Weiterer Akt im Streit an der UDE eröffnet

Aktuell sind die Aussichten weniger sonnig - KKC  - Martin Radespiel
Aktuell sind die Aussichten weniger sonnig - KKC - Martin Radespiel
Jan Bauer und Borislav Schön verkauften vergangene Woche das KKC an das Studentenwerk.

Der Streit innerhalb der studentischen Selbstverwaltung an der Universität Duisburg-Essen (UDE) geht in eine weitere Runde. Nachdem am 25.01.2012 der Öffentlichkeitsreferent Jan Bauer auf dem Wege des konstruktiven Misstrauensvotums aus dem Amt gewählt wurde und es schien, als würde zeitnah Ruhe einkehren, platzte die nächste Bombe: Das Kunst und Kultur Café (KKC) soll von Bauer und dem ehemaligen Finanzreferenten Borislav Schön an das Studentenwerk übertragen worden sein. Das Studentenwerk bestätigte auf Anfrage, dass die Studentenkneipe mitsamt der AStA-Service GmbH, welche dieses betreibt, für 25.000€ an das Studentenwerk verkauft worden sei. Heißt ebenfalls: Lediglich die Bareinlage für die AStA-Service GmbH ist im Kaufpreis enthalten – der gastronomische Betrieb mitsamt Inventar, wie auch die Immobilie selbst wurden verschenkt.

Die Bedeutung des KKC und dessen Verkauf

Problematisch wird der Verkauf betrachtet, da das KKC als studentischer Freiraum gilt und als solcher auch hart erkämpft wurde. Um den Betrieb in seiner Form zu erhalten, hatte die Studierendenschaft sogar einst prozessiert und gewonnen. Die Gaststätte entwickelte sich somit auch zum Symbol einer starken Studierendenschaft, die ihrer eigenen Räume bedarf und diese notfalls verteidigt. Dass dies in den vergangenen Jahren wenig genutzt und oftmals Veranstaltungen von Externen in den Räumen stattfanden, wird dabei freilich gerne ausgeblendet.

Ebenfalls wird moniert, dass der Verkaufsmoment anrüchig wirke. Notariell beglaubigt wurde der Vertrag nämlich weniger Stunden, bevor das Studierendenparlament zusammentrat und die beiden Referenten aus ihrem Amt wählte. Borislav Schön war zu diesem Zeitpunkt bereits nur noch kommissarisch tätig, da seine Wiederwahl als rechtswidrig gilt. Schön war zum Zeitpunkt seiner Wiederwahl im Sommer 2010 bereits kein Student der Universität Duisburg-Essen mehr.

Die ewige „Casa Bauer“

Weiterhin wird bemängelt, dass Bauer bereits seit Monaten in der Kritik steht. Er ist mutmaßlich einer jener aktiven AStA-Referenten, gegen welche ein Ermittlungsverfahren wegen Korruption, Untreue und Betrug bei der Staatsanwaltschaft Essen anhängig ist, für Schön gilt das gleiche. Bauer machte zudem Schlagzeilen, als er eine Wahlurne entwendete. Die Diskussion um einen Verkauf des KKC scheint jedoch bereits länger zu schwelen, so sagte Petra Karst, Öffentlichkeitsreferentin des Studentenwerks, dass Der Übertragung schon eine längere Diskussion mit Herrn Bauer voraus“ gegangen sei. Außerdem habe der Geschäftsführer des Studentenwerks, Jörg Lüken, letztmalig im Dezember mit dem AStA Kontakt gehabt. Außerdem sei schon oftmals im Verwaltungsrat über das Thema gesprochen worden.

Zur Vorgeschichte des Verkaufes lässt sich jedoch zu diesem Zeitpunkt beinahe nichts sagen, die Beteiligten schweigen bzw. sind nicht erreichbar. So wollte auch das zweite Mitglied im Verwaltungsrat des Studentenwerks, Robin Rengers, sich nicht zu etwaigen Aussprachen während der Sitzungen äußern. Das Studentenwerk selbst ließ wissen, dass die Sitzungen Nicht-Öffentlich seien, die Protokolle entsprechend unter Verschluss blieben.

Neue Erkenntnisse und Gerüchte im Zuge des Verkaufs

Im Zuge des Verkaufs des Cafés und der AStA-Service GmbH treten dabei immer neue Informationen ans Tageslicht, welche vorher der Öffentlichkeit nicht bekannt waren und die bisherige Führung des Unternehmens in ein schlechtes Licht rücken. So gab es neben dem Posten der Geschäftsführung der AStA-Service GmbH noch zwei weitere Posten als Betriebsleiter. Auf dieser Ebene wurde das Tagesgeschäft vollständig abgewickelt.

Auch gelangten Gerüchte in Umlauf, wonach die Nebenkostenabrechnung des KKC nicht nachvollziehbar sei. In diesem Zuge wurden Vermutungen geäußert, über den Zähler des KKC liefen die AStA-Büros, wie auch die gesamte Essener Mensa mit. Sicher ist, dass das KKC seine Stromrechnungen immer über eine Jahrespauschale an die Universität zahlte und nie eine eigene Abrechnung bekam.

Der Auftakt einer langen Kakophonie

Die Debatte um den Verkauf von Betrieb und GmbH wird sich sicher noch lange hinziehen, wie beinahe alles, was im Kontext der Streitigkeiten innerhalb der studentischen Selbstverwaltung an der UDE steht. Aufwendig wird es dabei sein, das Thema der eigentlichen Probleme aus der Kakophonie der unterschiedlichen und sich oftmals widersprechenden Äußerungen heraus zu synthetisieren. Die Geschichten über Skandale rund um das KCC sind beinahe so alt, wie es die Kneipe selbst ist. Dass sie in den vergangenen Jahren unter Borislav Schön schlecht geführt wurde, das zeigt schon der immer weiter steigende Jahresfehlbetrag. Welche Gründe und Ursachen dieser Geschäftsführung zu Grunde liegen, wird sich erst im Laufe der Aufarbeitung zeigen. Dass mit dem Kaufvertrag dieses Kapitel jedoch beschlossen sei, lässt sich ausschließen. Vielerseits wird der Vertrag als nichtig erachtet, da sowohl Schön, als auch Bauer, nicht berechtigt gewesen seien, diesen zu unterzeichnen. Manche glauben gar, die Hochschule selbst stecke mit in dem anrüchigen Geschäft. Was davon wahr und was einmal wieder nur Erzählung ist, wird sich dabei über die nächsten Monate klären.

Daniel , D.L.

Daniel Lucas - Daniel Lucas ist Student der Germanistik und Philosophie an der Universität Duisburg-Essen. Seine publizistische Tätigkeit umfasst im ...

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