
- Wo ist der Einstieg am leichtesten? - Ernst Rose / pixelio.de
Der Arbeitsmarkt wird zum großen Teil über Angebot und Nachfrage geregelt. Leider machen sich zu wenige Schüler Gedanken darüber, welche Zukunftsaussichten auf dem Arbeitsmarkt bestehen, wenn Sie ihre Lehre abgeschlossen haben. Natürlich sind Zukunftsprognosen im Bezug auf den Arbeitsmarkt schwierig. Der Zusammenbruch des Neuen Markts hat dies noch mal deutlich gemacht – viele frisch ausgebildete ITler, von denen es Jahre zuvor hieß, sie könnten gar nicht arbeitslos werden, sind infolge der Ereignisse auf der Strecke geblieben. Dennoch kann man grobe Trends ausmachen, wenn man die Anzahl von besetzten Stellen zum heutigen Zeitpunkt mit der Anzahl von Auszubildenden abgleicht.
Studienabsolventen haben prinzipiell bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt als Absolventen von Lehrberufen. Zumindest fällt das Risiko, arbeitslos zu werden, bei Akademikern geringer aus – allerdings muss man auch einrechnen, dass einige Akademiker schlussendlich in Bereichen arbeiten, die nichts mit ihrem ursprünglichen Studium zu tun haben, wie es bei Geisteswissenschaftlern oft der Fall ist. Dass man als Akademiker nicht unbedingt besser dasteht, als jemand, der eine Lehre abgeschlossen hat, und wie unterschiedlich der Bedarf gelagert ist, zeigt folgendes Beispiel: Eine Zeitarbeitsfirma sucht für eine Anwaltskanzlei eine Assistentin, die Grundwissen in Rechtsangelegenheiten mitbringen soll. Schlussendlich muss sie eigentlich nur wissen, dass ein Vertrag etwas Bindendes ist. Die Zeitarbeitsfirma hat insofern einen Fehler gemacht, als dass sie bei der Formulierung ihrer Stellenanzeige den falschen Begriff verwendet und schreibt: „Suchen eine/n juristischen Sachbearbeiter“. Auf die Stellenanzeige bewarben sich 386 studierte Juristen und am Telefon erklärte einer von Ihnen, dass er bereit wäre, in Vollzeit für 1.000 Euro brutto anzufangen und würde auch seinen eigenen Schreibtisch und eigenes Papier mitbringen.
Wenn Sie dagegen zum heutigen Zeitpunkt in der Stadt Berlin als ausgebildete, junge Rechtsanwaltsangestellte mit sicheren Englisch-Kenntnissen einen Arbeitsplatz suchen, können Sie sich den Arbeitgeber frei aussuchen.
Gefragte Ausbildungsberufe
Zu den Gewinnern auf dem Arbeitsmarkt gehören Berufe, die sowohl niedrige Arbeitslosenzahlen von unter zehn Prozent aufweisen, als auch höhere Löhne nach dem Abschluss der Ausbildung bieten. In der Regel werden für diese Berufe Auszubildende aus dem Bewerberpool der Abiturienten eingestellt, jedoch nicht ausschließlich. Zum heutigen Zeitpunkt gehören dazu:
- die gesamte Berufsordnung Chemie/Pharmazie (Chemikant, Biologielaborant, Chemielaborant, Pharmazeutisch-kaufmännischer Angestellter) mit Arbeitslosenzahlen um sechs Prozent;
- die meisten Gesundheitsberufe (Arthelfer, Tierarzthelfer, Zahnmedizinischer Fachangestellter, staatlich anerkannte Pflegefachkraft, Krankenpfleger);
- fast die gesamte Bank- und Versicherungsbranche (Bankkaufmann, Versicherungskaufmann, Wirtschaftsprüfer / Steuerfachangestellte) mit noch geringeren Arbeitslosenzahlen unter fünf Prozent;
- auch spezialisierte Büroberufe schneiden recht gut ab (Industriekaufmann, Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte, Verwaltungsfachangestellte, Justizfachangestellte, Sozialversicherungsfachangestellter, Fachangestellten für Bürokommunikation);
- bei den technischen Berufen sind solche wie Fachkraft für Lebensmitteltechnik in der maschinellen Fertigung und Fluggerätemechaniker zu nennen, sowie in der Fachrichtung Werkzeug/Feinwerk vor allem die Werkzeugmechaniker, Zahntechniker und Augenoptiker.
Berufsausbildungen im Mittelfeld
In der Mitte der Erfolgspyramide mit Arbeitslosenzahlen zwischen 10 und 20 Prozent bewegen sich folgende Berufe:
- Berufsordnung Stein und Metall (Steinmetzte/Bildhauer, Gießereimechaniker, Zerspannungsmechaniker, Anlagenmechaniker für industrielle Anlagen, Anlagenmechaniker Sanitär/Heizung/Klima, Konstruktionsmechaniker, Metallbauer, Industriemechaniker, Industrielle Teilezurichter, Fertigungsmechaniker);
- Verfahrensmechaniker Kunststoff- und Kautschuktechnik;
- nur einige Fachrichtungen aus Medien/Druck/Buch/Kunst (Drucker, Buchbinder, Verlagskaufmann);
- Elektronik (Elektroniker Energie und Gebäudetechnik, Elektroniker Automatisierungstechnik, Mechatroniker, Informationselektroniker, Informations- und Telekommunikationselektroniker);
- manche Ernährungsberufe (Bäcker, Konditoren, Fleischer, Fachverkäufer im Nahrungsmittelhandwerk, Restaurantfachmann, Fachkraft für Systemgastronomie);
- manche Fachrichtungen im Hoch- und Tiefbau (Technischer Zeichner, Bauzeichner, Vermessungstechniker);
- Werkzeug/Feinwerk (Goldschmied, Feinwerkmechaniker);
- Lager/Handel/Verkauf (Fachlagerist, Fachkraft für Lagerlogistik, Kaufmann im Groß- und Außenhandel, Kaufmann im Einzelhandel, Automobilkaufmann, Buchhändler, Drogist, Kaufmann für Speditions- und Logistikdienstleistungen);
- Verkehrs- und Reisebranche (Reiseverkehrskaufmann, Kaufmann Verkehrsservice, Berufskraftfahrer, Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistung);
- Informatik/Telekommunikation (Fachinformatiker, Informations- und Telekommunikationssystemkaufmann, Informatikkaufmann).
