
- Raul Gonzalez - Darz Mol
Nach Ruud van Nistelrooy - seit Jahresbeginn beim Hamburger SV - kommt mit Raúl González Blanco der zweite mit dem Prädikat "Weltfußballer" ausgezeichnete Topstürmer in die deutsche Bundesliga. Beide sollen helfen, die unterschiedlich langen Durststrecken ihrer Vereine zu beenden - mit dem Meistertitel in der Saison 2010/2011. Die Knappen aus Gelsenkirchen warten schon seit mehr als 50 Jahren auf die Schale, der Bundesliga-Dino aus Hamburg seit 1983. Beide Klubs haben für die nächsten Jahre die Latte hoch gelegt. Ob es heuer schon für den Titel reicht? Das wird wohl von den Befindlichenkeiten beim "FC Hollywood" abhängen – Rekordmeister Bayern München ist auch in der kommenden Saison klarer Favorit.
Das ewige Stürmerschicksal: Nur Tore zählen
Noch reichen die Referenzen der beiden Weltstürmer aus, um die Kassen klingeln und die Fans frohlocken zu lassen. Die Marketing-Maschinerie läuft, der Trikotverkauf boomt, die Tickets finden reißenden Absatz. Doch das Risiko ist groß, denn die beiden hochbezahlten Stars – beide in den 70er Jahren geboren – haben ihren Zenit längst überschritten. Und wenn sie nicht treffen, kann die Stimmungslage sehr schnell kippen.
- Ruud van Nistelrooy: Der sympathische Holländer hatte seine Blütezeit bei Manchester United. Mit 150 Treffern in 249 Pflichtspielen stellte er an Effizienz alle anderen Stürmerlegenden in den Schatten, auch Sir Bobby Charlton und Denis Law. Was ihm im letzten Spieljahr bei den Red Devils (2005/2006) aber auch nichts mehr nützte. Nach längeren Verletzungspausen reichte es nur selten für Einsätze. Der Absprung von der Insel zu den Königlichen (Real Madrid) ging dann nicht ohne Nebengeräusche über die Bühne, brachte ihm immerhin aber noch ein weiteres Jahr Ruhm und die Torjäger-Krone auf der Iberischen Halbinsel. Anfang 2010 sah der nunmehrige Bankdrücker mit dem Wechsel zum Hamburger SV seine große Chance, doch noch auf den WM-Zug aufspringen zu können. Wieder Verletzungen, erneut Enttäuschungen. Der Stürmer Ruud van Nistelrooy hat sich durch Tore selbst ein Denkmal gesetzt, das er jetzt selbst wieder demontieren könnte.
- Raúl González Blanco: Noch mehr Glanz hat der Lack auf dem ehemaligen Teamstürmer des aktuellen Welt- und Europameisters Spanien. 3x Champions League-Gewinner, 6x Spanischer Meister, 2x Weltpokal-Sieger. Für den smarten Latino-Typ zählt eines mit Sicherheit noch mehr: Mit 323 Pflichtspieltoren hat er sogar Alfredo di Stèfano, den spanischen Kultstürmer schlechthin, vom Thron gestoßen. 1992 war Raúl zu Real gekommen - und ist dem Klub bis 2010 treu geblieben, in guten und in schlechten Tagen. Ein Anachronismus, heute ist Vereinstreue wie diese einfach nicht mehr vorstellbar. Die letzten Jahre liefen nicht mehr so gut: Das Aus im Team (44 Treffer in 102 Spielen), Statistenrolle bei den Königlichen. Jetzt lässt sich der 33-Jährige bei Schalke 04 seinen Stürmer-Herbst versilbern.
Magath und Veh: Zwei Trainer-Füchse als Hoffnungsträger
Erleben Ruud und Raúl noch einen letzten Frühling oder erhalten sie in Deutschland ihr Gnadenbrot? Das hängt stark davon ab, ob sie verletzungsfrei bleiben. Denn ihren Torriecher haben die beiden Knipser immer noch. Und als Hoffnungsträger für die beiden und auch deren jetzige Klubs gelten die jeweiligen Trainer. Armin Veh wurde von Ruud van Nistelrooy jüngst beim Trainingslager im österreichischen Längenfeld mit der schottischen Trainerlegende Sir Alex Ferguson (ManU) verglichen: "Er erinnert mich an Ferguson. Veh beobachtet viel und sieht vieles. Auf dem Platz lässt er seine Assistenten viel Arbeit machen. Er ist offen und hat eine klare Ansprache. Man spürt seine große Erfahrung, er bringt Ruhe rein. Er weiß, wie man Titel holt." Das macht Mut. Vielleicht weiß ja Veh, wie er Ruud die Leichtigkeit des Toreschießens wieder in Erinnerung bringt.
Ebenso gut möglich, dass Knappen-Coach Felix Magath – möglicherweise der einzige deutsche Trainer, dem man alles zutrauen kann – weiß, wie aus Raúl wieder Royal wird. Und Felix (der Glückliche) hält am Ende, wie schon in Wolfsburg, bereits in seinem zweiten Trainerjahr auf Schalke die Meisterschale in der Hand.
