Weltraumtourismus – von der Utopie zur Realität

Der blaue Planet - ©kladu/pixelio
Der blaue Planet - ©kladu/pixelio
Wenige Menschen durften Weltraumtourismus schon erleben. Verschiedene Anbieter arbeiten zur Zeit an weiteren, auch günstigeren Angeboten.

Science Fiction Autoren beschreiben Weltraumtourismus schon lange. Von Jules Vernes „Von der Erde zum Mond“ über verschiedene Erzählungen von Ray Bradbury in den „Marschroniken“ oder „ Der illustrierte Mann“ bis hin zu der phantastischen Tourismuspersiflage mit Bruce Willis in „Das fünfte Element“, Weltraumtourismus ist ein Thema, das sich literarisch oder filmisch prächtig abhandeln lässt.

Wer in der Realität aber darüber nachdachte, der wurde lange Zeit als Spinner abgetan. Astronauten waren hochqualifizierte Spezialisten, ihre Raumschiffe sündhaft teure Einzelanfertigungen. Selbst das „wiederverwertbare“ Space Shuttle der NASA hat daran nichts geändert, denn bis das Shuttle zum Wiedereinsatz aufbereitet war, hatten die Amerikaner genau so viel Geld und Zeit verbraucht, wie die Russen, um eine neue Sojus Rakete startklar zu machen.

Dennis Tito, der Pionier des Weltraumtourismus

Alles änderte sich, als die amerikanische Firma Space Adventures 2001 mit Dennis Tito den ersten Menschen auf einem kommerziellen Flug ins All und zur internationalen Raumstation ISS beförderte. 20 Millionen Dollar legte der Amerikaner dafür auf den Tisch, ein Preis, der zeigt, dass Weltraumtourismus zwar technisch möglich, aber doch noch nicht für jedermann im Neckermann Katalog zu buchen ist. Auch eine Frau hat sich das Weltraumerlebnis schon geleistet: 2006 besuchte Anouseheh Ansari die ISS und bezahlte dafür 16 Millionen Euro.

Wer etwas billiger Astronautenluft schnuppern will, der kann an einem Weltraumtraining teilnehmen, bei dem den Touristen Teile des Trainingsprogramms der „echten“ Astronauten angeboten werden. Für etwa 90.000 Dollar wird zum Beispiel ein siebentägiges Training angeboten, ähnlich wie es auch die Profis durchlaufen. Das Angebot umfasst einen Gesundheitscheck, Training der Schwerelosigkeit im Wassertank und im Sojussimulator und weitere Stationen aus dem Trainingsprogramm der Astronauten. Einzelne Trainingselemente kann man zu Preisen ab 5.000 Dollar auch separat buchen.

Weltraumtourismus durch Flüge im suborbitalen Bereich

Angebote für Raumflüge im suborbitalen Bereich sind bei verschiedenen Anbietern in Arbeit. Suborbital bedeutet, dass man nicht so hoch fliegt, dass es möglich wäre, eine Erdumlaufbahn zu erreichen, obwohl man in über 100 Kilometer Höhe in den Weltraum vordringt. Die Firma Virgin Galactic forscht seit Jahren an technischen Möglichkeiten, solche Flüge zu „akzeptablen“ Preisen verwirklichen zu können. Für 200.000 Dollar will die Firma des Abenteurers und Milliardärs Richard Branson Touristen in den Weltraum befördern. Wer sich einen Flug sichern möchte und das nötige Vertrauen in das Unternehmen mitbringt, der kann sich mit einer Anzahlung von 20.000 Dollar bereits jetzt in eine Warteliste aufnehmen lassen.

Virgin Galactic hat zu diesem Zweck den Raumgleiter Space Ship Two entwickelt, der 2010 seinen ersten Testflug erfolgreich überstanden hat. Zwei Testflüge hatte 2004 schon das Vorgängermodell Space Ship One absolviert. Wenn alles nach den Plänen von Branson und Virgin Galactic läuft sollen 2012 die ersten Touristen zu suborbitalen Raumflügen aufbrechen können.

Schwerelosigkeit erleben durch Parabelflüge

Das Erlebnis Schwerelosigkeit, das so vielen Menschen als Traum vom Weltraumflug gilt, kann man sich heute schon für Preise ab etwa 5.000 Euro leisten. Allerdings nur wenige Sekunden lang. Sogenannte Parabelflüge, in speziell dafür ausgerüsteten Flugzeugen, ermöglichen Schwerelosigkeit an der Spitze der parabolischen Flugkurve. Für etwa 20 bis 30 Sekunden kann man in einem solchen Flugzeug frei im Raum schweben. Werden mehrere Parabeln geflogen, lässt sich das Erlebnis auch wiederholen. Manche Menschen sprechen dabei von einer Simulation der Schwerelosigkeit. Das ist aber nicht richtig. Die Schwerelosigkeit in einem Parabel- oder wie sie auch genannt werden Zero-Gravity-Flug, unterscheidet sich in nichts von der Schwerelosigkeit in einer Raumkapsel, außer durch ihre zeitliche Begrenzung auf den Moment, in dem das Flugzeug die Spitze der Parabel durchfliegt.

Wird der Weltraumtourismus bis zum Mond ausgedehnt?

Ganz so utopisch wie zu Zeiten Jules Vernes kommt uns Menschen des 21. Jahrhunderts ein touristischer Flug zum Mond sicherlich nicht mehr vor. Die Firma Space Adventures ist allerdings schon einen Schritt weiter. Die Pioniere des Weltraumtourismus planen, zusammen mit russischen Partnern einen Flug zum Mond anzubieten. Ein Profikosmonaut soll dabei mit zwei zahlenden Gästen zum Mond fliegen, diesen umrunden und seine Gäste wieder sicher zur Erde zurück bringen. 100 Millionen Dollar veranschlagt Space Adventueres zur Zeit für dieses Angebot. Wer sich das Abenteuer leisten will, der sollte also schon einmal anfangen, etwas Reisegeld zurück zu legen.

Bildnachweis: ©kladu/pixelio

Rainer Hitzler , Rainer Hitzler

Rainer Hitzler - Wie so viele Autoren bin ich Autor aus Berufung, fast seit ich lesen und schreiben kann. Mittlerweile 50 Jahre alt kann ich somit auf ...

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