
- Robert Teurezbacher (Barefoot Etc USA) - Sabrina Sann
Weil es nur wenige gab, die viel wagten, dauerte es genau 30 Jahre, bis die erste Weltmeisterschaft in Barfuß Wasserski zustande kam. Heute ist Barefooting eine Disziplin, um deren Ranghoheit die Welt alle zwei Jahre kämpft.
Entstehung des Barfuß Wasserskisports
Je extremer der Sport, desto interessanter die Frage: "Wer denkt sich sowas aus?". Der Pionier war Chuck Sligh - ein Amerikaner natürlich, der kleinere und kleinere Ski probierte und schließlich theorisierte, dass es bei erhöhter Zuggeschwindigkeit des Bootes auch möglich sein müsste, ganz ohne Ski zu fahren.
Praktisch begann die Geschichte des Barfuß Wasserskilaufens 1947, als A.G. Hancock und Dick Pope in Cypress Gardens (damals ein Naturpark in Winter Haven, Florida, der durch seine Wasserski-Show bekannt wurde und sich zum Adventure Park entwickelt hat) von einem Wasserski abstiegen und barfuß weiterfuhren. Seit dieser Zeit wurden die verrücktesten Startmethoden und Tricks entwickelt wie zum Beispiel das Herausspringen aus zwei Ski, der Vorwärts- und Rückwärts-Tiefwasserstart, das Springen vom Dock, Drehungen auf dem Rücken (der sogenannte "tumbleturn") - ja sogar Salti und Vorwärts-/Rückwärtsdrehungen sind beim Barfuß Wasserskilaufen möglich.
Entwicklung zum Wettkampfsport
Wettkampfveranstaltungen gab es fast von Beginn an. Die erste Weltmeisterschaft in Barfuß Wasserski fand allerdings erst im Jahre 1978 in Canberra, Australien, statt, nachdem in den 60er Jahren die Dominanz im Barfuß Wasserski von den Amerikanern an die Australier übergegangen war. In dieser Zeit war Australien immer eine Nasenlänge voraus: Sie hatten die besten Läufer, die verrücktesten Tricks, waren die Pioniere des Schanzenspringens im Barfuß Wasserski, entwickelten die Wettkampfregeln und organisierten die ersten internationalen Wettkämpfe - und schließlich auch die erste Barfuß Wasserski Weltmeisterschaft. In Europa fand der erste Wettkampf im Jahre 1968 statt.
Obwohl in den 70er und 80er Jahren ein Weltrekord den anderen überbot, war das Barfuß-Springen zu dieser Zeit eine umstrittene Disziplin. Dennoch ist sie neben Tricks und Wake Slalom bis heute eine der drei Wettkampfdisziplinen des Barfuß Wasserskilaufens geblieben.
Wenig Nachwuchs trotz vereinfachter Lernmethoden
Das höchste Level erreichte der Barfuß-Sport in den 90er Jahren, als zum Beispiel durch die Entwicklung eines Schnürschuh-Wasserskis ("shoeski") durch den damaligen Europameister Robert Teurezbacher die Lernmethoden professionalisiert wurden. Heute ist es leichter denn je, das Barfuß Wasserskilaufen zu lernen. Doch trotz der mittlerweile vielseitigen Vereinfachungs- und Sicherheitsmethoden ist das Interesse am Barfuß Wasserskisport stark zurück gegangen.
"Die Jungs von heute haben andere Sorgen als wir damals. Wie wir unsere Körper ständig ans Limit brachten, so bringen heute die jungen Leute ihren Kopf ans Limit: mit Fernsehen, Computer, Emails, SMS, Blackberry-Newsletter und den ganzen Tag am Schreibtisch", meint Teurezbacher, "und genau wie wir damals, schießen damit auch heute einige über das Ziel hinaus - nur sitzen die einen beim Orthopäden, die anderen beim Psychologen."
Ein gesundes Leben liegt wahrscheinlich in der goldenen Mitte: Ein bisschen weniger Telekommunikation, ein bisschen mehr Körperaktion - und ab und an eine Dose Bier.
