Welches Seil eignet sich zum Klettern? Hilfe bei der Auswahl

Sicher klettern am Seil -  N-Schmitz
Sicher klettern am Seil - N-Schmitz
Ob Einfach-, Halb- oder Zwillingsseil, die Auswahl auf dem Markt ist unübersichtlich. Doch was ist wichtig für den Kauf? Was sollte beachtet werden?

Ob in der Halle oder am Fels, wer klettern will benötigt ein Seil. Auch auf hochalpinen Touren oder auf schweren Klettersteigen empfiehlt es sich, ein Seil mitzunehmen. Doch der Markt für Seile ist groß und unübersichtlich. Wer sich zum ersten Mal für einen Kauf interessiert, kann bei der Auswahl schnell in Entscheidungsnot geraten. Ob Einfach-, Halb-, oder Zwillingsseil, Angaben zu Fangstoß, Normstürzen und Seillänge, auf dem Weg zum geeigneten Seil, gibt es einiges zu beachten.

Einfach-, Halb- oder Zwillingsseil: Das Einsatzgebiet entscheidet über das richtige Seil

Vor der Anschaffung sollte geklärt werden, für welchen Einsatzbereich das Seil hauptsächlich verwendet wird. Kommt das Seil hauptsächlich beim Klettern in der Halle oder im Klettergarten zum Einsatz? Oder sollen doch hauptsächlich alpine Touren unternommen werden? Handelt es sich beim Klettern um einfache Routen oder Mehrseillängen? Alles dies spielt eine Rolle bei der Kaufentscheidung.

Einfachseile werden den Ansprüchen der meisten Kletterer genügen. Denn sowohl in der Halle, als auch im Klettergarten ist die Sicherung mit einem Seilstrang absolut ausreichend. Sollen dagegen alpine Touren oder Mehrseillängen geklettert werden, sollte über den Kauf eines Halb- oder Zwillingsseils nachgedacht werden. Denn bei diesen Seilarten wird immer an zwei Seilsträngen gesichert und dies bietet vor allem bei Stürzen über eine scharfe Kante ein zusätzliches Sicherheitsplus.

Normstürze: Was Seile aushalten müssen

Ein weiteres wichtiges Kriterium bei der Wahl des richtigen Seils ist die Anzahl der Normstürze, denen ein Seil standhält. Normstürze geben die Festigkeit des Seils an. Einfach- und Halbseil müssen mindestens fünf solcher Normstürze aushalten. Seile, die zehn und mehr Normstürzen standhalten, werden als Multisturzseile bezeichnet. Zwillingsseile haben eine Mindestanforderung von zwölf Normstürzen. Multisturzseile gibt es bei Zwillingsseilen nicht.

Doch was sind Normstürze? Um einen Normsturz zu simulieren, wird ein bestimmtes Gewicht aus einer bestimmten Höhe fallengelassen und vom Seil gebremst. Dabei darf eine bestimmte Kraft, der Fangstoß, nicht überschritten werden und das Seil sich nur in einem bestimmten Ausmaß dehnen. Normstürze sind so ausgelegt, dass Seile, die noch mindestens einem Normsturz standhalten in der Praxis nicht reißen. Ausgenommen sind natürlich Stürze über eine scharfe Kante.

Fangstoß: die Abfederung im Falle eines Sturzes

Neben den Normstürzen ist der Fangstoß eine weitere wichtige Größe bei der Auswahl des richtigen Seils. Der Fangstoß ist die Kraft, mit der der Stürzende abgefangen wird. Je niedriger der Fangstoß ist, desto sanfter wird der Sturz aufgefangen. Vor allem bei Kindern, Kleinen oder leichten Kletterern sollte der Fangstoß relativ gering sein, da so das Verletzungsrisiko minimiert wird. Je niedriger der Fangstoß ist, desto mehr dehnt sich das Seil beim Sturz. Seile können sich bis 35 Prozent der eigenen Länge dehnen.

Seillänge und Seildicke: wenn das Gewicht eine Rolle spielt

Ein weiteres Kriterium bei der Auswahl ist die Seillänge und die Seildicke. Die meisten Seile werden in einer Dicke zwischen 9,5 Millimetern und 10,5 Millimetern verkauft. Dünnere Seile erfordern Erfahrung in der Sicherung und sollten von Anfängern nicht verwendet werden. Bei der Auswahl der Dicke eines Seiles sollte bedacht werden, dass dickere Seile grundsätzlich schwerer sind, als dünnere. Dies kann vor allem dann eine Rolle spielen, wenn das Seil über weite Strecken getragen werden muss, etwa beim Zustieg. Für das Klettern in der Halle oder im Klettergarten spielt dies eine untergeordnete Rolle. Dickere Seile liegen meist besser im Sicherungsgerät und erfordern weniger Kraftaufwand beim Sichern. Bedacht werden sollte auch, dass das richtige Sicherungsgerät zur Seildicke gekauft werden muss. Nicht alle Geräte sind für jede Seildicke zulässig.

Bei der Länge des Seils spielen vor allem persönliche Vorlieben eine Rolle. Dennoch sollte ein Seil mindestens 50 Meter lang sein, um bei der Routenauswahl flexibler zu sein. Längere Seile sind grundsätzlich natürlich besser, doch spielt der höhere Preis für ein längeres Seil meist eine nicht unwesentliche Rolle.

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Bildquelle: N. Schmitz / www.pixelio.de

Almut Winkler, Almut Winkler

Almut Barden - Als freie Autorin und Redakteurin schreibe ich hauptsächlich in den Bereichen Outdoor, Bergsteigen, Klettern und Camping. Neben ...

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