Schäßburg wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts von deutschen Einwanderern gegründet und hat eine der besterhaltenen mittelalterlichen Stadtkerne Siebenbürgerns, weshalb die Stadt auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes steht.
Die Wurzeln Sighisoaras liegen bereits in römischer Zeit, erstmals urkundlich erwähnt wird die Siedlung 1280 als Castrum Sex, später als Saxoburgum. Bereits 1298 taucht der Name Schespurch in einem Ablassbrief auf, 1337 der ungarische Name Seguzwar, aus dem später Segesvar wurde und 1435 wird auch der rumänische Name Sighisoara erstmals genannt.
Die vielnamige Stadt mit ihren heute 33 000 Einwohnern liegt im Kokeltal an der Großen Kokel (Tarnava Mare) und ist bis heute eines der bedeutendsten Zentren Siebenbürgischer Kultur und Geschichte.
UNESCO-Weltkulturerbe
Der fast komplett erhaltene historische Kern, die „Burg“ der Stadt zählt seit 1999 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Kein Wunder, dass die ganze Altstadt eine einzige Sehenswürdigkeit ist. Kleine, sonnenbunte windschiefe Häuser mit tanzenden Ornamenten, verwinkelte Gassen neben großzügigen Straßen mit repräsentativen Patrizierhäusern strahlen einen Mix aus morbidem Charme und südlicher Lebensfreude aus.
Fast hätte das schon in Agonie liegende Regime Ceaucescu diesem verträumten, malerischen Kleinod den Garaus gemacht. Doch es reichte nur noch zu einem Bulldozerangriff, zu einer Schneise, wo der Kahlschlag drohte, dann waren Rumäniens Peiniger selbst am Ende. Heute kann man die Narben dieser Attacke auf die gewachsene Kultur kaum noch erkennen. Ein gnädiges Grün hat sie bedeckt.
Zu den Highlights, die man sich keinesfalls entgehen lassen sollte, zählt der 64 Meter hohe Stundturm aus dem 14. Jahrhundert, der das Wahrzeichen der Stadt ist. Von der Aussichtsplattform auf dem Turmdach hat man einen herrlichen Ausblick, auch das im Turm untergebrachte Mittelaltermuseum ist sehenswert. Der Turm ist Teil der ringförmigen Stadtmauer, die um die Oberstadt auf dem Schulberg herum führte und bis heute mitsamt einigen weiteren Toren erhalten blieb.
Kulturhistorische Highlights auf dem Schulberg
Nicht entgehen lassen sollte man sich auch die Schäßburger Bergkirche und den Bergfriedhof. Im Inneren sind mehrere Altäre aufgegebener Siebenbürger Kirchen des Umlandes ausgestellt, sowie eine Sammlung von Stollentruhen aus dem 16. Jahrhundert aus der Kirchenburg Henndorf. Der deutsche Friedhof mit seinen Gruften und aufwändig gearbeiteten Grabsteinen ist ebenfalls sehenswert.
Ebenfalls auf dem Schulberg, der den Einheimischen Jahrhunderte als Zufluchtsort diente liegt das Josef-Haltrich-Lyzeum, das Lyzeum der deutschen Minderheit. Zu ihm führt die Schülertreppe von 1642 von der Altstadt herauf, ein hölzerner überdachter Aufgang mit über hundert Stufen.
Die Klosterkirche aus dem Jahr 1515 dient heute als evangelische Pfarrkirche. Besonders kostbar sind hier das kunstvoll geschnitzte Chorgestühl, das bronzene Taufbecken, die Wandmalereien und orientalischen Teppiche.
Schäßburg besitzt noch ein weiteres Wahrzeichen, den Uhrturm. Seit über 300 Jahren macht hoch oben im Uhrturm zum Tageswechsel um Mitternacht gleichmütig eine Figur der anderen Platz. Nach Selene folgt am Dienstag Mars, dann Merkur und Jupiter. Woche für Woche, Jahr für Jahr geben sie der Zeit Gestalt und ein Gesicht. Nicht umsonst sagt der Volksmund: „In Transsylvanien messen die Uhren nicht die Zeit, sondern die Ewigkeit“.
Weitere attraktive Ziele in Siebenbürgen, dem Land der wehrhaften Kirchenburgen sind Sibiu und Brasov.
