Wellensittiche sind seit über 200 Jahren der Begleiter des Menschen. Früher in Europa nur den Adligen und Wohlhabenden vorbehalten, erlebten sie den Höhepunkt ihrer Beliebtheit vor einigen Jahrzehnten. Heute wissen wir aber mehr über die optimale Haltung. Deswegen haben die heute bei uns gehaltenen Wellensittiche ein schöneres Leben. So können sie auch ihr maximales Alter von etwa 15 Jahren erreichen.

Herkunft

Ursprünglich stammt der Wellensittich aus Australien. Melopsittacus undulatus, so sein wissenschaftlicher Name, kommt dort in großen Schwärmen vor. Die gelbgrünen Vögel – alle anderen Farben sind während der Haltung in den letzten Jahrhunderten bei uns entstanden – folgen den Regenzeiten. Denn nur danach gibt es ausreichend Nahrung, die aus Gras- und anderen Samen besteht. Solche Vögel nennt man Strichvögel, weil sie durch die Gegend "streichen". Das macht es allerdings auch problematisch, wenn sie uns entfliegen, denn sie haben kein Orientierungsgefühl, um wieder nach Hause zu finden.

Haltung von Wellensittichen

Fenster und Türen zu. So lautet deswegen die Devise, wenn wir unseren Wellensittichen Freiflug geben. Und den brauchen sie täglich mindestens eine Stunde, damit ihre Flugmuskulatur nicht verkümmert. Der Käfig kann dabei übrigens nicht groß genug sein. Eine kleine fahrbare Voliere ist für zwei Vögel ausreichend. Wichtig ist, dass die Stangen quer und nicht längs verlaufen, damit die Wellensittiche daran klettern können. Die Käfigstangen sollten unterschiedlich stark und aus Holz sein, damit sich die Krallen gleichmäßig abnutzen. Auch einige natürliche Zweige, etwa von Obstbäumen oder Weiden, dienen nicht nur diesem Zweck, sondern werden auch gerne angeknabbert. Etwa eine Stunde vor dem Freiflug erhalten die Wellensittiche keine Leckerchen mehr. Zum Ende der Freiflugzeit wird etwa eine kleine Rispe Kolbenhirse in den Käfig geklemmt. Das lockt die Wellensittiche wieder freiwillig in den Käfig zurück. Selbstverständlich dürfen im Freiflugraum keine Gefahrenstellen oder giftige Zimmerpflanzen vorhanden sein.

Den Käfig für Wellensittiche einrichten

Eines sei deutlich gesagt: Spiegel haben in einem Wellensittichkäfig nichts verloren, genauso wenig wie Wellensittiche aus Plastik. Überhaupt, Kunststoff ist das schlechteste Spielzeugmaterial. Neben Holz und Ästen sind vor allem Stricke, dünn und dick, z. B. aus Sisal gut. Daran können die Wellensittiche knabbern und klettern, ohne dass es ihnen schadet. Auf keinen Fall darf eine Höhle oder ein Kasten im Käfig sein, um die Vögel nicht in Brutstimmung zu bringen. Ein Badehaus wird von einigen Wellensittichen gerne angenommen, von anderen gar nicht. Handzahme Wellensittiche baden aber meistens mit Genuss unter einem kleinen Wasserstrahl aus der Leitung.

Wellensittichhaltung – alleine oder zu zweit?

Früher hielt man Wellensittiche überwiegend alleine. Die Vögel sollten sprechen lernen und Melodien nachpfeifen. Abgesehen davon, dass nur wenige Vögel wirklich verständliche oder erkennbare Töne von sich gaben, gilt dies heute als Tierquälerei. Wellensittiche sind Schwarmvögel, zwei sollten es mindestens sein. Dabei können es sowohl zwei Männchen wie auch ein Pärchen sein, aber niemals zwei Weibchen. Ist nämlich das Zwitschern der Wellensittiche durchaus melodisch, mit nur wenig Kreischen, sind sich zwei Weibchen fast nie grün und lassen an ihrem Streit den Besitzer lautstark teilhaben. Das kann so laut werden, dass es zu einem handfesten Nachbarschaftsstreit führt. Übrigens sollten Wellensittiche nicht mit anderen Vögeln, etwa Kanarienvögeln, zusammengehalten werden, da sie ihnen in die Füße beißen könnten.

