Wenn man träumt, träumt man dann in Schwarz-Weiß oder in Farbe? Die meisten Menschen geraten ins Grübeln, wenn sie mit dieser Frage konfrontiert werden. Doch in der Regel gelingt es ihnen nicht, eine Antwort zu finden. Ganz ähnlich ist es lange auch der Wissenschaft ergangen. Doch vor kurzem ist man der Lösung des Rätsels ein großes Stück nähergekommen.
Nach den Erkenntnissen der britischen Psychologin Eva Murzyn (Universität Dundee) gibt es nämlich einen simplen Umstand, der darüber entscheidet, ob im Traum nur Grautöne oder das gesamte Farbspektrum erlebt wird: Ob man mit dem Schwarz-Weiß-Fernseher oder mit dem Farbfernseher aufgewachsen ist.
Träume und Fernsehapparate
Murzyn hat insgesamt 60 Versuchspersonen - die eine Hälfte unter 25 Jahre, die andere über 55 Jahre alt - nach ihren Träumen und nach dem Typ des Fernsehapparates befragt, der während ihrer Kindheit zu ihrem Alltag gehörte. Außerdem sollten sie ihre Traumerlebisse regelmäßig protokollieren. Das aufschlussreiche Ergebnis: Die jugendlichen Probanden erklärten, dass bloß ein winziger Bruchteil ihrer Träume - nämlich 4,4 Prozent - schwarz-weiß ausfallen würde. Bei den über 55-Jährigen hingegen zeigte sich ein auffälliger Unterschied. Die Träume derjenigen, die noch im Grundschulalter mit farbigen Fernsehbildern in Berührung gekommen waren, waren angeblich zu nur 7,3 Prozent monochrom gewesen. Von denjenigen hingegen, die in der Ära des Schwarz-Weiß-Fernsehens groß geworden waren, erklärte jeder Vierte, nach wie vor ausschließlich in Schwarz-Weiß zu träumen. "Es könnte also," mutmaßt Murzyn, "eine kritische Periode in unserer Kindheit geben, wo Filme eine wichtige Rolle dabei spielen, wie unsere Träume aussehen. Noch interessanter ist jedoch, dass es Hinweise darauf gab, dass vor Einführung des Fernsehens alle Menschen in Farbe geträumt hatten.
Warum es früher nur farbige Träume gab
" Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts - nach der Erfindung von Fotografie und Film - kamen Psychologen auf die Idee, Leute danach zu fragen, ob es in ihren Träumen eher grell-bunt oder schwarz-weiß zugehen würde. Damals lautete die Antwort in den allermeisten Fällen: "schwarz-weiß". Wenn Eva Murzyns Theorie stimmt, ist das leicht zu erklären: Je mehr die Menschen damals in Zeitschriften und Zeitungen, im Kino und im Fernsehen mit Schwarz-Weiß-Bildern bombardiert wurden, desto mehr verblassten die im Traum wahrgenommenen Farben. Doch diese Farben kehrten zurück, als überall mehr und mehr bunte Bilder auftauchten. Hierzu passt ein Befund, zu dem die Tübinger Wissenschaftler Felix Wichmann und Karl Gegenfurtner (Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik) vor einiger Zeit gelangt sind: Die Evolution hat das menschliche Gehirn so eingestellt, dass es farbige Abbildungen weitaus besser im Gedächtnis behält als schwarz-weiße. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Farben der Abbildung denen der natürlichen Umwelt exakt entsprechen.
Quelle:
Eva Murzyn: Do we only dream in colour? A comparison of reported dream colour in younger and older adults with different experiences of black and white media. Consciousness and Cognition , Volume: 17, Issue: 4, S. 1228-1237
