Großeltern und Enkelkinder – eine wichtige Beziehung. Wichtig, weil es die familiären Bande stärkt. Wichtig, weil die Generationen sich kennen lernen. Und wichtig für viele Familien auch aus praktischen Gründen: Die Großeltern springen ein, wenn die Eltern arbeiten, gehen mit den Kleinen zum Spielplatz, springen abends als Babysitter ein und wenn die Enkel krank sind. Nur: Was ist, wenn das alles nicht so einfach geht? Wenn Oma und Opa weit weg wohnen, ihre Enkel nur selten sehen können? Ist eine Beziehung dann überhaupt möglich? Die klare Antwort: Ja.
Fotos über dem Wickeltisch
Natürlich sollten sich Enkel und Großeltern ab und zu sehen. Aber: Wichtig ist nicht allein die räumliche Nähe – sondern die innerliche. Und diese gilt es zu fördern. Das fängt schon an, wenn die Kinder noch ganz klein sind - zum Beispiel über Fotos. Wenn die Eltern etwa über dem Wickeltisch eine kleine Bildergalerie aufhängen, dem Kleinen immer wieder erzählen: „Guck mal, das sind Oma und Opa“ – dann wird in jedem dieser Momente ein Bezug hergestellt. Ebenso, wenn die Eltern häufig von den Großeltern erzählen und dadurch klar machen: „Diese Menschen sind wichtig für uns – und wichtig für die ganze Familie.“ Die Kinder spüren diese innerliche Verbundenheit auch schon, wenn sie noch klein sind.
Telefonieren mit Oma und Opa
Bei einem Telefonatgespräch kann durchaus der Lautsprecher eingeschaltet werden – dann hört auch das Kind die Stimmen und wird vertraut mit ihnen. Später, wenn es schon ein paar Worte sprechen kann, darf es natürlich selbst mit Oma und Opa telefonieren, den Hörer selbst in die Hand nehmen – das finden Kinder spannend, und es macht sie ein bisschen stolz. Am besten wird dann allerdings ebenfalls der Lautsprecher eingeschaltet, damit die Eltern gegebenenfalls „übersetzen“ oder moderieren können. Das Kind fühlt: Oma und Opa sind da, haben Interesse, sie sind eben nicht „weit weg“.
Feste Rituale
Ideal ist es, wenn sich im Laufe der Zeit feste Rituale zwischen Großeltern und Enkeln entwickeln. Das kann zum Beispiel sein, dass der Opa immer die Holzeisenbahn auspackt, wenn der Enkel zu Besuch kommt. Die Eltern sollten dann nicht den Fehler machen, auch eine Holzeisenbahn für zu Hause zu kaufen, weil sie beim Kind so beliebt ist – die Eisenbahn sollte auf jeden Fall das Privileg des Großvaters bleiben. Dann hat das Kind etwas, auf das es sich besonders freut – und an das sich weitere Kontakte knüpfen lassen. Denn: Alle Kinder freuen sich, wenn sie selbst Post bekommen.
Ein Brief von Opa
So kann der Großvater nach einem Besuch Bilder von Eisenbahnen aus der Zeitung ausschneiden, Fotos von Zügen machen oder Postkarten besorgen – und diese an den Enkel schicken. Der wird sich freuen – und der Bezug ist wieder da. Als Dankeschön kann der Kleine dann wiederum einen Zug malen und an Opa schicken. Dasselbe lässt sich natürlich auch auf alle anderen Interessen übertragen: Ein Kind, das gerne Musik hört und tanzt, bekommt eine Kassette mit schöner Kindermusik zugeschickt – und immer, wenn es „Omas Musik“ hört, ist diese präsent.
Die Verbindung aktiv unterstützen
Wichtig ist aber bei alldem, dass Eltern und Großeltern diesen Beziehungsaufbau bewusst und gezielt unterstützen – und zwar in beide Richtungen. Mutter und Vater sollten ihre Eltern durch Kinder-Fotos und Erzählungen auf dem Laufenden halten – und ihnen so die Chance geben, auch bildlich und inhaltlich an der Entwicklung teilzunehmen. Auch die Anschaffung von kostengünstigen Webcams, also Kameras am Computer, die beim Telefonat Bilder übertragen, können eine gute Möglichkeit für den lebendigen Kontakt sein.
Gemeinsame Erlebnisse fördern die Beziehung
Und wenn dann wirklich ein Besuch ansteht, sollten sich alle viel Zeit nehmen – ideal ist es, wenn Oma und Opa dann auch allein etwas mit den Enkeln unternehmen. So können sie ihre ganz eigenen Erfahrungen machen, haben ihre eigenen Erlebnisse. Und die sind oft sogar intensiver, als wenn man sich jede Woche eine Stunde zum Kaffee trifft.
