
- VW Phaeton Facelift Auto China 2010 - Volkswagen AG
Der Wolfsburger Autohersteller wollte mit seinem Luxusklassemodell Phaeton der S-Klasse von Mercedes-Benz Marktanteile abspenstig machen. Dies ist Volkswagen auch gelungen: Allein von Januar bis November 2009 wurden in Deutschland 6.186 Mercedes S-Klasse erstzugelassen, aber eben auch 1.810 VW Phaeton. Der Phaeton erlebte im Jahr 2002 seine Weltpremiere; im Jahr seiner Markteinführung in China wurden 60 Fahrzeuge im Reich der Mitte verkauft. Ganze 1.000 waren es 2008; ein Jahr später rund 1.400 Exemplare. Anlass genug, den neuesten Phaeton in Peking auf der Auto China (25. April bis 02. Mai 2010) vorzustellen.
Große Produktaufwertung: Der VW Phaeton und sein neuer Auftritt
Auf den ersten Blick fällt auf, dass nun auch der Phaeton das neue Konzerngesicht trägt. Das alte Happy Face der Marke ist den geraden Linien der neuen sogenannten Volkswagen-Design-DNA gewichen. Durch den Materialwechsel zwischen poliertem und mattem Chrom wirkt der neue dreidimensionale, breiter bauende und aufrechter stehende Kühlergrill aber edler als die jeweiligen Einheiten kleinerer Volkswagen-Modelle. Das neue Grillgitter im unteren Teil der jetzt kantigeren Frontschürze kommt ohne die bisherigen, unruhig wirkenden senkrechten und waagerechten Streben aus. Im VW-Zeichen sind die Radarsensoren der automatischen Distanzregelung integriert.
Links und rechts vom Grill schließen sich neue und serienmäßige Bi-Xenonscheinwerfer mit integriertem Kurven- und Abbiegelicht an. Die Blinker und das Abbiegelicht sind als extrem gut sichtbare und stilistisch prägnante LEDs ausgeführt. Auch die Stoßfänger wurden neu gestaltet und im Gegensatz zum Vorgänger vollständig in Wagenfarbe lackiert. Es gibt eine neue, dreiteilige Zierleiste am ebenfalls neuen Heckstoßfänger, geänderte Seitenleisten, schmaler gezeichnete LED-Blinker in den Außenspiegeln und neue 18-Zoll-Felgen vom Typ Experience.
Der VW Phaeton L bietet einen um zwölf Zentimeter längeren Radstand
Alle anderen Karosserielinien blieben unverändert. Der Phaeton wird nach wie vor in zwei Radständen (5,06 und 5,18 Meter) und zwei Fond-Versionen (drei Sitze oder zwei Einzelsitze) angeboten. Die Fans des Phaeton, aber auch seine Kritiker lobten das zeitlose Design der Limousine. Vor allen Dingen die Heckpartie gefiel. Dass die Rückleuchten in ihrer Grundgestaltung beibehalten blieben, aber eine neue Leuchtengrafik bekamen, werden Freunde der bisherigen Rundanordnung der LEDs in den Rückleuchteneinheiten bedauern, denn die Klarheit der alten, klassisch rund angeordneten Leuchtmittel musste einer verspielten Allerweltsanordnung in M-Form weichen.
Die Motoren im neuen Volkswagen Phaeton
Die Grundmotorisierung des Phaeton ist ein V6-Benziner mit 206 kW / 280 PS. In den Leistungsstufen über dem V6 FSI sind ein V8- und W12-Benziner mit 246 kW / 335 PS respektive 331 kW / 450 PS erhältlich. Im Dieselbereich bietet Volkswagen einen V6 TDI an. Er ist in Europa das am häufigsten gewählte Aggregat für die Limousine. Der aufgeladene Common-Rail-Direkteinspritzer leistet 176 kW / 240 PS und beschleunigt den in diesem Fall 237 Stundenkilometer schnellen Phaeton V6 in nur 8,6 Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde. Dem gegenüber steht ein nun nochmals gesenkter Durchschnittsverbrauch von lediglich 8,5 Litern pro 100 Kilometer (analog 224 g/km CO2).