Von welchen Berufsausbildungen abzuraten ist
Prinzipiell gilt: Hände weg von Modeberufen! In einigen Berufsfeldern wird mehr als offensichtlich über den Bedarf ausgebildet. Bei Friseurinnen oder Kfz-Instandhaltern sind etwa ein Viertel der abhängig Beschäftigten Auszubildende. Dieser Umstand wird nicht nur dazu führen, dass die Gesellen nur noch schlechte Chancen haben werden, einen Arbeitsplatz zu finden, sondern auch dazu, dass wenn sie einen finden, dieser mit größter Sicherheit miserabel bezahlt sein wird. Das ist derzeit schon der Fall, denn eine Friseurin verdient in Ostdeutschland momentan um die 3 Euro die Stunde brutto, so muss der gesamte Berufsstand vom Staat quersubventioniert werden, da von den Gehältern kein Alleinstehender leben kann.
Eher abzuraten ist momentan auch von folgenden Fachrichtungen, die häufig bei den Arbeitslosenzahlen die 20 Prozenthürde übersteigen:
- grüne Berufe (Tierzüchter, Fischer, Landwirte, Pferdewirte, Gärtner, Floristen, Forstwirte). Hier liegt die Arbeitslosigkeit um die 20 Prozent, wobei zu beachten ist, dass Landwirte und Floristen meist selbstständig sind oder sein müssen;
- Berufsordnung Holz (Tischler, Holzmechaniker);
- viele Berufe in der Fachrichtung Medien/Druck/Buch/Kunst (Schriftsetzer, Vervielfältiger, Mediengestalter für Digital- und Printmedien, Werbefachleute, Mediengestalter Bild und Ton, Fachkraft für Veranstaltungstechnik, Gestalter für visuelles Marketing, Fotograf);
- der gesamte Ausbaubereich (Ausbaufacharbeiter, Stukkateure, Isolierer, Fliesen-, Platten-, Mosaikleger, Glaser, Zimmerer, Dachdecker, Gerüstbauer, Raumausstatter/Polsterer, Maler/Lackierer);
- manche Fachrichtungen im Hoch- und Tiefbau (Hochbaufacharbeiter, Maurer, Beton- und Stahlbetonbauer, Straßenbauer, Pflasterer, Steinsetzer, Baumaschinenführer);
- bei den Ernährungsberufen (Köche);
- Verkehrs- und Reisebranche (Hotelkaufmann, Fachkraft im Gastgewerbe);
- Dienst- und Wachberufe (Fachkraft für Schutz und Sicherheit, Hauswirtschaftler, Glas- und Gebäudereiniger);
- und während spezialisierte Büroberufe nicht schlecht abschneiden, sieht es bei Bürohilfskräften und Dolmetschern relativ düster aus;
- katastrophale Zahlen sind allem voran aber aus der Textilverarbeitung zu vermelden und das trifft sowohl auf industrielle Modenäher, als auch Maßschneider zu, bei denen die Arbeitslosigkeit über 30 und 40 Prozent liegt.
Überbetriebliche Ausbildungen möglichst vermeiden
Im Jahr 2009 wurde knapp ein Zehntel aller neuen Ausbildungsverträge für eine Lehre in einer überwiegend öffentlich geförderten überbetrieblichen Einrichtung abgeschlossen. Wenn die Abschlussprüfungen bei der IHK oder der Handwerkskammer dann erfolgreich verlaufen sind und die Absolventen das Zertifikat in den Händen halten, ist es vielen nicht bewusst, dass dieser Abschluss bei den Arbeitgeber dennoch weniger gefragt ist als der von der betrieblich ausgebildeten Konkurrenz, auch wenn die Noten ausgezeichnet ausfallen.
Auch der Politik wäre es anzuraten, im Zuge des demographischen Wandels von der sehr sozialpolitisch ausgerichteten Berufspolitik infolge des Lehrstellenmangels mehr und mehr abzukommen, die Vermittlung in betriebliche Ausbildungen zu verbessern und besser über den Arbeitsmarktbedarf zu informieren.
Weitere Informationen: Fachkräftemangel – nur ein Märchen?
Buchempfehlung: Uwe Peter Zimmer: Handbuch Berufswahl 2006/2007. Eichborn Verlag 2006, 284 Seiten. Euro 19,90.
Aktuelle Zahlen der Arbeitsagentur zu den Arbeitslosenzahlen, gemeldeten Arbeitsstellen und Beschäftigten nach Berufen.
