
- Dioxin - Gerd Altmann - Pixelio.de
Dioxine gehören zu den gefährlichsten Giften dieser Welt und stehen aufgrund ihrer Allgegenwärtigkeit in Natur und Gesellschaft unter ständiger Beobachtung. Dennoch – oder gar deshalb – kam es in der Vergangenheit weltweit immer wieder zur Aufdeckung erhöhter Dioxin-Level besonders in Nahrungsmitteln. Aber auch Nahrungsmittelunabhängige Fälle von Dioxinvergiftungen wurden durch einige Großereignisse in der Geschichte bekannt. Eine Reihe bedeutender Dioxin-Skandale führten zu sogenannten Beobachtungs- und Evaluationsprogrammen vieler Länder, welche für ständige Kontrollen von Dioxinwerten in verschiedenen Bereichen wie zum Beispiel der Nahrungsmittelindustrie, Technik, Luft und im Boden zuständig sind und somit Verbraucher schützen sollen.
Dioxin-Skandale im frühen 21. Jahrhundert
2011 startete Deutschland direkt mit einer unangenehmen Eilwarnung, welche auf den neuesten - und immer noch aktuellen - Dioxin-Skandal im Geflügel und in Eiern in einigen Bundesländern hinwies. Streng genommen spiegelt diese Meldung ein relativ effizientes Kontrollsystem wieder, welches frühzeitig erhöhte Dioxinwerte aufdeckt und dadurch in Zukunft sogar noch strenger gehandhabt wird.
2008 wurden Fälle in Irland bekannt, nachdem Schweinefleisch und Schweineprodukte vom Markt genommen werden mussten. Der Dioxingehalt übertraf die erlaubte und als unschädlich betrachtete Konzentration der Chemikalie um das bis zu 200-fache. Die Ursache wurde im Futtermittel für die Tiere gefunden.
2007 veröffentlichte die europäische Kommission eine Warnmeldung, nachdem in einem Nahrungsmittelzusatz (Guarkernmehl) schädliche Werte von Dioxin festgestellt wurden. Der Zusatzstoff stammte aus Indien und übertraf den erlaubten Grenzwert an Dioxin um das 1.000-fache. Als Konsequenz dieses Skandals darf Indien das Guarkernmehl nur noch unter strengen Auflagen nach Europa exportieren.
Im gleichen Jahr stand Neapel im Mittelpunkt der Medien, nachdem tödliche Werte Dioxins in Menschen und Tieren entdeckt wurden. Neapel hatte 2007 mit großen Müllablagerungen zu kämpfen, welche zum Teil unsachgemäß gelagert wurden.
2006 kam es zu einem Dioxin-Skandal in den Niederlanden, bei dem erhöhte Mengen Dioxins im Futtermittel für Tiere gefunden wurden. Die daraus entstehenden Nahrungsmittel für Verbraucher konnten durch die frühzeitige Entdeckung der Verseuchung vor Schlimmeren bewahrt werden.
2004 wurden in den Niederlanden erneut erhöhte Dioxinwerte festgestellt, diesmal in der Milch. Die Ursache konnte im Futtermittel für Kühe gefunden werden.
2004 kam es zudem zu einen Giftanschlag auf den damaligen neu gewählten ukrainischen Präsidenten Viktor Yushchenko. Nachdem er offiziell als neuer Präsident der Ukraine ernannt worden war, versuchten Unbekannte ihn mit einer hohen Dosis an TCDD zu vergiften. Er trug eine ersichtliche Chlorakne davon, aber auch nach sechs Jahren befindet sich Yushchenkos Körper noch immer in einer Genesungsphase. Trotz allem war er fünf Jahre lang im Amt, von 2005 bis 2010.
2002 kam es zur Hochwasserflut in Europa, wovon auch ein altes Chemiefabrikgelände aus der damaligen Tschechoslowakei betroffen war. Große Mengen an Dioxin wurden aus den verseuchten Gebäuden in die Elbe gespült. Dies hatte negative Auswirkungen auf die unmittelbare Umgebung von Neratowitz in der heutigen Tschechischen Republik.
2001 stürzten nach einem Terroranschlag die beiden Türme des World Trade Centres in New York ein. Der daraus aufgewirbelte Staub hüllte die Stadt noch Monate danach ein. Als Behörden nach über einem Monat Messungen für Dioxin vornahmen, fanden sie extrem erhöhte Werte. Gegeben der Umstände des Attentats erlangte diese Meldung in den Medien nicht ganz den erwünschten Stellenwert.
Dioxin-Skandale im 20. Jahrhundert
1999 musste Belgien einen Dioxin-Skandal ausstehen, der Geflügel, Eier und auch Schweine belastete. Der Grund lag erneute im verwendeten Futtermittel für Hühner und Schweine.
1998 gab es einen Milch-Skandal in Deutschland, bei welchem ebenso das Futtermittel für Tiere im Vordergrund stand.
1997 wurden in den USA erhöhte Mengen von Dioxin in Geflügel, Eier und im Wels gefunden. Die Ursache wurde in einer natürliche Dioxinquelle in einem nahegelegenen Schacht gefunden, welches durch ein prähistorisches Feuer entstanden sein soll.
1976 kam es im italienischen Seveso zu einem Chemiefabrikunglück, bei dem eine gigantische Wolke aus TCDD (ein Dioxin) eine Fläche von 15.0000 Quadratkilometern verseuchte. Noch heute werden die Auswirkungen dieser Katastrophe auf die Gesundheit der dort lebenden Menschen analysiert.
Während des Vietnamkrieges zwischen 1962 und 1971 kam es zu einem der bekanntesten Fälle schwerer Dioxinverseuchung der Weltgeschichte. In Form von TCDD - oder besser bekannt als Agent Orange - wurde Dioxin großflächig über Vietnam und teilweise über Laos und Kambodscha versprüht, um gegen das dichte Buschland anzukämpfen, das den amerikanischen Soldaten die Sicht auf mögliche Verstecke der gegnerischen Kämpfer versperrte. Das wirkliche Ausmaß der versprühten 80 Millionen Liter des Agent Orange ist auch heute noch schwer abzuschätzen. Neben vielen Toten gibt es ganze Dörfer und Gemeinden, deren Mitglieder mit verstümmelten Gliedmaßen und beschädigten Organen zur Welt kamen. Die folgenden Generationen nach dem Vietnamkrieg leiden noch immer unter dem Anschlag, da das Dioxin Veränderungen des genetischen Erbguts bewirkt und nur schwer aus der Umwelt wieder zu entfernen ist.
Viele weitere Fälle aus anderen Ländern sind bekannt. Die Weltgesundheitsorganisation ist bemüht, regelmäßige Evaluationen verschiedener Gesundheitsfaktoren durch Experten durchführen zu lassen. Diese sogenannten TEFs (Toxic Equivalency Factors) bestimmen Richtlinien und Grenzwerte für unschädliche Level eines Dioxins für Mensch und Tier und werden von vielen Ländern angenommen (Quelle: WHO).
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