Auch zwei oder mehr Wellensittiche können handzahm werden. Dazu muss man sie jung bekommen oder sehr viel Geduld haben. Mit dem Finger nähert man sich dem Bauch, bis die Vögel ruhig sitzen bleiben, selbst wenn wir sie berühren. Ein kleines Leckerchen kann dabei helfen. Dann drücken wir mit dem Finger leicht gegen den Bauch und schon bald wird der Wellensittich auf den Finger umsteigen und sich so auch durch die Gegend tragen lassen.

Farbschläge der Wellensittiche

In der Natur sind Wellensittiche mit abweichender Färbung sehr selten und werden meist schnell ein Opfer eines Raubvogels, weil sie aus dem Schwarm herausstechen. In menschlicher Obhut hat man aber besonderen Wert auf diese anders gefärbten Vögel gelegt und daraus eine große Zahl von Farbschlägen herausgezüchtet. Am Anfang standen die blauweißen, dann kamen die Albinos und schließlich die vielen anderen Farben, die wir heute beobachten können. Für welche Sie sich entscheiden, hängt nur von Ihrem persönlichen Geschmack ab, Sie können auch mehrere Farben miteinander kombinieren.

Geschlechtsunterschiede

Die Geschlechter bei fast allen Farbschlägen sind leicht zu unterscheiden, da nach der Geschlechtsreife (also etwa nach einem halben Jahr) die Nasenhaut der Männchen blau wird, während die Weibchen eine rosafarbene Nasenhaut behalten, die sich später auch bräunlich verfärben kann. Nur bei den Falben behalten auch die Männchen lebenslang eine, dann aber hellrosa Nasenhaut.

Fütterung von Wellensittichen

Wellensittiche können verhungern, wenn sie auch nur einen einzigen Tag nichts zu fressen bekommen. Deswegen brauchen sie immer einen kleinen Napf mit Wellensittichfutter. Dazu kommt eine Schale mit Grit (kleine Vogelsteine) und ein Kalkstein oder eine Sepiaschale. Im Fachhandel gibt es daneben noch eine Vielzahl kleiner, geeigneter Sämereien, allen voran Kolbenhirse. Und natürlich brauchen sie auch Wasser, eine kleine Tränke, in der das Wasser automatisch nachfließt, ist am besten. Als Leckerbissen können auch noch Apfel-, andere Obst- oder auch Gemüsestückchen gereicht werden.

Zucht

Die Zucht von Wellensittichen ist aus Gründen der Seuchenvorbeugung (Wellensittiche können, wie viele andere Vögel, auch Tauben, die Vogelkrankheit oder Ornithose verbreiten) an eine Genehmigung durch den zuständigen Amtstierarzt gebunden. Dazu muss es etwa einen separaten Quarantäneraum geben. Erkundigen Sie sich beim Amtstierarzt nach den genauen Bedingungen und den Kosten für die Genehmigung, wenn Sie züchten möchten.

Was ist beim Kauf von Wellensittichen zu beachten?

Aus oben genannten Seuchengründen müssen Wellensittiche, wie alle Sittiche und Papageien, einen Ring tragen. Kaufen Sie nie einen Wellensittich ohne Ring! Ihr Wunschvogel sollte munter sein, ein sauberes Gefieder haben, es darf kein Ausfluss aus der Nase kommen und der Kot muss fest sein (Ausnahme: Der Vogel hat gerade vorher getrunken). Zum Kauf gehört also etwas Geduld. Kurze Strecken transportiert man den Vogel in einer Pappbox, die er aber bald durch Knabbern erweitert. Ansonsten leiht ein Händler vielleicht eine Transportbox aus. Wenn übrigens Ihre Vögel zu Hause einmal krank werden, gehen Sie gleich zum Tierarzt, das kostet weniger, als Sie denken.

Fazit

Wellensittiche sind unterhaltsame und muntere Heimtiere. Wenn Sie die Grundbedingungen – ausreichend großer Käfig, mindestens zu zweit, Freiflug, immer Futter und Wasser – erfüllen, werden Sie viel Freude an Ihren Hausgenossen haben, die Sie mit ihrem Geplapper und Gezwitscher vielleicht auch einmal die eine oder andere trübe Stunde vergessen lassen.

Literaturhinweis:

Hieronimus, H. (2009): Mein Wellensittich zu Hause. bede-Verlag, Ruhmannsfelden