
- Gefährdet - der Aussstellungsort Tacheles - Stefan Jalowy
Im Kunsthaus Tacheles haben in den zwanzig Jahren seines Bestehens mehr als zehntausend Künstler aus über vierzig Ländern gearbeitet, ausgestellt, Theater oder ihre Musik gespielt. Täglich treffen Emails und Briefe aus allen Teilen der Welt im Kunsthaus ein, in denen sich vor allem Künstler für den Erhalt dieses internationalen Kunsthauses einsetzen.
Tacheles – ein Kunstort gegen die Gesetze des Marktes
So bezeichnete der Pariser Maler Mauro Bordin in einer Email das Tacheles „als Zeuge einer Geschichtsperiode der Stadt. Es zu beenden, wie es leider mit vielen andern symbolträchtigen Orten passierte, wäre auch eine Beendigung eines Teils der Identität der Stadt Berlin. Berlin ist im europäischen Panorama gerade durch seine Geschichte bedeutsam.“ Das Tacheles ermögliche es insbesondere Nachwuchskünstlern, ihre Werke auszustellen, Veranstaltungen zu organisieren, musikalische Auftritte zu geben, und all dies außerhalb der Logik des Marktes. Damit sei es ein wichtiger Beitrag für die Künstlergemeinde. Zudem sei das Kunsthaus Tacheles auch ein Anziehungspunkt für Touristen, die gerne einen so ungewöhnlichen historischen Ort besichtigen. Die italienische Malerin Roberta Zeta schreibt: „Das Tacheles ist so ein großartiger Ort für kulturelle internationale Inspiration. Es muss weiter bestehen!“
Tacheles als internationalen Kunstort erhalten
Der italienischer Klangkünstler und Dichter Alessandro De Francesco erinnert an seine Arbeit im Tacheles: „Eines meiner ersten Werke, die Klanginstallation "o.m." wurde im Tacheles realisiert.“ Von dort aus wurde sein Werk als Dichter und Künstler weltbekannt. Alessandro De Francesco war Gastdozent an der European Graduate School (Schweiz/US), Lehrbeauftragter an der Ecole Normakle Supèrieure und Sorbonne (Frankreich), Artist-in-residence bei STEIM, (Niederlande). Er fühle sich verpflichtet, „überall von dem Kunsthaus Tacheles zu berichten, denn ohne dieses wäre meine Karriere nicht möglich gewesen. Das Tacheles muss weiterexistieren! Kein europäischer Künstler kann sich heute noch Berlin ohne das Tacheles vorstellen.“ Tatsächlich ist das Tacheles in einigen Teilen der Welt wesentlich bekannter als etwa die hoch subventionierte Museumsinsel in Berlin. Aus New York schrieb die norwegische Künstlerin Sol Kjok: „Das Kunsthaus Tacheles ist eine ganz einmalige historische Institution, die einen internationalen Ruhm hat.“
Botschafter lobt das Kunsthaus
Im Vorfeld einer Ausstellung im Tacheles schrieb der Botschafter der Republik Ecuardor Horacio Sevilla Borja an die Geschäftsführerin des Tacheles, Linda Cerva. In dem Schreiben bekundet er seine Freude darüber „mit Ihnen und dem Tacheles zusammen zu arbeiten, um das Werk des ecuadorischen Künstlers Amaru Cholongo am 10. Juli 2010 zu zeigen.“ Das Tacheles, so Botschaft Borja „besitzt den wohlverdienten Ruf, einen Raum für die Förderung zeitgenössischer Kunst zu bieten. Ich betrachte das Tacheles als einen idealen Ort für die Ausstellung der Arbeiten von Amaru Cholongo. Seine Werke beinhalten uralte Wurzeln, die in die Gegenwart projiziert werden, um ein universelles Bewusstsein zu umschießen.“
Tacheles Fans auch im Bundestag
Auch aus dem Deutschen Bundestag kam Post ins Kunsthaus.So bekannte sich die aus Ibbenbüren stammende Bundestagsabgeordnete Ingrid Lieselotte Remmers als begeisteter „Tacheles-Fan“.„Als ich vor einem halben Jahr als frisch gewählte Abgeordnete nach Berlin kam, war eines der ersten Dinge die ich von Berlin gesehen habe, das Tacheles. Ich schätze dieses alternative Kunsthaus sehr und habe dort auch ein wunderbares Bild für mein neues Büro erstanden. Dass die HSH Nordbank plant, dass Tacheles räumen zu lassen, war mir nicht bekannt und ich bin entsetzt.“ Die Abgeordnete versprach, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für den Weiterbestand des Kunsthauses einzusetzen.
Post von Petra Pau
Petra Pau, MdB, bekundete ihre Unterstützung. In den vergangenen Wochen hätten sie zahlreiche Briefe, E-Mails und Telefonate von besorgten KünstlerInnen und sympathisierenden BürgerInnen des Berliner Kunsthauses Tacheles chrieb sie und fügte hinzu. „Die Linke verurteilt die dubiose Geschäftspraxis, die hinter der geplanten Zerstörung dieses kulturellen Freiraums in Berlin-Mitte und der ersehnten Vermarktung des ‚Tacheles’ steckt. Zusammen mit den jetzigen Betreibern des Kunsthauses und der Abgeordnetenfraktiion der Linken und der SPD in Berlin suchen wir nach einer Lösung für den Erhalt des Standortes.“
Foto: Stefan Jalowy
