Channel, einem Nebenarm der Inside Passage, und dort hauptsächlich auf Princess Royal Island und auf Gribbell Island. Ihr Lebensraum umfasst eine Gesamtfläche von annähernd 7,2 Millionen Hektar in der Region zwischen Bella Coola und Stewart im Norden und bis ins Landesinnere ins Gebiet von Hazelton, Terrace und Kitimat. Weiße Bären wurden sogar schon in der Umgebung der Liard River Hot Springs gesichtet, fast an der Grenze zum Yukon Territorium.
Moskgm'ol - die weißen Bären der Tsimshian Indianer
Die Kitasoo Xaixais, eine Gruppe der Tsimshian, teilen sich schon seit Tausenden von Jahren den Lebensraum mit diesen Bären. Sie erzählen davon, dass "der Rabe einen von zehn Bären weiß schuf, um die Menschen an die Zeit zu erinnern, als Gletscher dieses Land bedeckten, und dass sie dankbar sein sollen für die heutige Fruchtbarkeit und den Wohlstand des Landes." Viele der Kitasoo Xaixais schreiben den Geisterbären, die sie "Moskgm'ol" nennen, übernatürliche Kräfte zu - daher der Name "Spirit Bear" - ein Name, der gut zu ihrer mystischen Erscheinung passt.
Bären-Schutzgebiet in der Kitasoo Spirit Bear Conservancy
Wissenschaftler schätzen, dass weniger als vierhundert dieser Kermode Bären in dem Küstenabschnitt zwischen der Nordspitze von Vancouver Island bis hinauf nach Alaska leben. Auf Princess Royal Island gibt es etwa 120 Tiere.
Seit 1990 kämpfen die Kitasoo XaiXais und die Gitga'at First Nations darum, ein Schutzgebiet für die scheuen weißen Bären an British Columbias Zentralküste zu schaffen. Zusammen mit der Valhalla Society und der Provinz British Columbia wurde schließlich ein Küstenstreifen von einer Fläche von mehr als 200.000 Hektar zum geschützten Lebensraum für die Bären deklariert. Die Kitasoo Spirit Bear Conservancy umfasst die Ufer des Canoona River, ein Gebiet am Südufer von Princess Royal Island und einen dreißig Kilometer langen Fjord, der von der Insel landeinwärts reicht.
Spektakuläre Fjordlandschaften, Berge und Täler reich an Lachsen und Bären erstrecken sich entlang der Festlandküste. Intakter Regenwald, entlegene Buchten und wilde Küstenabschnitte sind die Heimat für etwa 120 Geisterbären, 1200 Schwarzbären und ein Jagdgebiet für Wölfe mit einem Rotwildbestand von bis zu 16.000 Tieren.
Auf den Spuren der Geisterbären durch den Regenwald von British Columbia
Es ist nicht einfach, die weißen Bären zu beobachten - kein Wunder bei ihrer geringen Anzahl. Die besten Chancen dafür hat man auf Princess Royal Island oder während einer Spirit Bear Quest Tour, einer Bärenbeobachtung, die in Vier- und Sieben-Tage-Paketen angeboten werden von Spirit Bear Adventures, Box 401, Klemtu, B.C., Canada, V0T 1L0, Tel. (250) 839-2346, Fax. (250) 839-1256.
Quelle: Canadian Tourism Commission und eigene Recherchen
Es gibt noch andere Stellen an der Westküste Nordamerikas, an denen man Bären beobachten kann. Dort handelt es sich allerdings um Braunbären wie zum Beispiel die Kodiakbären im Katmai National Park.
