
- Blick auf Las Médulas - Lou Avers
Ruina Montium nannten die Römer ihre Bergbautechnik, mit der sie im 1. und 2. Jh. Gold aus den Las Médulas förderten. Der römische Gelehrte Plinius der Ältere berichtete im Jahr 73 vom „Durchlöchern der Berge und Ausschwemmen mit riesigen Wassermengen“. Das Ergebnis ist eine zerklüftete rotleuchtende Hügellandschaft, durchzogen von Höhlen und unterirdischen Galerien, die Ihresgleichen in Europa sucht.
Tourismusmagnet Las Médulas
Von der Aussichtsplattform schaut der erstaunte Besucher auf orangerote Bergspitzen einer skurril geformten bizarren Landschaft. Mittendrin leuchten grüne Farbtupfer uralter Pinienbestände. Niemand hätte hier, im tiefsten Nordwesten des spanischen Festlandes, ein solches Panorama erwartet. Karl May lässt grüßen. Fast wähnt man sich in Colorado oder in einem alten Westernfilm. Hunderttausende Touristen kommen jedes Jahr, um diese von Menschenhand geschaffene Kulturlandschaft zu sehen. Dies trotz der recht abenteuerlichen Anfahrt über eine schmale Bergstraße und engen Natursteindörfchen mit ihren für die Gegend typischen Holzbalkonen. Einige steigen auch hinunter in das Reich der gigantischen Höhlen und unterirdischen Galerien. Wanderwege geleiten die Besucher heute zu den interessantesten Stellen quer durch die roten Sandsteinkegel und Felsenzipfel.
Wie entstand die Landschaft der „Las Médulas“?
Das landschaftliche Phänomen der Médulas erscheint wie eine Laune der Natur. Doch ist es nichts anderes als das Ergebnis einer massiven und gezielten Zerstörung durch Menschenhand. Über 250 Jahre lang waren die Médulas eine Bergbaulandschaft des Imperium Romanum. „Was in Las Médulas geschieht, übersteigt das Werk von Giganten“ schrieb Plinius der Ältere im 1. Jh. über die hydraulische Bergbautechnik seiner Landsleute. Mehr als 1.600 Tonnen des Edelmetalls förderten die Römer zutage und verdienten sich damit eine im wahrsten Sinne des Wortes "goldene Nase". Der Bedarf war enorm und die Gier nach Gold groß. Man benötigte Münzen, Schmuck und Alltagsgegenstände. Mit Wasserkraft sprengten die Römer die Bergwelt der neu eroberten Region Tarraconensis, um an die Goldschichten im Erdreich zu kommen. Dafür wurden enorme Mengen an Wasser benötigt, die durch ein verzweigtes Kanalnetz über 100 Kilometer Länge von der Sierra de Cabreras hergeleitet wurden. Römische Sklaven und über 60.000 Arbeiter aus Asturien gruben die Galerien und durchhöhlten die Landschaft wie Maulwurfsgänge. Über Monate sahen die Bergarbeiter keine Sonne, viele bezahlten mit ihrem Leben in den gefährlichen Tunneln. Die Gänge wurden mit Wasser unterspült. Der enorme Druck ließ dann die Berge „implodieren“. Jetzt konnte der Abbau des Goldes beginnen.
UNESCO Weltkulturerbe Las Médulas
Seit 1992 ist die bizarre Minenlandschaft ein Naturpark. Die UNESCO nahm die Las Médulas im Jahr 1997 in die Weltkulturerbeliste auf. Las Médulas waren die wichtigste Goldmine des Römischen Reiches und sind in ihrer Art und Weise bis heute ein einzigartiges Phänomen. Die Begründung der UNESCO: „Las Médulas sind ein herausragendes Beispiel für innovative römische Technik, wo alle Elemente der früheren Landschaft, sowohl industrielle als auch heimische, bis zu einem außergewöhnlichen Grad überlebten“. Tatsächlich kann man dieses Urteil unterschreiben, wenn man von der Aussichtsplattform auf die „natürlich-künstliche“ Landschaft schaut.
Wie komme ich zu den Las Médulas?
Die Médulas liegen im Nordwesten Spaniens in der Nähe der alten Templerstadt Ponferrada in der Provinz Leon der Autonomen Gemeinschaft Kastilien-Leon. Von Ponferrada aus erreicht man die Landschaft über ein kurviges Bergsträßchen, das sich durch urige Natursteindörfer schlängelt. Für größere und höhere Fahrzeuge (Reisemobile beispielsweise) kann die Fahrt schon mal zu einem echten Abenteuer werden, denn die überhängenden Balkone machen die eh schon engen Straßen zu reinsten Nadelöhrgassen.
