Weiße Schweizer Schäferhunde

Weiße Schweizer Schäferhunde - Peter von Döllen
Weiße Schweizer Schäferhunde - Peter von Döllen
Lange Zeit führten die Weißen Schweizer Schäferhunde ein Schattendasein. Inzwischen anerkannt, wird die Rasse zunehmend beliebter.

Mit der Rasseanerkennung durch die FCI gelangten die Weißen Schweizer Schäferhunde in das Rampenlicht der Kynologie. Plötzlich waren sie auf Ausstellungen zu sehen, Hundezeitschriften präsentierten die Rasse und das allgemeine Interesse an dieser seit Jahrzehnten rein gezüchteten, attraktiven und natürlich gebliebenen Rasse wurde riesengroß.

Weisser Schweizer Schäferhund oder Deutscher (weißer) Schäferhund?

Der Weiße Schäferhund, der seinen Zusatz „Schweizer“ durch die Rasseanerkennung erhielt, da die Schweiz das Patronat für die Rasse übernahm, war ursprünglich eine Farbvariante des Deutschen Schäferhundes. Dort wurde die Farbe in den 30er Jahren aus dem Standard gestrichen. Doch es fielen weiterhin Schäferhunde in weißer Farbe. Amerikanische und kanadische Züchter nahmen sich dieser Variante an, daher ist der Rassename Amerikanisch-Canadisch Weißer Schäferhund bisweilen geläufiger als die neue Rassebezeichnung.

1967 kam ein weißer Rüde namens „Lobo White Burch“ mit seiner Besitzerin Agatha Burch aus den USA in die Schweiz. Aus der Verpaarung mit der englischen Hündin (White Lilac of Blinkbonny) im Jahre 1973 entstammt der erste „offizielle“ Wurf Weißer Schäferhunde in Europa. In Deutschland fiel der erste Wurf 1981 in Martin Faustmanns Zuchtstätte „von Ronanke“. Die Eltern dieses Wurfes waren Champion von Kron (ein Enkel von Lobo und Lilac) und Rani von Finn. Fast zeitgleich wurden weitere Hunde aus Kanada und den USA importiert, hauptsächlich aus den Zuchtstätten „Shermans“ und „Hoofprint“. Da die Zucht noch sehr jung ist, lassen sich die meisten deutschen Ahnentafeln bis zu diesen Hunden zurückverfolgen.

Es folgte eine sehr unruhige Zeit der Rassegeschichte. Es bildeten sich Zuchtvereine mit mehr oder weniger strenger Zuchtkontrolle, in denen jedoch grundsätzlich ausschließlich mit der Farbe „weiß“ gezüchtet wurde. Es folgte in einigen europäischen Ländern die nationale Anerkennung der Rasse und 2003 die vorläufige, im Jahr 2011 die endgültige Anerkennung als eigenständige Rasse durch die FCI. Dies ist die logische Konsequenz aus einer jahrelangen, vom Deutschen Schäferhund getrennten Rassezucht, die sich sowohl anatomisch als auch charakterlich in eine andere Richtung entwickelt hat.

Aussehen und Charakter der Weißen Schäferhunde

Es gibt zwei Haarvarianten, das kurze Stockhaar und das längere Langstockhaar. Beide zeichnen sich durch sehr viel Unterwolle aus. Die Hündinnen werden zwischen 55 und 60 cm groß, die Rüden zwischen 60 und 66 cm.

Da die Zucht lange Zeit in Eigeninitiative einiger Vereine erfolgte, waren auch die Zuchtreglementierungen sehr unterschiedlich. Die Ängstlichkeit, die viele Hunde der Anfangszeit aufwiesen, wurde nur in wenigen Vereinen als Problem erkannt und bekämpft. Das Bild des ängstlichen Weißen Schäferhundes ist noch in vielen Köpfen von Ausbildern vorhanden. Der Weiße Schweizer Schäferhund hat jedoch auch im charakterlichen Bereich eine große Wandlung durchgemacht. Die heutigen Hunde aus guter, kontrollierter Zucht sind meist selbstbewusst und stehen mit allen vier Pfoten im Leben.

Die Weißen Schäferhunde sind extrem anhänglich und binden sich stark an „ihre“ Menschen. Das ist für die Erziehung vorteilhaft, denn sie wollen gefallen und sind schnell für jede Tätigkeit zu begeistern. Mit liebevoller Konsequenz lässt sich ein Weißer Schäferhund zu einem Familienmitglied erziehen, das sich problemlos in den Alltag integriert und gleichzeitig den sportbegeisterten Familienmitgliedern ein wertvoller Partner ist.

Weiße Schäferhunde: Familienhunde oder Extremsportler?

