Welttag des audiovisuellen Erbes – 27. Oktober

analoger Film - schon heute fast eine Rarität - Oliver Haja/pixelio.de
analoger Film - schon heute fast eine Rarität - Oliver Haja/pixelio.de
Der internationale Aktionstag „Welttag des audiovisuellen Erbes" setzt sich für den Erhalt audiovisueller Medien als Weltkulturerbe ein.

Im Jahr 2005 wurde er durch die UNESCO ausgerufen – seit 2007 wird er auch in Deutschland offiziell am 27. Oktober jeden Jahres begangen. Die deutsche Leitung des Welttages liegt bei der Deutschen Kinemathek in Berlin; Aktionen anlässlich dieses Tages gibt es aber bundesweit. So greifen die wichtigsten, im Kinematheksverbund zusammen geführten Filminstitutionen wie Filmarchive, -museen und -stiftungen den Aktionstag auf und organisieren dementsprechende Veranstaltungen.

Audiovisuelle Medien als Weltkulturerbe

Der Welttag des audiovisuellen Erbes – auch bekannt als Aktionstag zum Erhalt historischer Film-, Video- und Tondokumente – soll ins allgemeine Bewusstsein rufen, dass die in den letzten rund 100 Jahren geschaffenen Medienerzeugnisse, darunter Fotos, Tonaufnahmen, Filme und Videos, als Kulturerbe zu würdigen und zu erhalten sind. Zudem erinnert er an die „Empfehlung zum Schutz und zur Erhaltung bewegter Bilder“, die am 27. Oktober 1980 durch die UNESCO verabschiedet wurde. Die Aufgabe des Sammelns, der Sicherung und der Präsentation von filmischen Werken liegt zu großen Teilen bei dem weltweiten Netz von Filmarchiven. Trotz dieser Arbeit ist ein nicht unbedeutender Teil der geschaffenen Werke heute nicht mehr erhalten und somit ist ein Teil des audiovisuellen Erbes bereits verloren. Dies liegt an verschiedenen Faktoren, die zusammen wirken: Viele Fotos, Tonaufnahmen oder Filme konnten zur Zeit des Entstehens nicht archiviert werden. Oft war man sich auch der Bedeutung des Materials für spätere Generationen nicht bewusst. So sind Audiovisuelle Dokumente heute ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes der Menschheit und einmalige Zeugnisse der Sozialgeschichte.

Verwundbarkeit“ der audiovisuellen Dokumente

Wir sind heute – im 21. Jahrhundert – umgeben von audiovisuellen Medienerzeugnissen: Filme, Radio- und Fernsehprogramme, Ton- und Videoaufnahmen, analoge und digitale Bildmaterialien. Sie alle sind unsere primären Zeugnisse unseres alltäglichen Lebens – die Dokumentation unserer Existenz.

Alle audiovisuellen Medienerzeugnisse werden auf verschiedenen analogen und digitalen Trägermaterialien gespeichert. Diese sind in unterschiedlichem Maße vom Verfall bzw. der Zerstörung durch Umwelteinflüsse bedroht – wovon natürlich auch die auf ihnen gespeicherten Inhalte betroffen sind. Man kann heute davon ausgehen, dass die meisten Systeme bzw. Speichermedien eine Lebensdauer von 10 bis 15 Jahren haben – danach ist entweder der Träger so angegriffen, dass der Inhalt nicht mehr vollständig wiederzugeben ist oder es gibt schlichtweg keine passenden und funktionierenden Wiedergabegeräte mehr. Somit ist ein ständiger Transfer von einem Trägermedium zum nächsten vonnöten, um die Inhalte die Zeit überdauern zu lassen – und selbst mit diesem Aufwand wird sich ein gewisser Verlust nicht verhindern lassen.

Aktionen der Kinemathek in 2011

Anlässlich des diesjährigen sechsten Welttages des audiovisuellen Erbes zeigt die Deutsche Kinemathek am Potsdamer Platz in Berlin Stummfilme aus der Zeit von 1907 bis 1911 – also aus der ersten Ära des Films überhaupt. Zu dieser Zeit war der Film und das Kinogeschehen selbst noch in einem ständigen Wandel begriffen – einem Sich-Selbst-Erfinden und Fortlaufend-Neu-Präsentieren: Das zeigt sich vor allem in der Vielfalt der unterschiedlichen Ansätze. In Berlin gibt es heute eine Mischung aus Farbe und Bewegung, Musiknummern mit Schallplattenbegleitung, Slapstick gegen Autoritäten, elegante Thriller und stimmungsvolle Western – ein bunter Mix aus dem, was die deutsche, französische und amerikanische Filmlandschaft zu dieser Zeit zu bieten hatte. Wenngleich wir davon natürlich nur zu Gesicht bekommen können, was sich bis jetzt erhalten ließ ...

Christina Helm, Christina Helm

Christina Helm - Magister Artium (M.A.) in systematischer Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Klassischer Literaturwissenschaft. Freie ...

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