Wesentlichste Änderung im Interieur ist das neue Multifunktionslenkrad
Das Interieur des Phaeton gilt als eines der elegantesten, hochwertigsten und komfortabelsten der gesamten Oberklasse. Die Vierzonen-Klimaanlage arbeitet zugfrei. Die Achtzehnwege-Sitze wurden für ihre Ergonomie schon preisgekrönt. Das gestalterische Grundkonzept des Innenraums ist daher gegenüber dem Vorgänger unverändert geblieben. Aber der neue Phaeton erhält ein komplett neu gestaltetes Multifunktionslenkrad; es kann entweder in Leder oder in einer auf die jeweiligen Holzapplikationen abgestimmten Holz-Leder-Kombination bestellt werden. Es wirkt deutlich weniger klobig, als das bisher verbaute Lenkrad.
Die Multimediawelt im neuen Volkswagen Phaeton
Die selbsterklärende Bedienung des Phaeton wurde uneingeschränkt auf die aktuelle Radio- und Navigationssystem-Generation übertragen. Die mit einem 8-Zoll großen Touchscreen ausgestatteten Systeme bilden eine Funktionseinheit mit der Klimaanlagen- und Multimediasteuerung. Im neuen Phaeton bietet Volkswagen für das mit einer 30 Gigabyte großen Festplatte ausgestattete Radio-Navigationssystem RNS 810 erstmals eine internetbasierte Google-Funktion als Ergänzung der Kartendarstellung an. Die entsprechenden Daten werden via Mobiltelefon online in das System geladen.
Assistenzsysteme im neuen VW Phaeton
Nach dem neuen Touareg wird auch der Phaeton mit dem optionalen Dynamic Light Assist erhältlich sein. Diese komplexe Technologie erkennt dank einer im Bereich des Innenspiegels integrierten Kamera andere Verkehrsteilnehmer und regelt analog die Ausleuchtung der Fahrbahn. Mit an Bord des neuen VW Phaeton sind auch die automatische Distanzregelung namens ACC, das Umfeldbeobachtungssystem Front Assist sowie der Spurwechselassistent Side Assist. Ein Reifendruckkontrollsystem bietet zudem einen nochmals erhöhten Sicherheitsstandard.
Der neue Phaeton in der Kritik des European Phaeton Owners Club: "China-Bling-Bling"
Etwa 40 Phaetonfahrer besuchten am 10. April 2010 die Fertigungsstätte des Phaeton. In einer Präsentation stellte deren Geschäftsführer Dr. Löschmann das neue Modell bereits vor. Die ebenfalls anwesenden Vertreter der zuständigen Designgruppe mussten sich von der treuen Kundschaft harsche Kritik anhören. Vor allem die Änderung der Rückleuchten in eine Allerweltsoptik wurde bemängelt. Dass es weder einen neuen großen Dieselmotor noch einen Hybrid geben würde, wurde ebenso kritisiert, wie die Flut an LEDs: „China-Bling-Bling“ nannte ein Clubvertreter dies und wertete diese Neuerung ebenso als Rückschritt, wie die altmodische Navigationsantenne auf dem Dach. Das Design von Phaeton-Erschaffer Hartmut Warkuss wurde in diesen Teilen als verschlimmbessert bezeichnet.
Premiere auf der Auto China
Dass der neue Phaeton im Reich der Mitte vorgestellt wurde, versteht der deutsche Autofahrer vielleicht besser, wenn er davon erfährt, dass es in den chinesischen Städten Chengdu, Beijing und Shenzen sogenannte Phaeton-Center gibt, weil dieser Typ in China sehr beliebt ist. Die Center gehören zwar zu Händlerbetrieben vor Ort. Doch in den Phaeton-Centern wird ausschließlich der Phaeton verkauft. Die Center sind nach Angaben des Herstellers direkt mit dem Fertigungsort der Limousine, der Gläsernen Manufaktur in Dresden, verbunden und erfahren so eine intensive Unterstützung seitens VW. Die Präsentation der neuesten Fassung des Phaeton wird daher als Verbeugung vor den Kunden in China verstanden, dem zweitgrößten Markt für dieses Auto nach Deutschland.
