
- Tor zu neuen Welten - Tom Köhler, Hamburg
Um die Frage gleich zu beantworten: Jedes, welches mit persönlichen (!) Kontakten mein Unternehmen voran bringt. Doch Netzwerk besteht aus netzwerken. "Wer gibt, gewinnt.", so der Spruch eines Netzwerkes. Jeder Unternehmer, der Mitglied in einem Netzwerk ist, muss als Teil eines Ganzen seinen Beitrag zum Gelingen leisten. Es funktioniert nicht, nur auf Kontakte / Kunden / Aufträge zu warten. Allen Netzwerken gleich ist die Überlegung, durch Empfehlungen an einen Kunden in spe heranzukommen. Eine Empfehlung ist die Visitenkarte, die man nicht kaufen kann. Sie ist ungleich wertvoller, da eine persönliche Verbindung zwischen dem Empfehlenden, dem Kunden und dem Unternehmer aufgebaut wird.
Aller guten Dinge sind drei: XING, BNI, M-POINT
Die drei Netzwerke, die hier vorgestellt werden, stehen exemplarisch für das Prinzip. Es sind XING als bekannte Plattform für berufliche Kontakte im Netz, BNI und M-POINT. BNI verfügt über 224 sogenannte Chapter in Deutschland, ist auch weltweit vertreten. Eines seiner Hamburger Chapter hat der Autor besucht. M-Point ist ein Unternehmernetzwerk, welches nach gleichen Kriterien wie BNI funktioniert. Dieses derzeit auf Hamburg begrenzte Netzwerk ist allerdings wesentlich kleiner. Bei der Betrachtung wird keinerlei Wertung vorgenommen. Das muss jeder Unternehmer oder Gründer für sich selbst tun.
Hat es schon XING gemacht?
Die Plattform hat einen sehr hohen Bekanntheitsgrad. Personaler und Bewerber bemühen das Netzwerk, um über Menschen und Unternehmen mehr Informationen zu erhalten. So sind nicht nur erwerbstätige Personen auf der Seite zu finden. Auch Jobsuchende oder Umsteiger, die sich finanziell oder räumlich verändern wollen, sind da aktiv. An XING kommt kaum jemand vorbei. Eine Seite dort ist Pflicht bei Bewerbungen und bei der Akquise von Kontakten / Kunden / Aufträgen. Die positiven Seiten sind: Es ist ein sehr großes Netzwerk, welches mittlerweile weltweit aktiv ist. Es ist mit einer mächtigen Suchfunktion ausgestattet und verfügt über eine gute Funktionalität. Es ermöglicht eine optimale Darstellung der eigenen Entwicklung und des Tagesgeschäftes. Die Nachrichtenfunktion realisiert schnelle Anfragen.
Haben Sie sich verxingt?
Die Nachteile: Wer sich nur auf der Seite bewegt, hat auch nur unpersönliche Kontakte. Diese können auch schnell zu Massenkontakten werden. Doch lautet der Spruch: Klasse statt Masse - umgesetzt in Netzwerksprache: Eine persönliche Empfehlung, ein direkter Kontakt zwischen Unternehmen und Kunden. Die Vermassung führt zu zwei sehr unangenehmen Effekten: Unübersichtlichkeit und Zeitverlust. Es ist zwingend erforderlich, bei der Benutzung des Netzwerkes sehr diszipliniert zu sein. Die Benutzung erfolgt nach eigenem Wunsch, zeit- und ortsunabhängig. Die von XING-Mitgliedern angebotenen Seminare sind zum Teil recht teuer. Womit wir bei den Kosten wären. Sie belaufen sich derzeit pro Jahr auf 71,40 Euro (brutto) inklusive zwei Freimonaten für eine Premiummitgliedschaft, die Standard-Membership ist kostenlos.
