Behinderung oder Schwerbehinderung passt nicht in unsere Leistungsgesellschaft und ist daher immer noch mit Stigmatisierung verbunden. Deshalb gibt es auch viele Menschen, die eigentlich Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis hätten, diesen aber aus Angst, wegen eines solchen Ausweises stigmatisiert zu werden und vor allem auf dem Arbeitsmarkt weniger Chancen zu haben als nicht behinderte Menschen, nicht beantragen. Dabei soll die Frage nach einer bestehenden Schwerbehinderung zukünftig, ähnlich wie die Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft, im Vorstellungsgespräch nicht mehr zulässig sein. Dies ist jedoch noch nicht endgültig entschieden und Informationen, die man hierzu erhält, widersprüchlich. Neben diesem Nachteil, den viele befürchten, bietet ein Schwerbehindertenausweis auch viele Vorteile. Günstig ist es, den Antrag auf Schwerbehinderung zu stellen, wenn man sich bereits in einem sicheren unbefristeten Arbeitsverhältnis befindet und nicht gerade dann, wenn man gerade auf Jobsuche ist.

Die Vorteile am Arbeitsplatz: Besonderer Kündigungsschutz und Zusatzurlaub

Schwerbehinderte und ihnen gleichgestellte Personen stehen unter einem besonderen Kündigungsschutz. Gleichstellen lassen kann man sich ab einem Grad der Behinderung (GdB) von mindesten 30. Das heißt, dass im Falle einer Kündigung erst die zuständige Integrationsbehörde oder das Versorgungsamt zustimmen muss, damit diese wirksam werden kann.

Außerdem stehen Schwerbehinderten fünf zusätzlich bezahlte Urlaubstage im Jahr zu. Sie brauchen keine Mehrarbeit zu leisten, wenn sie das nicht wollen und sie haben Anspruch auf begleitende Hilfe im Arbeitsleben, die es ihnen ermöglicht, ihre Arbeit weiterhin auszuüben. Diese Arbeitshilfe muss vom Arbeitgeber, dem Versorgungsamt oder dem Arbeitsamt gestellt werden. Gleichgestellten wird jedoch kein Zusatzurlaub gewährt.

Altersrente für Schwerbehinderte

Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen Schwerbehinderte ab dem 62. Lebensjahr vorzeitig in Altersrente gehen. Eine Voraussetzung hierfür ist, dass mindestens 35 Versicherungsjahre nachgewiesen werden müssen. Als Beitragszeiten zählen alle Zeiten, in denen Pflichtbeiträge oder freiwillige Beiträge in die Rentenversicherung eingezahlt wurden. Die Schwerbehinderung muss bei Beginn der Rente bestehen und anerkannt sein. Je nach Geburtsjahrgang muss man einen Rentenabschlag in Kauf nehmen. Schwerbehinderten gleichgestellte Personen können die vorzeitige Altersrente nicht in Anspruch nehmen.

Ermäßigte Eintrittspreise und Rabatte bei Versicherungen

Wenn die Schwerbehinderung anerkannt wurde, lohnt es sich, den Ausweis immer mitzunehmen. Viele Schwimmbäder, Freizeitparks und Museen gewähren Schwerbehinderten ermäßigten Eintritt jedoch manchmal erst ab einem Grad der Behinderung von 70. Versicherungen werden unter Umständen günstiger. Der ADAC bietet zum Beispiel Rabatte auf Mitgliedschaftsbeiträge ab einem GdB von 50. Einige Hersteller von Neuwagen bieten Rabatte beim Neuwagenkauf für Schwerbehinderte. Weitere Informationen hierzu findet man auch auf der Internetseite Schwerbehinderung aktuell.de.

Steuervorteile für Behinderte und Schwerbehinderte

Behinderte mit einem GdB von mindestens 50 oder einem GdB von mindestens 25, die nach den gesetzlichen Vorschriften Renten beziehen oder deren Behinderung zu einer dauernden Beeinträchtigung der körperlichen Beweglichkeit führt oder deren Behinderung durch eine Berufskrankheit verursacht wurde, können Freibeträge bei der Lohnsteuer geltend machen. Der Freibetrag kann entweder auf der Lohnsteuerkarte vermerkt oder beim Lohnsteuerjahresausgleich rückwirkend geltend gemacht werden. Was die Lohnsteuer betrifft, lohnt es sich, die Schwerbehinderung rückwirkend anerkennen zu lassen, falls sie schon vorher bestanden hat. Für die Schwerbehinderung kann man dann bis zu einem Zeitraum von fünf Jahren den Freibetrag zurück gezahlt bekommen.

Schwerbehinderte mit dem Ausweismerkzeichen G (gehbehindert) oder einem GdB ab 70 dürfen die tatsächlichen Fahrtkosten steuerlich geltend machen, die bei der Fahrt zwischen Wohnung und ihrem Arbeitsplatz entstehen. Dazu zählen neben den Betriebskosten auch Abnutzung und Kosten für Reparaturen und Pflege, Garagenmiete, Steuern und Versicherungen sowie Parkgebühren und Mitgliedsbeiträge zu einem Automobilclub. Sogar Leerfahrten können geltend gemacht werden, wenn Schwerbehinderte nicht in der Lage sind, selbst mit ihrem Kraftfahrzeug zu fahren.

Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis

Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis geben Auskunft über die Art der Behinderung. Sie ermöglichen die Inanspruchnahme besonderer Nachteilsausgleiche. Eine Übersicht über die Bedeutung der Merkzeichen und speziellen Nachteilsausgleich findet man auch auf der Internetseite Schwerbehinderung aktuell.de

Berechtigt mich der Schwerbehindertenausweis zur Nutzung der Behindertenparkplätze?

Nicht jeder, der einen Schwerbehindertenausweis besitzt, darf auf einem ausgewiesenen Behindertenparkplatz parken. Dafür braucht man einen besonderen blauen Parkausweis, den Menschen nur dann vom zuständigen Ordnungsamt erhalten, wenn sie einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen aG (außergewöhnlich gehbehindert) oder dem Merkzeichen Bl (blind) besitzen. Für alle anderen auch schwerbehinderten Autofahrer ohne diese Merkzeichen und ohne diesen speziellen Parkausweis gilt auf Behindertenparkplätzen absolutes Halteverbot.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel niemals juristischen Rat, zum Beispiel eines Rechtsanwalts, ersetzen kann.