Die Entwicklung der Rasse geht in zwei vollkommen unterschiedliche Richtungen. Ursprünglich war die Rasse als reiner Familienhund ausgerichtet, die durch Anhänglichkeit, Anpassungsvermögen und Leichtführigkeit Eigenschaften aufwies, die sich auch in einen hektischen Familienalltag integrieren ließen. Mehr und mehr sind jedoch Tendenzen zur Entwicklung Sporthund, gerade in der FCI-Zucht, erkennbar. Das Zuchtziel wird häufig als „Allrounder“ bezeichnet: Ein Hund, der sich für alle Lebenslagen eignet. Die Realität zeigt oft einen Hund, der in die Fußstapfen des Deutschen Schäferhundes tritt und somit die Eigenständigkeit und Individualität der Rasse wieder in Frage stellt.

Zurzeit gibt es, je nach Zuchtlinie, sehr unterschiedlich veranlagte Hundetypen, beginnend bei sehr ruhigen, gelassenen Vertretern bis hin zu extrem bewegungsfreudigen, sportlichen Typen. Alle haben eines gemeinsam: Auslastung bedeutet bei Weißen Schäferhunden mehr als zwei Spaziergänge pro Tag. Körperliche und mentale Auslastung können über eine Hundesportart erfolgen oder durch entsprechende Beschäftigung, zum Beispiel durch Suchspiele im mentalen und ausgedehnte Radtouren im körperlichen Bereich. Eine Eignung zum Hundesport bringt der Weiße Schäferhund allemal mit, wobei nicht so sehr das Was im Vordergrund steht, sondern die gemeinsame Beschäftigung, die gleichzeitig bindungsfördernd ist.

Auch im sozialen Bereich gibt die Rasse durch ihren starken Bezug zum Menschen ein gutes Bild ab. Viele Hunde werden bereits im Besuchs- und Therapiebegleitbereich, als Mantrailer oder Rettungshunde ausgebildet und eingesetzt.

Zucht und Züchterauswahl

Zwei Vereine sind dem VDH (Verein für das Deutsche Hundewesen) angeschlossen, der Mitglied der FCI ist. Der Bundesverein für Weiße Schweizer Schäferhunde (BVWS) und der Rassezuchtverein für Weiße Schweizer Schäferhunde (RWS). Die Züchter haben über die eigenen Zuchtordnungen des VDH und ihres Vereins Auflagen, die die gesundheitliche und charakterliche Entwicklung der Rasse garantieren sollen. So sind hier Untersuchungen auf Hüft / Ellenbogengelenksdysplasie (HD / ED) und MDR-1-Defekt ebenso vorgeschrieben wie eine D N A Einlagerung und ein Wesenstest. Neben der Sympathie zum Züchter, dem Aussehen und Verhalten der Hunde in der Zuchtstätte sollten auch die Vorschriften des jeweiligen Zuchtvereins und deren Durchsetzung vom Welpenkäufer kritisch hinterfragt und diskutiert werden. Interessenten haben, in der Gesamtheit gesehen, einen großen Einfluss auf die Zucht, daher kann es der Rasseentwicklung nur förderlich sein, wenn Welpenkäufer nicht „nur“ einen Hund kaufen, sondern sich ernsthaft mit der Thematik auseinandersetzen.

Fazit

Die Weißen Schweizer Schäferhunde sind extrem attraktive Hunde, deren Auftreten fast immer mit Aufmerksamkeit verbunden ist. Als Prestigeobjekt eignen sie sich absolut nicht, denn sie wollen beschäftigt und ausgelastet werden. Gerade bei dieser Rasse ist das mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden. In einem Haushalt mit „Bewegungsallergikern“ werden entweder diese vom Hund bekehrt oder der Hund wird ein unglückliches, unausgelastetes Leben fristen und vermutlich Unarten entwickeln. Bei der Auswahl des Züchters sollte neben den üblichen Kriterien auf den Charakter der Elterntiere und die Prägung der Welpen beim Züchter großer Wert gelegt werden. Unsichere, scheue oder gar ängstliche Hunde sind kein Wesensmerkmal der Rasse, sondern Zeichen schlechter Auswahl der Zuchttiere oder mangelnder Zuwendung.

Quellen:

von Döllen: "Weiße Schweizer Schäferhunde", Cadmos-Verlag 2010

Vorstandsarbeit im Bundesverein für Weiße Schweizer Schäferhunde von 2004-2011

Interview mit Agatha Burch, Besitzerin von "Lobo White Burch"

Weiterführende Links:

Weisse Schweizer Schäferhunde

Gaby von Döllen, Copyright: Peter von Döllen

Gaby von Döllen - geboren 1964 in Bremen verheiratet, 2 Töchter. Zur Familie gehören außerdem ein Weißer Schäferhund und eine ...

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