Geheimnis oder nicht
In Newsgroups geistert gern eine Mär über BNI herum. Das Netzwerk des Amerikaners Dr. Ivan Misner, gegründet 1985 in Los Angeles, sei ein sektenartig agierendes Netzwerk, welches mit totaler Kontrolle seine Mitglieder beherrsche und außerdem nach außen verschwiegen agiert. Lassen wir mal die Öffentlichkeitsarbeit dahingestellt. Das erst seit 2003 in Deutschland aktive Netzwerk ist überaus erfolgreich. Über 200 Gruppen (Chapter genannt) arbeiten nach dem Prinzip des Branchenschutzes. In jeder Gruppe ist aus jeder (verfügbaren) Branche nur ein Vertreter zugelassen. Die Mitglieder geben untereinander Empfehlungen ab, sind also Empfehler der beteiligten Gruppenmitglieder nach außen. So werden persönliche Kontakte zu Geschäftspartnern und Kunden generiert.
Für und Wider
Es ist ein sehr großes Netzwerk. Innerhalb der Chapter sind die persönlichen, regelmäßigen Kontakte der Mitglieder der Gruppe ausschlaggebend. Die Treffen finden zur selben Zeit am selben Ort wöchentlich statt und beginnen (weltweit) um 07:00 Uhr. Die Mitgliedschaft verpflichtet. Die Organisation der wöchentlichen Treffen mit einem - übrigens auch weltweit gleichem - Ablauf wird eingehalten. Teilnahme ist Pflicht, das Geschäft hat Vorrang. Kurzvorstellungen, Vorträge oder Impulsreferate sind die Regel. Die Empfehlung über die Gruppenkontakte erzeugt Kundenansprache, Aufträge und Umsatz. Die Zahlen sind nicht bekannt. Das stete Wachstum der Organisation spricht für sich. Eine hierarchisch strukturierte Form des Netzwerkes und seine straffe Organisation ist für manchen problematisch. Zeit ist allerdings in jedem Business Geld, weltweit. Die Kosten belaufen sich im Jahr auf 700 Euro Beitrag (per 1.8.2010 sind es 780 Euro) und 150 Euro Aufnahmegebühr (je netto). Dazu kommen festgelegte Kosten für das wöchentliche Frühstück.
Kleine Ausgabe des großen Bruders
Mit M-Point in Hamburg ist ein ähnlich des BNI strukturiertes Netzwerk entstanden. Es ist wesentlich kleiner und regional begrenzt. Auch hier gilt in den Gruppen Branchenschutz, eben so ist die Empfehlung der Gruppenmitglieder an Geschäftspartner und Kunden Aufgabe der Mitglieder. Persönlicher Kontakt bei den dito wöchentlich stattfindenden Treffen und eine sympatische Atmosphäre sind Markenzeichen. Doch auch hier gilt: Zeit ist Geld. Vorträge, kurze Referate und der Austausch zu persönlichen Fragen aus dem Business lassen die anderthalb Stunden schnell vergehen. Die Kosten sind pro Jahr 480 Euro Beitrag und 80 Euro Aufnahmegebühr (je netto). Weiterhin fallen Kosten für das wöchentliche Frühstück und eventuelle Seminare an. Es gilt eine regelmäßige Teilnahme zur selben Zeit, am selben Ort und einmal in der Woche.
Unternehmernetzwerk aus der Sicht des Unternehmers
Aus der Sicht eines Hamburger Gründers hat jedes Netzwerk seine Vor- und Nachteile. Es sind nur drei von zahlreichen, besonders regionalen, Netzwerken, die bundesweit nach einem ähnlichen Prinzip arbeiten. Bei der Suche im Netz fanden sich allerdings auch bedenkliche Seiten, die an Aktualität und beteiligten Mitgliedern arg zu wünschen übrig ließen. Alle Netzwerk-Kosten sind in der Regel absetzbar, doch ist für Gründer manches Netzwerk einfach zu teuer. Geld sollte auch nicht das alleinige Kriterium für eine Mitgliedschaft sein. Nur dort, wo sich ein Unternehmer beziehungsweise eine Unternehmerin wohlfühlt, wird es zu Synergien kommen. Und bei allem Für und Wider gilt stets: Netzwerk besteht aus netzwerken! Ohne eigenes Engagement, ohne den Willen, mit anderen zusammen mehr zu erreichen, nützt auch die Mitgliedschaft im teuersten Netzwerk nichts.
